Diese Majestät regiert die Tannenbäume

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Die Königin des nadeligen Lichterbaums in ihrem Element: Christi ne Lutz stilecht mit Krone, Schärpe und Zepter in der Weihnachtsschenke des familieneigenen Bauernhofcafés.

Otzberg – Er ist schon 500 Jahre alt, musste bisher aber ohne königlichen Beistand auskommen. Doch damit ist jetzt Schluss. Der Weihnachtsbaum hat mit der im Otzberger Ortsteil Ober-Klingen lebenden Christine Lutz seine erste Königin, die seine Rechte vertritt. Von Andreas Einbock

Die Tipps der Weihnachtsbaumkönigin: Als Erstes werden die Halter mit den Stumpenkerzen an tragende Äste geklemmt.

Davon träumt wohl jedes Mädchen: Einmal Königin sein. Für die Ober-Klingenerin Erzieherin erfüllte sich dieser Traum bei einer feierlichen Zeremonie in der hofeigenen Weihnachtsschenke des Café Grünewalds. „Es war ja nicht überraschend für mich, da ich ein paar Wochen Bedenkzeit hatte. Aber etwas aufgeregt war ich schon“, beschreibt Lutz den Moment, als ihr Dietrich Kübler, Landrat des Odenwaldkreises, die Krone aufsetzte. Seitdem ist sie Christine I. Drei Tannenbäume zieren die Krone, die, wie auch das Zepter aus Holz, in Heimarbeit selbst hergestellt worden ist. „Die drei Tannenbäume haben wir von einem Kerzenständer und die drei Schmucksteine sind aus meiner Schatulle“, so die 27-Jährige. Zudem wurden noch zwei Kämme für den Halt an den Haarreif angebracht, den ihr Freund als Metallbauer zu einem kleinen Kunstwerk verarbeitet hat. Damit machte die erste und vermutlich weltweit einzige Vertreterin ihrer Art auch beim Empfang von 149 weiteren Hoheiten vor einer Woche in der Hessischen Staatskanzlei in Wiesbaden mit Ministerpräsident Volker Bouffier Eindruck. „Viele hatten da nur dieselben Plastikkrönchen aus irgendwelchen Geschäften auf. Da wollten wir schon etwas Besonderes machen“, sagt Lutz.

Auf den Weihnachstbaum gehören echte Kerzen

Ein Blechelche mit kariertem Stoffbändchen gibt dem Baum ein tierisches Antlitz.

Für „ihre“ 18 Kinder in der Kindertagesstätte Nieder-Klingen ist sie schon lange etwas Besonderes. Vor allem, weil sie Werte und Rituale mit Regeln und Liebe vermittle. So sei sie auch davon überzeugt, dass auf einen echten Weihnachtsbaum unbedingt richtige Kerzen gehören. „Wir zünden die Kerzen alle gemeinsam an, lesen dann eine Geschichte, öffnen ein Päckchen im Adventskalender und machen die Kerzen zum Schluss wieder aus. Nur so lernen sie den Umgang und den Respekt vor dem Feuer“, ist sich die Kindererzieherin sicher.
Ihre Werte hat sie auf dem Bauernhof bei ihren Eltern mit zwei Schwestern und einem Bruder vermittelt bekommen. Schon seit 1852 ist der Bauernhof in der Bachstraße in Familienbesitz. Zu dem gehören seit 15 Jahren auch zwei insgesamt vier
fußballfeldgroße Weihnachtsbaumplantagen und seit acht Jahren das Café Grünewalds, in dem Lutz selbst gelegentlich aushilft. „Ich kenne die Natur des Weihnachtsbaumes von Kindertagen an. Er ist für mich wie ein Familienmitglied“, sagt Lutz und ergänzt: „Aber ich weiß auch, dass eine Nordmanntanne sieben bis acht Jahre braucht und sehr viel Arbeit dahinter steckt .“

Hessens Wald bietet beste Baumqualität

Holzherzen mit Lederbändchen runden den dezenten Eindruck ab.

Die kennt ihr Vater Georg Lutz, der derzeit täglich auf Weihnachtsbaumsplantagen ist und die bürokratischen Probleme mit dem hessischen Weihnachtsbaum beklagt: „Bei uns muss man vier Anträge bei vier Behörden für eine neue Kultur stellen. Kein Wunder, dass es die Konkurrenz aus dem Ausland leichter hat und billiger produzieren kann.“ Außerdem gäbe es im Rhein-Main-Gebiet genügend Nadelbäume, um die Nachfrage zu decken. Für den Kauf eines guten Baumes zähle neben der frischen Fällung die Lagerung. „Der Baum atmet durch die Nadeln. Deshalb sollte man ihn nicht in einen trockenen Raum, sondern draußen und in einem Eimer Wasser stellen“, sagt der Fachmann. Auch ein neuer, gerader Anschnitt am Stamm könne manchmal den Baum zu neuem Leben erwecken, so Georg Lutz. Ähnliche Tipps wird Christine I. auch am kommenden Mittwoch Ministerpräsident Volker Bouffier persönlich geben. Dann wird sie wieder ihres Amtes walten und einen Weihnachtsbaum überreichen.

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