Krankenhaus im Schutzschirmverfahren

Dieburger St. Rochus Klinik kämpft ums Überleben

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Wird Dieburgs angeschlagenes Krankenhaus St. Rochus in diesem Jahr wiederbelebt? Das Foto zeigt Dr. Arno Depta (links), Ärztlicher Leiter, beim „Tag der offenen Tür“ und einer Herz-Lungen-Wiederbelebung einer Mitarbeiterin an einer Puppe.

Dieburg – Zitterpartie für die Mitarbeiter der Rochus-Klinik in Dieburg: Der neue Eigentümer kämpft um den Fortbestand des Krankenhauses. Von Jens Dörr

Seit dem 1. Januar befindet sich das Dieburger Krankenhaus St. Rochus – formal inzwischen zur Dieburger (Tochter-)gGmbH des Klinikums Darmstadt geworden – im wohl wichtigsten Kampf seiner Geschichte: Dem ums Überleben in einem sogenannten Schutzschirmverfahren, einer speziellen Art des Insolvenzverfahrens in größtmöglicher Eigenregie. Viele Mitarbeiter sind in Sorge, ob das Haus daraus gestärkt und mit Perspektive hervorgehen kann – oder es den Anfang vom Ende darstellt. Das Klinikum Darmstadt hat gegenüber unserer Zeitung umfassend Stellung genommen. Ein Teil der Maßnahmen, mit denen die tiefroten Zahlen weiter reduziert werden sollen, bleibt aber weiter im Dunkeln.

Mitarbeiter sollen nicht alle Zwischenstände erfahren

Mehrere Mitarbeiter bemängelten, die Verantwortlichen des Klinikums würden sie trotz mehrerer Versammlungen nur unzureichend und vor allem wenig konkret informieren. Es sei „nachvollziehbar, dass die Mitarbeiter möglichst schnell Auskunft zur Zukunft haben wollten“, sagt Eva Bredow-Cordier, die die Öffentlichkeitsarbeit des Darmstädter Klinikums und damit auch seiner letztjährigen Neuerwerbung in Dieburg leitet. Dass Fragen bislang offen geblieben seien, resultiere aber aus dem Schutzschirmverfahren. Zusammen mit der Mitarbeitervertretung, dem Gläubigerausschuss, der Sachwalterin, Rechtsanwältin Sylvia Rhein aus Bensheim, und dem Insolvenzgericht wolle man seitens des Klinikums einen „in die Zukunft gerichteten Plan und ein tragfähiges medizinisches Konzept“ aufstellen. Eingebunden ist als externer Berater auch die Kanzlei Ringstmeier & Kollegen, die Bredow-Cordier zufolge „einschlägige Erfahrungen mit Schutzschirmverfahren im Gesundheitssektor und Krankenhäuser erfolgreich begleitet“ habe. Die Leitung des Dieburger Hauses obliegt derzeit Erika Raab in der Verwaltung und strategischen Leitung sowie Dr. Arno Depta, der die ärztliche Abteilung leitet. Grundsätzlich sei bei allem internen Austausch „nicht zielführend, dass die Mitarbeiter über alle Überlegungen und Zwischenstände informiert werden, so Bredow-Cordier. Jedoch gelte: „Das endgültige Konzept steht allmählich fest und wird und wurde kommuniziert.“

Neues OP-Konzept vorgelegt

Auf die entscheidende Frage, wie das noch 57 Betten starke Haus, davon zwölf Intensivbetten, mit seinen 144 Mitarbeitern, darunter 109 in Vollzeit plus 35 geringfügig Beschäftigte, in diesem Jahr und in der Zukunft mehr einnehmen beziehungsweise sein Minus verringern will, antwortet das Klinikum aber nur teilweise. Der Fortführungsplan sei dem Insolvenzgericht vorgelegt worden und werde nun mit der Mitarbeitervertretung besprochen. Einiges ist allerdings bereits begonnen worden. Dazu zählt erstens ein neues OP-Konzept: Zum 1. Dezember wurden alle Endoprothetik-Operationen zum Klinikum Darmstadt verlegt. Die Operationen sind Sache des OP-Personals des St.-Rochus-Krankenhauses in Darmstadt, die Erlöse gehen mit einer Sondergenehmigung des Landes Hessen aber an die Dieburger gGmbH. Zweitens arbeite man an der Inbetriebnahme eines Linksherzkatheter-Messplatzes.

Weaningplätze sollen ausgebaut werden

Der Messplatz sollte eigentlich zum 1. Januar in Betrieb gehen, ist es aber noch nicht. „Hierzu liegt noch keine Entscheidung der Zulassungsbehörden vor“, sagt Bredow-Cordier. Die Dieburger Mitarbeiter seien jedoch bereits für die Arbeit am Messplatz ausgebildet worden. Drittens soll auf der Intensivstation das Weaning, also die Entwöhnung vom Beatmungsgerät wirtschaftlich stabilisiert werden. Die Belegung der Weaningplätze gilt als lukrativ für das Dieburger Krankenhaus. Hierbei sei es aber für ein kleineres Krankenhaus schwer, Fachkräfte zu finden, sagt die Pressesprecherin. Eine Veränderung gab’s bereits: Wurden die Gehälter von Oktober bis Dezember übers Insolvenzgeld finanziert, zahlt seit Januar wieder das St. Rochus aus dem laufenden Betrieb.

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