Riesenandrang in der Psychiatrischen Klinik in Hofheim

Depressions-Welle überzieht den Main-Taunus-Kreis

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Vor allem steigende Belastungen im Beruf machen immer mehr Menschen im Main-Taunus-Kreis krank.

Taunus – Immer mehr Menschen im Main-Taunus-Kreis werden psychisch krank. Mit ein Beleg dafür sind stetig steigende Patientenzahlen der Psychiatrie der Main-Taunus-Kliniken. Von Dirk Beutel

Immer erreichbar sein. 24 Stunden lang, jeden Tag. Die Arbeit kennt kein Ende mehr. Andere wiederum müssen um ihren Arbeitsplatz zittern und fürchten den sozialen Abstieg. Diese Probleme kennen viele und machen immer mehr Menschen krank. Hessenweit sticht vor allem der Main-Taunus-Kreis bei psychischen Erkrankungen heraus: Laut Gesundheitsreport 2011 der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) sind dort Depressionen, Angstzustände oder Burnout um 24 Prozent gestiegen.

Und diesen besorgniserregenden Trend bekommt die Psychiatrische Klinik in Hofheim zu spüren. Dort reichen die vorhandenen Behandlungsplätze und Stationsbetten schon lange nicht mehr aus. Seit etwa fünf Jahren schnürt sich der Versorgungsengpass immer enger zu. Über 120 Patienten konnten im vergangenen Jahr schon nicht aufgenommen werden. Der Grund: Kein Platz. „Wir verzeichnen in unserer Klinik einen Riesenandrang an psychisch Kranken“, sagt Professor Dr. Stephan Volk, Facharzt für Psychiatrie, Neurologie und Psychotherapie und stellvertretender Ärztlicher Direktor der Kliniken des Main-Taunus-Kreises.

Dass gerade im Main-Taunus-Kreis immer mehr Menschen psychisch krank werden, ist für den Mediziner kein Wunder. Der Landkreis, einer der einkommensstärksten in Deutschland, liegt mitten in einer florierenden Metropolregion. Doch gerade dort sind Ängste und Depressionen auf dem Vormarsch. Häufigste Ursache ist der Job: „Immer weniger Schultern müssen immer mehr Arbeit leisten. Überstunden werden zur Normalität. Zumal es nahezu keine Grenzen zum Privatleben mehr gibt. Dank Blackberry, Smartphone und E-Mail sind unsere Patienten permanent erreichbar, finden keinen Abstand zur Arbeit und kommen nicht zur Ruhe“, sagt Volk.

Wartelisten werden immer länger

Professor Dr. Stephan Volk schlägt Alarm: Weil immer mehr Menschen im Main-Taunus-Kreis psychisch krank werden, braucht die Klinik in Hofheim mehr Platz.

Oder das Gegenteil ist der Fall: Die ständige Angst, seinen Arbeitsplatz zu verlieren. Und es werden im Main-Taunus-Kreis immer mehr Menschen, denen dieser Druck auf die Seele schlägt.
Deshalb steht die Klinik derzeit in Verhandlungen mit dem Hessischen Sozialministerium. Demnach braucht die Tagesklinik 14 statt der sechs vorhandenen Behandlungsplätze. Die stationären Betten müsssen von 40 auf 52 erhöht werden. „Unsere Wartelisten werden immer länger“, sagt Volk.

Gerade junge Männer ab 30 Jahren, scheinen die alltäglichen Anforderungen im Job regelrecht zu erdrücken. Volk: „Der Druck ist vor allem bei Mitarbeitern im Banken- und Versicherungssektor meist höher als sonst wo.“ Viele davon arbeiten etwa in Frankfurt und pendeln nach Hause in den Main-Taunus-Kreis.

DAK-Sprecher Claus Uebel kennt den Trend und nennt eine weitere Begründung: „In unserer Gesellschaft wird immer offener mit psychischen Erkrankungen umgegangen. Wenn der Hausarzt früher Rückenschmerzen aufgeschrieben hat, wird er heute genauer hinschauen und eher eine beginnende Depression diagnostizieren.“

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