„Der Vegan-Trend ist auch irgendwann vorbei“

TV-Koch Mirko Reeh über neue Kochtrends

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Mirko Reeh ist einer der hessischen Ausnahmeköche. Er brutzelt in seiner Kochschule, bei hochwertigen Events und immer wieder im Fernsehen. Dabei ist er nicht nur Koch, sondern auch ein wahrer Entertainer am und um den Herd. Dem EXTRA TIPP stand er Rede und Antwort zu neuen Kochtrends. Von Axel Grysczyk.

Sie haben schon über 30 Kochbücher geschrieben, sind selbst in mehreren Koch-Shows aktiv. Kochen die Deutschen eigentlich so schlecht, dass sie ständig Nachhilfe brauchen?

Eigentlich nicht. Ich glaube, die Leute haben einfach Lust, etwas Neues auszuprobieren. Bei den Koch-Shows beispielsweise sind wir längst noch nicht da, wo die Italiener oder Spanier sind. Bei denen wird im Fernsehen noch viel mehr gekocht als bei uns, auch zur besten Sendezeit.

Drei Dinge, an denen man erkennt, dass man kein Amateur am Herd ist.

Puh, das kann ich nicht beantworten. Da müsste ich schon jemanden 20 Minuten beobachten beim Kochen, um einschätzen zu können, ob jemand ein Anfänger oder ob er schon ein Stückchen weiter ist.

Aber Kochen ist eine Zeitsache, oder?

Dem würde ich entschieden widersprechen. Alles beim Kochen auf die Zeit zu schieben, das ist eine schlechte Ausrede, das würde ich nicht gelten lassen. Ich habe schon selbst ein Buch mit Rezepten veröffentlicht, die sich in ein paar Minuten kochen lassen. Auch mit wenig Zeit lassen sich leckere Gerichte zaubern.

Die vegane Küche ist in aller Munde. Welche Trends mögen Sie nicht?

Grundsätzlich ist jeder Trend erst einmal interessant. Doch irgendwann ist er auch wieder vorbei. Beispielsweise die molekulare Küche, das war ein Riesen-Hype, jetzt interessiert es nicht mehr so stark.

Das kann Starkoch Mirko Reeh am besten: Mit einem Lachen Leckereien zaubern und dabei immer variabel bleiben.

Das heißt, auch der Vegan-Trend ist bald wieder vorbei?

Glaube ich schon. Das ist schon eine spannende Geschichte, ohne tierische Produkte zu kochen. Aber ich gehe davon aus, dass es auch viele Zurückkommer geben wird. Irgendwann ist es ausgereizt. Alles was zu extrem wird, ist Murks.

Welche Themen werden denn in Zukunft das Kochen beherrschen?

Es wird bewusster gegessen. Das ganze Thema der Zurückverfolgung von Lebensmitteln wird noch mehr Gewicht bekommen. Deren Qualität wird noch mehr im Vordergrund stehen, und man wird nicht mehr alles über den Preis verkaufen können.

Was machen Sie eigentlich lieber: Kochen oder unterhalten?

Ich würde sagen, die Kombination aus beidem liegt mir am besten. Ich rede einfach gerne, und wenn beim Kochen auch noch etwas Leckeres herauskommt, ist das doch eine wunderbare Sache. Derzeit habe ich auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin täglich Kochshows, das ist perfekt: Kochen, unterhalten und zum Schluss in lachende Gesichter schauen.

Welche Projekte stehen denn demnächst an?

Im März 2016 erscheint ein neues Kochbuch „Handkäs de Luxe, Teil zwei“. Es gibt auch etwas Neues im Fernsehen, über das kann ich aber derzeit noch nicht reden. Außerdem habe ich eine neue Staffel für meine Kochschule erarbeitet. Diese Abwechslung sorgt dafür, dass es nicht langweilig wird und ich den Spaß behalte.

Neues fürs TV – können Sie selbst überhaupt noch Koch-Shows im Fernsehen sehen?

Ich habe überhaupt gar keine Zeit, Fernsehen zu schauen. Es ist lange her, dass ich eine Kochshow gesehen habe. Klar, wenn etwas Neues kommt, dann gucke ich mir das an, um zu sehen, was wirklich neu ist. Aber regelmäßig – nein, da habe ich keine Zeit.

Kochen spielt da ja auch eine immer eine unwichtigere Rolle.

Stimmt schon. Es geht immer mehr um Entertainment und weniger um Kochtechnik.

Mit wem würden Sie denn mal gerne kochen?

Ganz klar die Queen. Ich habe mal bei einer Hochzeit des Königshauses gekocht. Da habe ich auch den Koch der Queen kennen gelernt. Das hat einen Riesen-Spaß gemacht. Und ich habe schon mitbekommen, dass die Frau richtig witzig sein muss.

Es ist Sonntag, Sie haben Zeit: Was kochen Sie?

Ich gehe meist mit Freunden frühstücken, am Nachmittag gibt’s einen Äppler und abends bestelle ich eine Pizza. Ich habe nämlich gar keine Küche in meiner Wohnung. Am Anfang musste ich noch sparen, später wollte ich dann auch keine mehr. Ich koche die ganze Woche, da habe ich sonntags keine Lust, selbst noch zu brutzeln.

Rubriklistenbild: © Foto: rz

Axel Grysczyk

Axel Grysczyk

E-Mail:axel.grysczyk@extratipp.com

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