Wenn der Postler nicht mehr radelt

In vielen Kommunen werden Briefe nur noch motorisiert zugestellt

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Postzustellung in Dieburg: Der Bote bringt nun Päckchen, Pakete und Briefe gemeinsam mit dem Transporter. Die Zustellung mit dem Rad gehört der Vergangenheit an.

Dieburg – In Dieburg werden Briefe und Pakete nicht mehr wie gewohnt mit dem Rad ausgefahren. Statt dessen kommt der Postbote in Zukunft mit dem Kleintransporter an die Briefkästen. Von Jens Dörr

Es war in Dieburg jahrelang ein gewohntes Bild: Der Postbote brachte Briefe zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Nur Päckchen und Pakete wurden bislang von der DHL als Unternehmen des Deutschen-Post-Konzerns oder von deren Wettbewerbern in Transportern geliefert. Seit wenigen Wochen sind die Dieburger irritiert: Der klassische Briefträger ward seither nicht mehr gesichtet. Tatsächlich gehört er nun auch hier der Vergangenheit an.

„Es ist eine Anpassung an den Normalzustand“, klärt Stefan Heß, Pressesprecher der Deutschen Post in Frankfurt, über den Sachverhalt auf. Die Briefzustellung mit dem Rad, wie sie die Dieburger jahrelang kannten, sei „eher die Ausnahme“ gewesen. Besonders in ländlichen Gegenden und kleineren Orten, wo es zum nächsten Briefkasten ein gutes Stück zu gehen oder radeln sei, setze man schon lange ausschließlich auf die Zustellung mit Transportern.

Weniger Briefe werden verschickt

Dieburg eignete sich durch seine kompakte Struktur – relativ dichte Bebauung und 15.000 Einwohner sämtlich in der Kernstadt, weil das Mittelzentrum anders als etwa das „verstreute“ Groß-Umstadt keine Stadtteile hat – bisher für die gekannte, umweltfreundliche Art der Briefzustellung. Allgemein gültige, tiefgreifende Entwicklungen hätten nun zur Zusammenlegung der Zustellung von Briefen mit Päckchen und Paketen auch an der Gersprenz geführt, sagt Heß: „Der klassische Brief wird wegen des Internets mit E-Mail immer seltener, der starke Online-Handel beschert uns hingegen ein Wachstum beim Liefern von Päckchen und Paketen.“

Letztere könnten schlicht nicht mit dem Rad befördert werden, bei den Briefen reiche derweil die Menge nicht mehr aus, um die in Dieburg gewohnten Strukturen beizubehalten. Inwiefern die Jobs der Briefträger in Dieburg gefährdet sind – in einem Transporter lässt sich eine größere Zahl an Briefen unterbringen als bislang auf mehreren Rädern –, wird sich erst noch zeigen. Gespräche mit Zustellern ergaben, dass einige von ihnen derzeit im Innendienst im Brief- und Paketzentrum in Münster tätig sind anstatt wie bislang auf der Straße.

Transporter auch in Groß-Zimmern

Mit Blick auf die Frage, inwiefern die Verlagerung der Briefzustellung vom Rad auf die motorisierten Transporter unter ökologischen Gesichtspunkten zu vertreten sei, verweist Heß noch einmal auf die grundlegende Umwälzung im Briefgeschäft, dem es zunehmend schlicht an Masse fehle.

Die DHL teste aber die Möglichkeit, künftig zumindest bestimmte Päckchen PS-frei in die Haushalte zu bringen: Seit September 2014 läuft beispielsweise in Frankfurt ein Pilotprojekt mit speziellen Lastenfahrrädern, die bei einem Transportbox-Volumen von 140 Litern die ein oder andere Sendung neben den Briefen unterbekommen. „Der 30-Kilo-Sack Hundefutter wird aber auch künftig mit dem Transporter gebracht“, so Heß.

Mit Blick auf die Postzustellung in Dieburgs Nachbarschaft ergibt sich unterdessen ein unterschiedliches Bild: Auch in Groß-Zimmern wurde die Post lange zu Fuß beziehungsweise mit dem Rad gebracht. Die Umstellung auf die Transporter ist dort inzwischen seit einigen Monaten vollzogen. Per Transporter gebracht werden die Briefe auch in Münster und seinem Ortsteil Altheim. Mit Blick auf Babenhausen ist aus der dortigen Postfiliale hingegen zu erfahren, dass in der Kernstadt noch „das alte Schema“ gelte: Dokumente bringe dort noch der klassische Briefträger, Pakete und Päckchen kämen per Transporter.

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