Diese Drei ärgern die Deutsche Bahn

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Starten mit ihrer Studenten-Idee durch: Christian Janisch (blau-weißer Pullover), Alexander Kuhr (mit Bart) und Ingo Mayr-Knoch bieten Reisenden über ein Internetportal Mitfahrgelegenheiten in Bussen an.

Offenbach – Reisen innerhalb Deutschlands ist teuer und bietet nur drei Möglichkeiten: Auto, Bahn oder Flugzeug. Das wollen drei Offenbacher Jungunternehmer ändern. Mit ihrer Bus-Mitfahrzentrale nutzen die BWL-Studenten eine Gesetzeslücke und bringen somit das Monopol der Deutschen Bahn für Fernverbindungen ins Wanken. Von Andreas Einbock

Groß und luftig wirkt das Büro in der Heyne-Fabrik, das Alexander Kuhr, Ingo Mayr-Knoch und Christian Janisch im Juli bezogen haben. Viel Platz für gute Ideen und die Revolutionierung des deutschen Fernreisemarktes. Denn die BWL-Studenten betreiben seit März 2009 mit der Yourbus GmbH die XXL-Mitfahrzentrale DeinBus.de im Internet. „Das Prinzip ist ganz einfach. Auf unserer Internetseite wählt der erste Interessent Abfahrtsort, Ziel und Datum. Melden sich etwa 15 weitere Mitfahrer für diese Fahrt, mietet der Erste diesen Bus und die Reise geht los“, erklärt Mitbegründer Janisch.

Und das ist im Vergleich richtig günstig. So kostet eine Fahrt von Frankfurt nach Köln zwischen neun und 12,50 Euro. Mit dem eigenen Auto wären dafür etwa 35 Euro fällig, mit der Bahn hätte man sogar mindestens 42 Euro berappen müssen. „Zudem sind wir zuverlässig, pünktlich, haben ausgebildete Busfahrer und die Klimaanlage funktioniert auch immer“, spielt Janisch schmunzelnd auf das Hitze-Desaster in ICEs in diesem Sommer bei der Deutschen Bahn. Gegen die richte sich ihr Angebot nicht. „Wir haben ja gar nichts gegen die Bahn und fahren selbst gelegentlich damit“, sagt Geschäftsführer Mayr-Knoch und ergänzt: „Unser Angebot ist vielmehr eine Ergänzung und für Leute gemacht, die sonst gar nicht gefahren wären.“

Bustrips in Osteuropa und Spanien lieferten die Idee

Auf die Idee sind die drei Studenten, die sich beim Studium in Friedrichshafen kennen gelernt haben, vor zwei Jahren nach ihrer Rückkehr von ihren Auslandsaufenthalten gekommen. „In Spanien haben ich immer günstige und komfortable Busse mit Getränken und oft auch Internet genutzt“, erinnert sich Mayr-Knoch an seine Fahrten durch Spanien. Ähnlich gute Buserfahrungen sammelte Kuhr auch in Osteuropa. Zurück in der Heimat wunderten sie sich, dass es so etwas in Deutschland nicht gibt und stießen bei ihren Recherchen auf die Ursache für den fehlenden Busfernverkehr: Die problematische Gesetzeslage.

„Nur weil es die Politik nicht geregelt bekomme, könne der Verbraucher doch nicht von der Mobilität ausgeschlossen werden“, sagt sich Geschäftsführer Kuhr und spielt damit auf das angestaubte Personenförderungsgesetz von 1934 an. Das schreibt vor, dass Bus-Fernlinien nur genehmigt werden, wenn sie eine „wesentliche Verbesserung“ bestehender Bahnverbindungen darstellt. „Damit sollte die junge Bundesbahn gestützt werden. Doch damals gab‘s kaum Autos, keine Linienflüge und erst recht kein Internet“, so Janisch, der auf die von der Regierung versprochene Liberalisierung des Fernverkehrs hofft. Bis dahin nutzen die drei Jungunternehmer die Gesetzeslücke, die sich im Paragraf 49 versteckt. Demnach darf jeder Mensch einen Bus mit anderen zusammen mieten, solange es ein „zusammengehöriger Personenkreis ist, der sich über Ziel und Ablauf der Fahrt einig ist.

Angebot schone die Umwelt

Somit biete das Unternehmen nur die Plattform und organisiere den Bus. „Wir haben selbst keine Busse. Dafür arbeiten wir mit Busunternehmen zusammen, die froh sind, wenn ihre Fahrzeuge nicht im Betriebshof rumstehen“, erklärt Janisch, der mit seinen Partnern viel Zeit mit der Genehmigung der einzelnen Fahrten beschäftigt ist.

Ziel sei nicht ein Linienverkehr, sondern eine effiziente und ökologische Ausnutzung der Busse. „Mit unserem Angebot schonen wir also auch die Umwelt“, so Janisch.

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