Neue Masche: Erst Strom, dann Geld weg

Diebe geben sich an der Wohnungstür als Elektriker aus

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Nicht jeder, der vor der Tür steht, sollte einfach so in die Wohnung gelassen werden. Die Polizei rät, sich bei Zweifel den Ausweis zeigen zu lassen

Region Rhein-Main  Die Phantasie der Diebe scheint grenzenlos. Eine neue Methode verfolgt aktuell die Polizei. Ganoven nutzen als vermeintliche Handwerker eine besonders miese Masche, um in die Wohnung argloser Bürger einzudringen. Von Oliver Haas 

Plötzlich ist es dunkel in der Wohnung, die Glotze schwarz, der Ofen aus. Ein Stromausfall ist immer ärgerlich. Wie gut, dass sofort ein Mitarbeiter der Hausverwaltung oder von den Stadtwerken vor der Tür steht. Wer würde den hilfsbereiten Elektriker nicht sofort in die Wohnung lassen? Hauptsache der Saft fließt wieder. Leider könnten Mieter dadurch Opfer einer neuen Trickdieb-Methode werden. Das Vortäuschen eines Stromausfalls ist laut Polizei die neue dreiste Masche in der Gaunerszene.

Trick klappt am besten in älteren Häusern

Im Kreis Offenbach wurden im Februar und Anfang März auf diese Weise schon mehrere Mieter bestohlen. Die genauen Tatorte hält die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen geheim. Sie sei den Trickdieben dicht auf den Fersen. Der Trick mit der Elektrik funktioniert hauptsächlich bei älteren Häusern. Nämlich dort, wo die Stromsicherungskasten der Mieter offen zugänglich im Keller untergebracht sind. Und so dreist gehen die Diebe vor: Zunächst klingeln sie an der Haustür unter einem Vorwand, um ins Haus zu gelangen. Sie geben sich an der Gegensprechanlage etwa als Werbeverteiler zu erkennen. Dann suchen sie sich eine Opferwohnung aus und schrauben die jeweilige Sicherung aus dem Stromkasten raus. Kurz darauf klopft der Komplize an der entsprechenden Wohnungstür. Dem Mieter wird nun erklärt, dass der Strom in der Wohnung ausgefallen sei.

Immer einen Ausweis zeigen lassen

Die Ganoven bitten darum, in die Wohnung gelassen zu werden, um sich die Sache genauer anzuschauen. Wenn der vermeintliche Handwerker in der Wohnung ist, erteilt er den Mietern Pseudoaufträge, damit sie kurz in andere Zimmer gehen müssen. Den ungestörten Moment alleine nutzt der Dieb, um kräftig abzusahnen. So geschehen im Kreis Offenbach. Laut Polizeisprecher Henry Faltin  wurde mit dieser Methode in zwei Wohnungen Portemonnaies mit Bargeld geklaut. Faltin schildert Hinweise, wie eine solche Szene verhindert werden kann: „Lassen sie sich einen Ausweis zeigen. Jeder muss sich damit legitimieren können.“ Er rät dazu notfalls bei der Firma anzurufen, die den Mitarbeiter angeblich geschickt habe. „Wenn sie jemanden reinlassen, dann schließen sie auf jeden Fall hinter sich die Wohnungstür.“ Damit werde verhindert, dass unbemerkt weitere Personen in die Wohnung gelangen. Zudem empfiehlt er im Zweifel eine Vertrauensperson hinzu zu ziehen. „Fragen sie einen Nachbarn oder den Hausmeister“, rät Faltin.

Auf jeden Fall um Hilfe rufen, wenn man bedrängt wird

Wer an der Tür bedroht oder bedrängt wird, solle sich nicht scheuen, laut im Gang um Hilfe zu rufen. Für den Fall, dass die Handwerker bereits in der Wohnung sind, hat der Beamte einen weiteren Tipp parat, um nicht in die Diebesfalle zu tappen. „Lassen sie die Handwerker nie aus den Augen. Auch wenn sie unter einem Pseudoauftrag in einen anderen Raum geschickt werden.“ Haustür-Ganoven immer im Sinn haben: Das beste Mittel sei nach wie vor, wenn die Mieter gut ihr Gehirnfeuer einschalten, bevor sie Fremde rein lassen, sagt Faltin. Und das funktioniert schließlich ganz ohne Strom.

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