Immer schön tief in die Augen sehen

Feuerwehrmänner im Elsass lernen Hypnose – auch bei uns denkbar? 

+
Nur keine Panik: In Frankreich bekommen Feuerwehrleute eine Grundausbildung in Hypnosetechniken, um Schmerzen zu lindern und traumatisierte Opfer zu beruhigen. Foto:

Region Rhein-Main – Feuerwehrmänner im französischen Elsass bekommen neuerdings eine Grundausbildung in verschiedenen Hypnosetechnik en. Bestimmte Gestiken und Atemtechniken sollen den Rettern helfen, Panikgedanken bei Opfern zu verdrängen. Wären solche Methoden auch bei uns sinnvoll? Von Dirk Beutel

Zumindest der Frankfurter Hauptbrandmeister Walter Kirchhof glaubt zunächst an einen Spaß: „Also von so etwas haben wir hier bei uns noch nichts gehört.“ Generell sei ohnehin das Deutsche Rote Kreuz für die medizinische und psychosoziale Notfallversorgung zuständig. Leo Latasch, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Frankfurt, hingegen ist mit dem Experiment vertraut: „Dieser Test ist sicher kein Quatsch. Man sollte auf alle Fälle die Ergebnisse dieses Projektes aufmerksam verfolgen.“ Allerdings gibt Latasch zwei Aspekte zu bedenken.

Hypnose wird in der Zahnmedizin angewendet

Lesen Sie außerdem:

Albtraum Einbruch: Wenn die Seele geschnitten wird

Das sind die verblüffendsten Brandgefahren bei über 30 Grad

Flörsheim: Discounter und Getränkemarkt brennen völlig aus

Zwar hat die Hypnose durchaus ihren Weg in medizinische Bereiche gefunden, etwa in der Schmerztherapie oder bei Zahnärzten, allerdings könne kein Mensch gegen seinen Willen hypnotisiert werden. „Im Falle von Unfallopfern wird es schwierig, dass diese sich auf eine Hypnose einlassen und konzentrieren können, weil sie eben eine traumatische Situation erlebt haben.“ Dazu komme, dass solche Hypnosetechniken nicht in zwei Minuten zu lernen seien. „Die Feuerwehleute müssen richtig trainiert werden und diese Leute müssen dann auch im Einsatz dabei sein“, sagt Latasch. 
In Frankfurt greift man zwar nicht auf Hypnose zurück, ist aber auch auf solche Fälle eingerichtet. Zertifizierte Mitarbeiter der sogenannten KiT-Gruppe (Kriseninterventions-Team) bestehend aus Seelsorgern, Priestern aber auch Feuerwehrleuten sind darin ausgebildet, Traumaopfern zur Seite zu stehen. Der Offenbacher Feuerwehr sind Hypnosetechniken bei Unfall- und Katastrophenopfern auch nicht bekannt. Aber: „Hypnose kann durchaus eine erstaunliche Wirkung erzielen, wenn man den Betroffenen weg von negativen Gedanken bringen kann“, sagt der Leitende Branddirektor Uwe Sauer. Und: „Wenn alles in einem seriösen und wissenschaftlich fundierten Rahmen abläuft, warum nicht, wenn es helfen kann?“

Auch Retter brauchen seelischen Beistand

In der Praxis gebe es zumindest schon Stressbegleiter für die Einsatzkräfte, die sich um Feuerwehrmänner kümmern, die mit einer belastenden oder gar traumatischen Situation konfrontiert wurden und diese schwer oder sogar gar nicht alleine verarbeiten können. Für solche Fälle wurde ein SbE-Team gegründet (Stressbearbeitung für Einsatzkräfte nach belastenden Ereignissen). „Diese erfahrenen Mitarbeiter erkennen genau, wer Hilfe gebrauchen kann“, sagt Sauer. Wie in Frankfurt gehören zu dieser Mannschaft auch geschulte Feuerwehrleute. Bei Bedarf werden nach einer Einsatznachbesprechung vertiefende Einzelgespräche geführt, die etwa Schuldgefühle beseitigen sollen. Dies passiere meist, sobald Kinder oder junge Menschen beteiligt seien. Wie im Jahr 2001 als nach einem schweren Verkehrsunfall drei junge Insassen eines Kleinwagens nicht gerettet werden konnten. „Das war der Auslöser für die Gründung unserer SbE-Gruppe“, so Sauer.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare