Dieburg: Niemand kennt das "Mattern’sche Dreieck"

Wegen unsichtbarem Denkmal Spielplatzbau gestoppt

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Das „Mattern’sche Dreieck“ soll sich auf der Wiese links neben der Skulptur „Sphäre“ befinden, ist aber nicht zu sehen.

Dieburg – In Dieburg soll ein Denkmal auf dem Campusgelände erneuert werden. Denn: Es ist nicht mehr sichtbar. Obwohl das „Mattern’sche Dreieck“ völlig unbekannt ist, muss deshalb der Bau eines Spielplatzes gestoppt werden. Von Jens Dörr 

 Einige Meter südlich der Mensa auf dem Campusgelände der Hochschule Darmstadt in Dieburg befindet sich eine kugelartige Skulptur in einem dreckigen Wasserbecken, „Sphäre“ genannt. Daneben soll nach dem Willen einiger Stadtverordneter ein Spielplatz für die Familien des Baugebiets entstehen. Dabei gilt es jedoch, neben der „Sphäre“ auch Rücksicht auf das Denkmal „Mattern’sche Dreieck“ zu nehmen.

Doch das Denkmal ist nicht mehr sichtbar. „Der historische Zustand ist noch auf alten Bildern zu sehen. Es handelt sich um Kunst – muss also nicht zwingend etwas darstellen“, sagt Christine Griga, Stellvertretende Pressesprecherin des Landkreises Darmstadt-Dieburg. Welche Materialien im Boden versunken sind, seien auch dem Denkmalschutz „unbekannt“. Allerdings sei das „nicht sehr erheblich.“ Wichtig ist dagegen die Form und die Position im Park, südlich der Mensa. „Die Besonderheit bei Gartendenkmälern ist ihre Veränderlichkeit durch Wachstum der Pflanzen.“ Gleichwohl sei ihre „Pflege erforderlich, die hier in den letzten Jahren nicht mehr ausgeführt wurde, deshalb der etwas entstellte Zustand“, so Griga.

Heimatverein und auch Hochschul-Experten kennen das Denkmal nicht

Wahrgenommen wurde das Denkmal in der Stadt indes scheinbar nie.  Selbst die sonst äußerst kundige Ehrenvorsitzende des Dieburger Heimatvereins kann nichts Näheres zum „Mattern’schen Dreieck“ sagen. Auch dem Dieburger Ralf Siegbert Blum, der von 1979 bis 2000 Verwaltungsdirektor der Hochschule war und sich intensiv mit der Kunst am Campus Dieburg beschäftigt hat, ist das „Mattern’sche Dreieck“ kein Begriff. Während die „Sphäre“ vom Offenbacher Bernd Rosenheim stamme, kennt Blum weder das Dreieck noch dessen Urheber.

Derzeit ist nur eine ungepflegte, von Bauzäunen gesäumte Wiese zu sehen. Im Bebauungsplan ist unter anderem die Wiederherstellung der „Campus-Wiese“, die durch die Bauarbeiten derzeit in Mitleidenschaft gezogen wird, geregelt. „Das Mattern’sche Dreieck" ist Bestandteil der denkmalwerten Grünfläche, die sich im Bereich der Fachhochschulgebäude bis einschließlich der ‘Campus-Wiese’ erstreckt“, sagt Griga im Auftrag der Denkmalschutz-Behörde. Als „besonderes Gestaltungselement“ sei es erhaltenswert.

Das Denkmal darf nicht abgerissen oder überbaut werden

Allerdings könnte das unbekannte Denkmal den Bau des geplanten Spielplatzes gefährden. Einige Abgeordnete machten sich in einer Ausschusssitzung jüngst Gedanken darüber. Der Bebauungsplan soll dahingehend geändert werden.

Projektentwickler Christian Früchtenicht von der ARGE Campus macht Mut: „Wir sind in konstruktiven Gesprächen mit dem Denkmalschutz.“ Das bestätigt die Behörde, stellt allerdings klar: „Ein Abriss des „Mattern’schen Dreiecks“ in Dieburg ist nicht möglich, eine Überbauung auch nicht.“ Für die Freifläche insgesamt werde ein Pflegekonzept erstellt.

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