Vor dieser Frau muss man den Hut ziehen

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Jeder Hut wird von Susanne Bänfer unter dem heißem Dampfstrahl ordentlich durchgebürstet, um ihn in die richtige Form zu bringen. Fotos

Frankfurt – Viele traditionelle Handwerksberufe sind vor dem Aussterben bedroht. Das gilt auch für den Hutmacher. Susanne Bänfer ist in Frankfurt die letzte ihrer Zunft – dabei sind Kopfbedeckungen längst kein alter Hut mehr. Von Dirk Beutel

Brad Pitt, Johnny Depp, Roger Cicero oder Jan Delay die Liste bekannter Hutträger ließe sich beliebig weiterführen. Trotzdem sind Modisten oder Putzmacher, besser bekannt als Hutmacher, nahezu aus dem öffentlichen Gedächtnis verschwunden. Als letzte Hutmacherin Frankfurts hält Susanne Bänfer die Fahne für ein fast vergessenes Handwerk hoch. Seit 21 Jahren besitzt die 49-Jährige ihren eigenen Laden im Oederweg und arbeitet wie sie selbst sagt „wie noch vor hundert Jahren“.

Vier Stunden für ein Unikat

Fast so alt sind auch ihre Arbeitsutensilien: Eine Hutdehne die seit etwa 50 Jahren ihrem Namen alle Ehre macht, eine Modisten-Nähmaschine, die sogar noch zehn Jahre älter sein dürfte und hunderte Hutformen, für jeden noch so ausgefallenen Kundenwunsch. „Die meisten haben konkrete Vorstellungen und kommen zum Beispiel mit einem Foto aus einem Magazin vorbei und wollen dann genau so einen haben“, sagt Bänfer. Ihre handgemachten Kreationen sind alle aus Hasenhaarfilz gefertigt und kosten ab 270 Euro aufwärts. Darunter viele Unikate. Etwa vier Stunden benötigt sie für einen Hut. Ihr wichtigstes Werkzeug: Der Dampfstrahler, dessen Hitze das Material biegsam und geschmeidig hält.

Hüte liegen im Trend

Echte Hutmacher werden immer seltener, dabei sind modische Kopfbedeckungen durchaus angesagt – auch beim jüngeren Publikum. Den größten Anteil daran haben Schauspieler und Popstars die modisch daherkommen oder die Teilnehmer bei königlichen Hochzeiten. „Dort werden viele Trends gesetzt“, sagt Bänfer. Wie etwa die Trauung von Prinz William und Kate Middleton, die den Fascinator, ein festlicher Kopfschmuck, zu einem echten Verkaufsschlager avancieren ließen. Aber auch die Männer entdecken den Hut wieder. Deshalb plant Bänfer, die vor ihrer Ausbildung Bildhauerei studierte, ihre erste eigene Hutkollektion für Männer.

Mittlerweile hat sich Bänfer mit ihren Stücken längst einen Namen gemacht. Mit ein Grund dafür ist, dass auch Prominente wie Susanne Fröhlich, Bärbel Schäfer oder die Prinzessin von Hohenzollern auf ihren Kopfschmuck setzen und sich das in gewissen Kreisen, herumspricht.

Aber auch Bänfer selbst wäre ohne eine bestimmte Haube ziemlich aufgeschmissen: Den Fingerhut. Nur mithilfe des kleinen Metallschutzes kann sie den Filz auf der hölzernen Hutform schmerzfrei fixieren. „Ohne den wäre ich wirklich verloren.“

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