Daniel Chang aus Frankfurt:

Er faltet sie alle zusammen

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Seit 15 Jahren faltet Daniel Chang eigene Origami-Modelle. nh

Frankfurt – Gorillas, Gänse, Gremlins: Daniel Chang aus Frankfurt faltet jeden Tag ein kleines Kunstwerk aus einem Stück Papier. Manchmal sogar, während er nach Hause läuft. Von Dirk Beutel

Unter Papierfaltern sind Schere und Kleber verpönt. Auch bei Daniel Chang. Obwohl er auch mal zu Techniken aus der Grauzone greift, wie etwa dem Nassfalten. Seit etwa 15 Jahren formt der Frankfurter Lehramtsstudent Figuren aus Papier. Und zwar im Origami-Stil. Aber nicht nach Anleitung, sondern nur eigene Modelle. Dafür bedient sich der 27-Jährige mit Vorliebe aus dem Reich der Tiere. „Die meisten verbinden mit Origami nur den klassischen Kranich. Aber mit der richtigen Technik ist im Grunde alles möglich“, sagt Chang.

Die Herausforderung bei Tiermodellen ist die möglichst authentische Darstellung: „Sie sollen so echt wie möglich aussehen“, sagt Chang. Dafür kommt es nicht nur auf die richtige Falt- und Knicktechnik an, auch Farbe und Beschaffenheit des Papiers sind entscheidend. Chang faltet alles: Paketpapier, Aquarellpapier, Elefantenhaut (ein sehr dichtes und robustes Papier) oder handgemachtes Papier aus Japan. Teuer ist sein Hobby nicht: Je nachdem für welche Menge und welche Papierart man sich entscheidet kostet ein Bogen um die 1,60 Euro.

Dafür kostet Origami Konzentration, Geduld und auch etwas Zeit. Changs Kreationen dauern im Schnitt etwa eine Stunde. Aber es gibt auch weitaus anspruchsvollere Modelle, wie etwa seine Einhornvariation, für die der Student vier Stunden gebraucht hat. Sein aufwendigstes Modell war allerdings ein Hochzeitsgeschenk, das mit drei unterschiedlichen Arten von Origami gefaltet wurde: Dazu faltete Chang „Module“ die ineinander gesteckt wurden und einen Bilderrahmen ergaben. Als Motiv wählte er einen Mond und drei Sterne, die aus einem einzigen Stück Papier gefaltet wurden. Die Gestirne wurden mit gelber Acryllfarbe angemalt. „Diese Form von Origami nennt man Tessellation“, sagt der Frankfurter. Als Zugabe hat der Student zwei Comic-Häschen gefaltet und an den Rahmen geklebt. Dauer: Anderthalb Tage.

„Ich habe immer etwas zu falten dabei.“

So oder so ist Origami ein ständiger Begleiter des 27-Jährigen. Sobald ihm plötzlich eine Idee in den Sinn schießt, greift er zum Papier. „Ich habe immer etwas zu falten dabei.“ Überall und zu jeder Zeit, wenn´s passt, natürlich. In der U-Bahn, auf einer Party oder sogar beim Spazierengehen. „Origami ist für mich mehr als ein Hobby. Eine Art Lebenseinstellung. Es hat etwas beruhigendes und fordert deine Kreativität“, sagt Chang. Netter Nebeneffekt: Wenn der Origamikünstler in der Öffentlichkeit zum Papier greift, sind ihm neugierige Blicke gewiss. „Da kommt man schnell mit Menschen ins Gespräch. Denn hierzulande kennt kaum jemand modernes Origami.“ Und welche Kreationen damit möglich sind.

Deshalb soll es bei den Einzel-Modellen nicht bleiben. Chang plant, ganze Szenen zu falten. So wie es kürzlich ein amerikanischer Student geschafft hat, aus einem Papierstück ein Drei-Mast-Segelboot mit einer Krake, die das Schiff angreift, zu falten.

Anregungen und Inspiration dazu findet der Hobby-Falter in seiner Origami-Gruppe in der Frankfurter Universität. Ab Oktober wird Chang dort sogar einen Kurs anbieten. Wer mitmachen will, kann sich bei ihm unter der Adresse mitanei@yahoo.de melden.

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