Nur Stricken hat sich durchgesetzt

Von gestern: Diese Hobbys macht heute keiner mehr!

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Max (links) und Nico aus Dietzenbach zählen zu der wenigen jungen Briefmarkensammlern.

Region Rhein-Main – Altmodische Hobbys müssen von den Eltern unterstützt werden. Doch die parken ihre Kinder lieber vor dem Fernseher, als mit ihnen an der Modelleisenbahn zu basteln. Von Franziska Jäger

Nico sammelt Autos, Polen und Berlin. Das mag zunächst seltsam klingen, ist aber gängiges Muster – unter Briefmarkensammlern. Mit seinem Hobby steht Nico in seinem Freundeskreis ziemlich alleine da. Während der Zwölfjährige gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Max Bildchen der englischen Königin in sein Album klebt, toben die anderen Jungs draußen. „Sie fragen mich schon, warum ich nicht lieber Fußball spiele“, sagt Nico, der in der Jugendgruppe des Briefmarkenvereins Dietzenbach aktiv ist.

Bei ihren wöchentlichen Treffen sind sie mal zu zehnt, oft auch nur zu dritt. Je nachdem, welche Interessen bei den Jugendlichen gerade Vorrang haben, sagt der Vorsitzende Heinz Friedberg. Anschließend muss der Mann mit dem schlohweißen Haar und der Brille die Jungs zur Ordnung rufen: Sie haben bei der Mädchentanzgruppe in den Nebenraum gespäht.

„Dass Briefmarkensammeln was für spießige alte Männer ist, ist ein Vorurteil“, sagt Bodo von Kutzleben von der Frankfurter Vereinigung Moenus. Untermauern lässt sich das mit Blick auf den Frankfurter Verein kaum: Der Altersdurchschnitt der 100 Mitglieder, zwei davon weiblich, beträgt 60 Jahre. Ähnlich ist es in Dietzenbach. Der Optimismus rührt von Schätzungen des Bundes Deutscher Philatelisten. Zwei bis drei Millionen Sammler soll es in Deutschland geben – in die Vereine des Bundes zieht es aber nur 39.000. Vor allem im Jugendbereich sind die Zahlen rückläufig.

Stammkundschaft ist 60 Jahre und älter

„Der Nachwuchs findet doch nur noch Zugang zu diesen Hobbys, wenn der Opa das Enkelkind an die Hand nimmt“, sagt Roman Hahn. Ihm gehört das Modellbahn-Paradies in Mühlheim. Es ist eines der letzten Läden mit altem Spielzeug in der Region: „Heute kommt das Publikum in der Fußgängerzone damit überhaupt nicht mehr in Berührung.“ Hahns Stammkundschaft ist 60 Jahre und älter. „Wenn sich nicht auch die Eltern die Zeit nehmen und mithelfen, können Kinder dieses Hobby gar nicht ausführen. Aber es ist eben bequemer, den Fernseher anzuschalten.“ Krisengeschüttelte Firmen wie Märklin und Fleischmann versuchen mittlerweile, durch günstige Starterpakete die Jüngeren zu locken. Die fehlen laut Hahn auch in den Vereinen, die im Rhein-Main-Gebiet noch in jeder größeren Stadt zu finden sind. „Es wird viel versucht. Aber es läuft halt nicht“, lautet sein Fazit.

Als Gewinner unter den alten Hobbys geht die Handarbeit mit Wolle hervor. „Stricken war eigentlich zu jeder Zeit angesagt“, sagt Karin Stolze, Besitzerin eines Woll- und Modegeschäfts in der Leipziger Straße in Frankfurt. Das Geschäft brummt seit den Fünfzigern. Heute versuchen sich vermehrt junge Frauen am ersten selbstgestrickten Schal, und Kinder häkeln Topflappen als Weihnachtsgeschenke. Voll im Trend liegen Amigurumis, gehäkelte Püppchen aus Japan. Das angestaubte Bild von der strickenden Oma im Lehnstuhl hat längst ausgedient. .

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