Ein Denkmal für jeden Toten

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Matthias Lüneburg gestaltet Gräber individuell.

Bad Homburg – „Individuell wie das Leben selbst“ – so werben Friedhofsgärtnereien und Floristen um die Grabgestaltung – auch wenn nicht wie an diesem Sonntag bundesweit der Tag des Friedhofs ausgerufen ist. Menschen wie der Bad Homburger Matthias Lüneburg haben tagtäglich damit zu tun. Von Norman Körtge

Den gesellschaftlichen Wandel kann Matthias Lünebürg vom Bad Homburger Floristenfachgeschäft Blumen Bauer nicht leugnen. Aber er bedauert ihn. „Es gibt immer mehr anonyme Beisetzungen“, berichtet er und ergänzt: „Es ist eine Zwei-Klassen-Gesellschaft auf dem Friedhof erkennbar.“ Damit meint der 45-jährige Floristenmeister die Diskrepanz zwischen schön gepflegten Gräbern und ganz schlichten Ruhestätten, wo lediglich Bodendecker wie Efeu oder Waldsteinia wachsen. Und das liege nicht an der Größe des Geldbeutels. Vielmehr habe Lüneburg beobachtet, dass gerade Familien mit kleinem Einkommen Geld zusammenlegen, um ihren Angehörigen so etwas wie ein Denkmal zu setzen. „Dort ist die Familienbande größer und es zählen andere Werte“, meint der Floristenmeister. Dementsprechend kümmern sich Angehörige um das Aussehen der Gräber. Und nicht zuletzt sei ein Grab und die Arbeit daran gut für die Trauerarbeit, da man nah am Verstorbenen ist.

Sehr wohl mit den Kosten etwas zu tun habe nach Meinung von Lüneburg die Zunahme der anonymen Bestattungen. „So ein Grab ist vielen zu teuer“, sagt er: „Da sind Kommunen gefordert.“

Auch die Arbeit der Floristen und Friedhofsgärtner hat sich selbst einem Wandel unterworfen. „Früher hat man die Blumen direkt an den Grabstein gepflanzt. Heute setzt man sie als Gegengewicht auf die andere Grabseite“, verrät Lüneburg. Oft werden die Blumen dann wie ein Kissen angepflanzt. 

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