Körperschmuck ist vor allem bei Beamten nicht gerne gesehen

In diesen Berufen sind Tattoos tabu!

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  Wer sich tätowieren lässt, sollte sich vorher überlegen, in welchem Beruf er arbeiten möchte. Nicht in jeder Branche sind Tattoos gerne gesehen.

Region Rhein-Main – Sie sind bunt, schick und liegen voll im Trend: Tattoos sind längst in unserer Gesellschaft angekommen. Das gilt aber nicht in jedem Job. Dort ist der auffällige Körperschmuck größtenteils noch immer nicht gerne gesehen. Von Dirk Beutel

Tattoos sind längst in alle Gesellschaftsschichten vorgedrungen. Dennoch: Im Beruf endet meist die Freiheit seinen Körperschmuck der Öffentlichkeit zu zeigen. Es gibt noch immer zahlreiche Branchen in denen ein verziertes Körperteil nicht gerade vertrauenserweckend ist. Tabubruch Tattoo!

Vor allem in Jobs mit direktem Kontakt mit Kunden sind Tattoos unerwünscht. Zumindest, wenn sie großflächig sichtbar sind oder der Inhalt, die Symbolik oder eine bestimmte weltanschauliche Botschaft daran zweifeln lässt, dass der Träger überhaupt für den Job geeignet ist.

Muss zum Image passen

Das bestätigt die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände: „Selbstverständlich akzeptieren Unternehmen, die auch im Körperschmuck zum Ausdruck kommende Persönlichkeit ihrer Mitarbeiter. Das kann auch ungewöhnliche Elemente einbeziehen“, sagt ein Sprecher. Ein Unternehmen könne seinen Mitarbeitern aber vorschreiben, keine offen sichtbaren Tattoos zu tragen, wenn es sich nicht mit dem Image des Unternehmens verträgt. In diesem Fall müssen die Arbeitnehmer ihre Tätowierungen durch eine entsprechende Wahl der Kleidung verdecken.

Rein rechtlich unterscheidet man zwischen dem Angestellten und dem Beamten. Von Letzteren wird per se eine wesentlich größere Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber verlangt. Dort sind die Richtlinien klar. Großflächige Tattoos dürfen nicht sichtbar sein, ebenso darf der Inhalt oder die Aussage einer Tätowierung nicht im Zwiespalt mit dem Beruf stehen. „Der Arbeitgeber hat das Recht, Regeln für seine Mitarbeiter zur Wahl der Kleidung, zur Länge der Haare, des Bartes oder der Nägel vorzuschreiben. Letzlich sind es jedoch immer Einzelfallentscheidungen, die in solchen Fällen getroffen werden. Auch bei Tattoos, da sie zur Privatsphäre gehören“, sagt Rechtsanwältin Nathalie Oberthür.

Tattoos auch bei Polizisten

Daher ist eine Tätowierung generell kein Ausschlusskriterium, auch nicht bei Respektspersonen wie Polizisten oder Vollzugsbeamten, wenn sie nicht gegen die Vorschriften verstoßen. Und die sind beim hessischen Innenministerium mittlerweile klar geregelt: „Im Dienst von Polizeivollzugsbeamten darf auffälliger oder die Sicherheit der Bediensteten gefährdender Körperschmuck und Accessoires, insbesondere sichtbar angebrachter Piercing-Schmuck, nicht getragen werden. Tätowierungen und Brandings dürfen im Dienst grundsätzlich nicht für die Öffentlichkeit sichtbar sein. Kaum auffallende Tätowierungen von minderer Größe ohne besondere Symbolik und mit einer weltanschaulich neutralen Botschaft dürfen getragen werden“, heißt es in der Verwaltungsvorschrift über die Dienstbekleidung der hessischen Polizei.

Aber Achtung: Gerade wenn Berufsanfänger gegen die Vorschrift verstoßen, „können Tätowierungen einen Eignungsmangel darstellen, sofern sie sich nicht in dem dargestellten Rahmen halten“, sagt Michael Schaich, Sprecher des hessischen Innenministeriums. Spätestens bei der ärztlichen Untersuchung werde beim Auswahlverfahrens festgestellt, ob die Bewerber für den Dienst geeignet sind.

Kein Rechtsstreit bekannt

Tatsächlich ist Anwältin Oberthür kein Rechtsstreit zwischen einem Angestellten und seinem Arbeitgeber bekannt, in dem das Tragen einer Tätowierung geklärt werden musste. „Wer in einer Bank, bei einer Versicherung oder im Verkauf arbeitet, weiß meist von vornherein, wie sein Chef über Tattoos denkt und wird sich vorher überlegen, ob er sich eins stechen lässt oder nicht.“ Dagegen gebe es etliche Tattoo-Fälle bei Beamten.

Doch was, wenn man sich für eine Tätowierung entscheidet, wenn man bereits in Lohn und Brot steht? „Sofern Polizeivollzugsbeamte, die sich bereits im Dienst befinden, nachträglich eine Tätowierung zulegen, ist im Rahmen der Dienstaufsicht zu reagieren“, sagt Schaich. Das heißt: „Es wäre abzuwägen, welche dienstaufsichtsrechtlichen und disziplinarrechtlichen Möglichkeiten bestehen und ob eine Forderung der Entfernung einer Tätowierung einen unverhältnismäßigen Eingriff in die körperliche Unversehrtheit bedeuten würde.“

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