Diese Ärztin ist Electro-Ballerina

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Manu macht einen Spagat: Eine leichte Übung für die 27-Jährige. Sie hat das Tanzen im Blut: Ihre Mutter ist Ballett-Lehrerin.

Frankfurt – Go-Go-Girls, die nur mit dem Hintern wackeln, sind in Frankfurt nicht mehr angesagt. Immer mehr Club-Besitzer erkennen: Die Frankfurter Partyszene ist anspruchsvoller geworden. In sind daher Electro-Ballerinas. Sie tanzen auf Spitzen zu elektronischer Musik und ziehen damit nicht nur die Blicke der Männer auf sich. Von Jennifer Dreher

Während die Bässe hämmern, dreht sie Pirouetten, macht einen Spagat oder wirft ihr Bein in die Luft. Manu ist Tänzerin bei der Tanzformation Terrorschwestern und Electro-Ballerina. Und wenige Partygäste würden es vermuten, aber sie hat auch ein Medizin-Studium abgeschlossen.

„Wenn ich als Electro-Ballerina gebucht werde, ist das immer eine besondere Herausforderung“, sagt die 27-Jährige. Denn die Podeste der Tänzerinnen in den Clubs sind häufig klein. Für Drehungen und Spagat brauchen die Ballerinas allerdings Platz. „Der Auftritt als Electro-Ballerina ist viel anstrengender als der als normale Tänzerin“, sagt Manu: „Wenn ich länger nicht mehr auf Spitzen getanzt habe, kommt es auch vor, dass meine Füße am Ende des Abends bluten“, fügt sie hinzu.

Sie tragen klassische Ballettschuhe und ein Tutu in Neonfarben

Die Terrorschwestern komplett in schwarzen Outfits.

Ihre improvisierte Choreographie unterstreichen die Ballerinas mit Bändern, die sie in der Luft herumwirbeln und zu Spiralen formen. Sie tragen klassische Ballettschuhe, aber das Tutu leuchtet in Neonfarben. Zuerst gab es die Electro-Ballerinas im Cocoon Club in Frankfurt. Das war vor vier Jahren. Doch mittlerweile schwenken auch die kleineren Clubs um – weg von halbnackten Go-Go-Girls in knappen Bikins.
„Wir entwickeln uns ständig weiter, haben immer neue Kostüme“, berichtet Knud Wechterstein, Agentur-Chef der Terrorschwestern, der dank seines vielfältigen Angebots an männlichen und weiblichen Tänzern von diesem Trend profitiert: „Ob Akrobatik, Gesang, Hula-Hoop oder eine Albino-Python, wir suchen immer nach neuen Elementen für unsere Shows und Tänzer.“

Seit zirka 13 Jahren sind die Terrorschwestern ein fester Bestandteil des Frankfurter Nachtlebens. Ein Teil davon wollte auch Manu unbedingt werden. Damals war sie noch Schülerin und nahm an einem Tanz-Casting teil. Übung fehlte ihr nicht. Im Alter von fünf Jahren fing sie mit Ballett an.

Bisher war das Tanzen ihr Geheimnis

„Zwar hatte ich auch schon eine Reihe seriöser Jobs, aber die Kostüme, das aufwendige Make-Up und die Aufmerksamkeit, die man bekommt, haben mich sehr gereizt“, berichtet die 27-Jährige. Zwar haben ihre Eltern kein Problem mit dem Nebenjob im Nachtleben, aber von sich aus erzählt sie es niemandem. Auch habe sie bisher niemand privat darauf angesprochen.

„Leider gibt es sehr viele Vorurteile“, bedauert die Ärztin. Ihre Mutter, selbst Ballett-Lehrerin, habe sogar ihren Auftritt als Electro-Ballerina angeschaut. „Ihr hat es gut gefallen“, erinnert sich Manu. Trotzdem spielt sie mit dem Gedanken, bald mit dem Tanzen aufzuhören.

„Ich bin momentan auf Jobsuche und will gerne in der Klinik arbeiten“, sagt die Electro-Ballerina. „Da will ich nicht Patienten gegenüber stehen, die mich nachts aus den Clubs kennen“, sagt Manu.

Der Abschied von den Terrorschwestern wird schwer

Leicht wird es für sie nicht, einen Schlussstrich zu ziehen. „Mir macht das Tanzen einfach unheimlich viel Spaß“, sagt Manu. Manchmal schaut sie sich auch privat die Auftritte der Kollegen an. Interessant sind für sie die Reaktionen im Publikum. „Auf die Electro-Ballerinas reagieren besonders Frauen viel positiver als auf normale Go-Go-Girls“, hat sie dabei beobachtet.

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