Offenbacher Klinikum-Mitarbeiter sorgen sich um ihren Job

„Die Enttäuschung sitzt unheimlich tief“

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Wie soll es mit dem Klinikum weitergehen?  Krankenschwester Beata Peikert ist vor allem von den Offenbacher Politikern enttäuscht.

Offenbach – Die Zukunft des Klinikums ist seit langem ungewiss. Kein Wunder, dass die Mitarbeiter um ihren Arbeitsplatz bangen. Zwei Mitarbeiterinnen haben mit dem EXTRA TIPP über die Stimmung im Krankenhaus und die Sorgen der Belegschaft gesprochen. Von Dirk Beutel

Die Enttäuschung ist beiden deutlich anzusehen. Beata Peikert arbeitet seit 22 Jahren im Offenbacher Klinikum, Kollegin Yvonne Löw ist seit elf Jahren an Bord.Beide haben schon viel mitgemacht. Vor allem der Umzug 2010 vom Alt- in den teuren Neubau ist den Krankenschwestern im Gedächtnis geblieben: „Damals wurden ganze Stationen umstrukturiert und deren Belegschaft komplett durcheinandergewürfelt“, sagt Löw. Und das, während das Krankenhaus immer tiefer in den Schuldensumpf steuerte. Die Insolvenz wurde zwar immer wieder abgewendet. Doch jetzt kann nur noch ein Verkauf das Haus und dessen Belegschaft retten.

Krankenhaus steuerte immer tiefer in den Steuersumpf

„Die Enttäuschung sitzt unheimlich tief. Vor allem gegenüber den Politikern. Sie haben so lange tatenlos zugesehen, wie hier missgewirtschaftet wurde“, sagt Peikert. „Sie haben nichts hinterfragt, nichts kontrolliert.“ Dazu kommt, dass die Klinikum-Mitarbeiter in die eigene Tasche gegriffen haben, um das Klinikum am Leben zu halten. Jeder Mitarbeiter verzichtete auf ein bis anderthalb Prozent seines Bruttolohnes. Von 2005 bis heute opferten die Klinikum-Mitarbeiter rund 24 Millionen Euro. Zusätzlich verzichten sie auf die Hälfte ihrer Betriebsrente.

Jetzt schon unterbesetzt und am Limit

Wie soll es mit dem Klinikum weitergehen?  Krankenschwester Beata Peikert ist vor allem von den Offenbacher Politikern enttäuscht.

Alles umsonst. Das Klinikum steht am Scheideweg. Wenn das Krankenhaus an einen privaten Träger verkauft wird, drohen Einschnitte bei Gehalt, Urlaubstagen und soziale Leistungen. Dass das Arbeitspensum erhöht werden könnte, sehen die Krankenschwestern gelassen: „Wir sind schon jetzt unterbesetzt und arbeiten am Limit“, sagt Löw. „Aber es gibt nicht wenige, deren Männer bei Manroland gearbeitet haben und deren Existenz bedroht ist. Da reichen schon 300 Euro weniger im Monat.“

Verkauf besser als Insolvenz

Krankenschwester Yvonne Löw.

Für die Krankenschwestern steht fest: Ein Verkauf des Klinikums wäre besser, als eine Insolvenz. Denn die könnte noch kommen, da die Piratenpartei mit einem vor Kurzemeingeleiteten Bürgerbegehren ein Verkaufsverfahren blockiert hat. „Wenn wir nicht verkauft werden, landen wir alle auf einmal dem Arbeitsmarkt“, sagt Löw. Dort würden die „weißen Bereiche“ wahrscheinlich wieder einen Arbeitsplatz finden. Schwieriger wird es da für die Kollegen, die schon älter sind. „Viel schlimmer aber würde es die Mitarbeiter in der Küche, der Wäscherei, die Putzfrauen oder die Handwerker treffen“, sagt Peikert.

Aber aufgeben will keiner von ihnen. Der Zusammenhalt unter den Kollegen ist groß. Löw: „Es gab schon so viele Momente vorher, in denen man hätte aussteigen können. Wir sind mit dem Klinikum verwurzelt und glauben an einen einigermaßen guten Ausgang. Freiwillig will hier niemand die Segel streichen.“

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