Wie ein Dieburger nach Sansibar kam

Doch der Reihe nach: Mit seinen damals 32 Jahren wurde Thomas Gelfort von einem großen Konzern aus der Unterhaltungselektronik engagiert, um Fotos für eine Unternehmens-Broschüre zu machen.

Der Dieburger, der zu dieser Zeit auch noch ein Fotogeschäft in seiner Heimatstadt besaß, traf dabei zum ersten Mal auf Geuen. "Dem hat gefallen, wie ich mit Menschen umgegangen bin", sagt der heute 50-jährige Gelfort. "Vor allem hat ihm imponiert, wie ich die Technik-Freaks dazu gebracht habe, vor der Kamera allerlei Sachen zu machen, die Geuen ihnen niemals zugetraut hätte." Man lud sich gegenseitig ein, irgendwann ließ Geuen dann seine Führungsposition hinter sich und setzte sich zur Ruhe.Allerdings nicht irgendwo: Mit seiner Frau Rose ließ er sich auf Sansibar nieder, steckte sein Erspartes in sein Heim und nannte sich statt Wilfried nur noch "Fritz". Irgendwann fehlte ihm im süßen Leben auf der Insel, die zum ostafrikanischen Staat Tansania gehört und im Indischen Ozean liegt, aber wohl die Aufgabe: Geuen begann, unter dem Namen "Hakuna Matata Beach Lodge" eine Urlaubsanlage für Touristen zu bauen. "Zu dieser Zeit hatten wir uns eigentlich aus den Augen verloren", berichtet Gelfort. Da habe im Jahr 2006 das Telefon geklingelt, am anderen Ende der Strippe Geuen. "Der wollte, dass seine Lodge genau mit derselben Liebe fotografiert wird, mit der er sie errichtet hat."Gelfort flog hin, fotografierte, verbrachte arbeitsreiche, aber auch inspirierende Wochen auf der Insel, die für ihre Gewürz-Vielfalt und als Geburtsort von Freddy Mercury bekannt ist. "Ich dachte, toll, dass ich das erleben durfte", meint der passionierte Angler, der bis zu seiner Abreise in Dieburg und Groß-Zimmern im Angelverein tätig war. Beim einmaligen Erlebnis bleib es indes nicht: Im Oktober 2007 flog Gelfort erneut zum Fotografieren nach Sansibar, Geuen hatte sein Ferien-Ressort inzwischen um einen Spa-Komplex erweitert und seine Bungalows ausgebaut. Aus der "Aufgabe" im Ruhestand war längst wieder ein anspruchsvoller Vollzeit-Job geworden.Diese enorme zeitliche Beanspruchung Geuens bewegte den Lodge-Chef Anfang 2009, als Gelfort zum dritten Mal nach Sansibar flog, zum entscheidenden Angebot: "Der hat jemanden gesucht, der seine Anlage managt, sich um die vorwiegend europäischen Touristen und ihre Bedürfnisse kümmert." Denn Geuen spürte, dass es mit der Arbeit wieder Überhand nehme. "Das wollte er während seines Ruhestands nicht", lacht Gelfort.Natürlich habe sich der Dieburger überlegt, ob er das Angebot annehme. "Doch nicht nur wegen meiner inzwischen entstandenen Liebe zu Sansibar, wo sich die Menschen keinen Stress machen und einem die Früchte in den Mund wachsen, habe ich entschieden, die Herausforderung anzunehmen und dorthin zu gehen." Als Fotograf sei heute wegen der um sich greifenden Jedermann-Digitalfotografie nicht mehr viel zu verdienen. Da Gelfort, der vier Sprachen spricht, auf Sansibar Logis frei hat, bleibe vom Salär sogar mehr für die Altersvorsorge übrig. "Arbeiten muss ich dort aber auch, so ist das nicht", stellt der Familienvater klar.Seine Frau und seine beiden Töchter bleiben im Haus in Dieburg, zunächst sehen sie ihren Mann und Vater acht Monate lang nicht. "Im Winter werde ich jedoch vier Monate in Deutschland sein, so ist erst einmal der Plan." Ob Gelfort dann wieder nach Sansibar zurückkehrt, weiß er aktuell selbst noch nicht. Zumindest wird ihm dort seine geliebte Leberwurst fehlen - auf der muslimisch geprägten Insel gibt es nämlich keine Schweineâ?¦br /br /br /br /br /br /br /

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