Masche: Gastwirte schlagen Alarm

Dieburger Wirtschaft wird Opfer von kuriosem Zechpreller

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Dieburg – In Dieburg treibt ein Zechpreller sein Unwesen. Erst schlägt er sich den Magen voll, dann verschwindet er ohne zu zahlen. Die Gastwirte  schlagen nun Alarm. Von Jens Dörr

Petra Maleika, Inhaberin und Namensgeberin des Dieburger Bistros PM, hat in den nun fast neun Jahren seit der Eröffnung des beliebten Treffpunkts schon einiges erlebt. Was die 30-Jährige vor ein paar Tagen sah und hörte, war nicht nur für sie, sondern auch das Polizeipräsidium Südhessen neu. Das PM wurde Opfer einer kuriosen Zechprellerei. Dass Gäste in Lokale gehen, sich den Magen füllen und ohne zu bezahlen wieder verschwinden, liegt noch in jedermanns Vorstellungskraft. Obgleich es sich dabei um ein Delikt handele, das selten angezeigt werde, wie Andrea Löb, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Südhessen, sagt. 2013 und 2014 gingen hier jeweils 17 Anzeigen wegen Zechprellerei ein. „Meistens allerdings kommt so etwas nicht zur Anzeige“, vermutet sie eine hohe Dunkelziffer. In rund der Hälfte der Fälle waren Gaststätten in Darmstadt betroffen, die anderen Anzeigen gingen aus dem Umland, nur sehr selten aus der Dieburger Region ein.

17 Anzeigen wegen Zechprellerei

Auch Maleika verzichtete ob des überschaubaren wirtschaftlichen Schadens auf eine Anzeige und findet das Geschehene „fast lustig“. Ganz los lässt sie der Vorfall von Ende Januar derweil nicht: Ein großer Mann, dunkle Haare, Freizeithemd, kam am frühen Abend ins PM, setzte sich an die Theke, begann mit Maleika ein Gespräch. „Er hat sofort angefangen zu erzählen und mir eine Visitenkarte gegeben.“ Die wies ihn als Geschäftsführer des Darmstädter Restaurants Glasschrank aus. „Er hat mir von diesem Restaurant erzählt, zum Beispiel den Öffnungszeiten, und hat gesagt, dass er jede Woche Teamsitzungen macht, diesmal mit seinen Azubis.“ Auf die warte er nun im PM. Dort ließ er es sich gut gehen. „Er roch wie ein Kenner am Merlot und verhandelte mit mir sogar über den Flaschenpreis, weil ja bald noch weitere Gäste kommen würden“, gibt die Dieburgerin den seltsamen Austausch mit einem Schmunzeln wieder.

Zechpreller nimmt immer Visitenkarte mit

Immer wieder verschwand der geheimnisvolle Gast zudem zum Rauchen vor die Tür. Irgendwann kam er nicht wieder rein. Bezahlt hatte er nicht. Allerdings eine Visitenkarte des PM eingesackt. „Nach der hat er mich gleich am Anfang gefragt“, erinnert sich Maleika, der die Sache mehr und mehr spanisch vorkam. Ihre Schnellrecherche im Internet ergab, dass ihr der Gast falsche Angaben über den Glasschrank gemacht hatte. Ihr Anruf dort gab Gewissheit: Der Hochstapler hatte auch dort die deutlich höhere Zeche geprellt und Märchen aufgetischt. Nicht ohne zu Beginn eine Visitenkarte des Restaurants mitzunehmen und sich ebenfalls per Kärtchen als Vertreter der Darmstädter Brauerei auszugeben.

Bei der Polizei rätselt man über die Fälle ebenso wie in den betroffenen Lokalen: „Diese Masche haben wir so noch nicht gekannt“, gibt Sprecherin Andrea Löb zu.

Petra Maleika hat für die kuriose Zechprellerei derweil ihre eigene Theorie entwickelt: „Ich glaube, das ist einfach seine Masche, er blüht darin auf“, meint sie über den geheimnisvollen Schnorrer. Der dürfte sein Spiel in der Region in Kürze fortsetzen und dann zum Leidwesen des Dieburger Bistros das Kärtchen des „PM“ vorlegen

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