Die besten Cosplayer messen sich im Finale auf der Buchmesse

Detailtreue um jeden Preis

+
So oft sie kann, geht Nathalie Quillmann ihrem Hobby nach.

Frankfurt – Perücken, Kontaktlinsen, Makeup und dazu schrille Kostüme: Auf der Frankfurter Buchmesse werden wieder die besten Cosplayer ausgezeichnet. Doch es kommt nicht nur auf die Optik an. Von Dirk Beutel

Jedes Kostüm ein echter Hingucker: Die Final-Teilnehmer aus dem Jahr 2011.

Sie werden immer detailverliebter, immer professioneller: Cosplayer. Bei ihren Verkleidungen stimmt alles – vom Scheitel bis zur Sohle. Als Vorlage dienen ihnen Figuren aus Anime-Filmen und Manga-Comics. Doch nicht nur das: Cosplayer haben ihre ausgesuchte Figur genau studiert. Und dazu gehören auch Gesten und deren Charaktereigenschaften.

Die Messlatte wird immer höher gesetzt“, sagt Nathalie Quillmann. Sie ist Cosplayerin der ersten Stunde und hat sich mit dem einzigen Kostümgeschäft für Cosplayer in Frankfurt selbstständig gemacht. Mit 14 Jahren faszinierte sie die Figur der Mädchenkriegerin Sailor Moon. Schon war sie mit dem Cosplay-Virus infiziert. Bis heute. Mittlerweile schlummern um die 40 Kostüme in ihrem Schrank, die sie alle selbst geschneidert hat. Dazu kommt die Materialbeschaffung. Ob Glasfasern, Moosgummi, Federn, Schrauben, Scharniere oder Kunstharz: Je ausgefallener die Verkleidung, umso schwieriger wird sie. „Man sieht einen Baumarkt plötzlich mit ganz anderen Augen“, sagt die 28-Jährige. Jede freie Minute ihrer Freizeit opfert sie für ihr Hobby. „Alles für ein paar Minuten Ruhm“, sagt Quillmann lächelnd.

Immer mehr Männer unter den Cosplayern

Wenn man es genau nimmt, sind es sogar nur maximal drei Minuten. So viel Zeit haben die besten Cosplayer, um sich bei der gleichnamigen Meisterschaft zu messen. Das Finale wird am 14. Oktober traditionell auf der Frankfurter Buchmesse stattfinden. „Cosplayer wollen unbedingt auffallen. Und dafür ist es wichtig, dass bei so einem Auftritt alles stimmt“, erklärt Quillmann. Dazu gehören das Schauspiel, das Kostüm und die Musik. „Entscheidend ist, dass die Kostüme selbstgemacht sind.“ Da kann es durchaus vorkommen, dass so mancher Cosplayer einige Wochen und Monate für einen Anzug braucht, ihn dann aber nur einmal für ein paar Stunden auf einer Veranstaltung trägt. Denn so aufwändig die Kostüme auch sind, für die Straße sie nicht gedacht, sondern ausschließlich für Messen, Wettbewerbe oder Treffen.

Kurios: Immer mehr junge Männer entdecken das penible Verkleiden für sich. „Vor zwei, drei Jahren haben die Mädchen zu 90 Prozent die Szene dominiert. Aber die Jungs haben kräftig aufgeholt“, sagt Quillmann.

Im Jahreswechsel werden im Finale die besten Einzel-Cosplayer und die besten Paare ausgezeichnet. Und zwar nach einem 40-seitigen Regelwerk. Zur Buchmesse kommen aber auch Cosplayer aus reinem Spaß an der Freude. Da spielen Regeln keine Rolle. Nicht selten greifen solche Cosplayer gerne auf fertige Kostüme zurück. „Sowas gab es, als ich angefangen habe, gar nicht“, sagt Quillmann: „Was hätte ich damals für einen fertigen Faltenrock gegeben.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare