Keine Entbindungen mehr

Dieburger Geburtshilfe-Station schließt

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Solche Anblicke von Mutter und Kind wird es im Dieburger Krankenhaus St. Rochus nicht mehr geben, denn die Geburtshilfe-Station schließt Ende Juni.  

Dieburg - Während es das „DI“ seit Anfang 2013 wieder auf dem KFZ-Kennzeichen gibt, scheint das Ende des „Dieburg“ im Perso programmiert: Die Geburtshilfe-Station schließt. Von Jens Dörr 

Am 30. Juni wird die Geburtshilfe-Station am katholischen Krankenhaus St. Rochus Dieburg in erster Linie aufgrund Ärztemangels wohl für immer geschlossen. Das ist nun fast sicher: Die Suche nach neuen Gynäkologen in den vergangenen Wochen blieb ohne Erfolg. Nur ein letzter Strohhalm ist noch übrig.

Personelle Situation ist der Knackpunkt der Schließung

Frank Bletgen

Frank Bletgen, seit Jahresbeginn Geschäftsführer des Dieburger Krankenhauses, hat kaum noch Hoffnung auf eine Wende: „Ab dem 1. Juli wird es in Dieburg wohl keine Entbindungen mehr geben.“ Zwar sei die Zahl der Geburten in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten von jährlich 800 auf aktuell nur noch 300 zurückgegangen. „Es geht uns aber nicht darum, dass wir die Station schließen wollen, um Geld zu sparen“, betont Bletgen. Der Knackpunkt sei die personelle Situation: „Um die Geburtshilfe in Dieburg dauerhaft aufrechtzuerhalten, brauchen wir vier Gynäkologen – wir haben aber nur zwei.“ Das sind derzeit Theodoros Maltaris und Nadda El-Nahawi, die in einer Gynäkologischen Gemeinschaftspraxis am Gottwald-Kreisel arbeiten. Zu wenig, wie Bletgen ausführt: „Wenn Sie eine Geburtshilfe-Station betreiben wollen, müssen Sie das rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr gewährleisten können. Das ist mit nur zwei Ärzten unmöglich.“ Zu bedenken sei stets die große Verantwortung gegenüber der Schwangeren und dem ungeborenen Leben. „Da darf einfach nichts schiefgehen.“

Schon mehrere Stationen mussten schließen

Entsprechend schrieb das Haus vor einigen Wochen Stellen für Gynäkologen aus, was auch in Verhandlungen mündete. „Leider ohne Erfolg“, fasst Bletgen die Resultate der Gespräche zusammen. Erhofft hatte man sich, dass sich niedergelassene Frauenärzte, besonders aus der Region, einen Anschluss ans St. Rochus als Belegärzte vorstellen könnten. „Viele sind dazu wegen der schwachen Vergütung bei gleichzeitig sehr hohem Engagement aber nicht bereit.“ Bundesweit schlossen in jüngerer Vergangenheit deshalb – und wegen der demografischen Entwicklung mit immer weniger Geburten – tatsächlich bereits etliche Stationen. Die Gynäkologen haben außerdem das gleiche Probleme wie die Hebammen: Die immer höheren Kosten für die Haftpflichtversicherung. „Und das bei vollen Kassen der Versicherer. Hier muss die Politik handeln, aber nicht mit Beitragssenkungen“, fordert Bletgen.

Mütter fühlten sich sehr gut aufgehoben in Dieburg

Konkretes Dieburger Ergebnis dessen dürfte bald also sein, dass Schwangere, auch aus Groß-Zimmern, Münster und weiteren Nachbarorten, die bisher oft den Weg ins St. Rochus fanden, künftig zur Entbindung nach Groß-Umstadt fahren müssen. Das versucht eine Initiative noch zu verhindern: Am Montagabend tauschten sich stellvertretend für eine größere Gruppe Rebecca Meseth und Melanie Sabitzer, die beide vor einiger Zeit in Dieburg entbanden und sich im St. Rochus optimal betreut fühlten, mit Bletgen aus. Eine der Essenzen: Die für den kommenden Samstag, 24. Mai, zwölf Uhr, auf dem Marktplatz Dieburg geplante Veranstaltung der Initiative soll eine gemeinsame Informationsveranstaltung über die Hintergründe der geplanten Schließung werden.

Immerhin: Nach dem vor ein paar Wochen verkündeten Abbau von 40 Stellen würde eine Schließung der Geburtshilfe keine weiteren Arbeitsplatz-Verluste im Dieburger Krankenhaus bedeuten. „Den durch die Schließung Betroffenen, etwa den Kinder-Krankenschwestern, wurde damals schon der Gang in die Transfergesellschaft angeboten. Sie waren bei der Zahl zum damaligen Stellenabbau schon eingerechnet.“

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