„Einer Fernbus-Maut stehe ich gelassen gegenüber“

"Dein Bus"-Chef Alexander Kuhr über Wettbewerb und harten Preiskampf

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Blickt optimistisch in die Zukunft des Fernbus-Marktes: Dein Bus-Chef Alexander Kuhr.

Alexander Kuhr ist Mitbegründer und Geschäftsführer des Fernbusunternehmens Dein Bus . Er spricht über neue Herausforderungen und mögliche Veränderungen am Markt. Von Dirk Beutel 

Als der Markt Anfang 2013 liberalisiert wurde, sprach man von einer Goldgräberstimmung in der Branche. Müssen Sie heute überhaupt noch arbeiten?

Selbstverständlich! Diese Titulierung der Goldgräberstimmung ist durchaus berechtigt, wenn man sich die Dynamik des vergangenen Jahres ansieht und die Markteinstiege mehrerer Unternehmen berücksichtigt. Auf der anderen Seite sehen wir, dass mittlerweile auf gewissen Strecken das Angebot die Nachfrage übersteigt. Etwa auf der Strecke Frankfurt nach Köln. Deswegen ist diese Stimmung nicht mehr in allen Bereichen berechtigt. Gerade auf attraktiven Strecken zwischen Großstädten kann man von einem regelrechten Preiskampf sprechen. Die Anbieter unterbieten sich fast im Wochentakt. Da steht eher die Frage im Raum: Wie lange funktioniert das noch so?

Es muss also eine Marktbereinigung her?

Es wird sie geben müssen. So viel Überkapazität will auch finanziert werden. Das kann auf Dauer nicht aufrechterhalten werden. Jeder muss unter seiner Rechnung einen Strich machen. Derzeit sieht das bei einigen Mitbewerben ziemlich düster aus.

Sollte da die Politik eingreifen oder regelt das der Markt selbst?

Wir haben jahrelang dafür gekämpft, dass dieser Markt liberalisiert wird und dass es eine freie Wahl des Verkehrsmittels gibt. Von daher werde ich mich hüten, nach Marktregulierung zu rufen. Das ist auch nicht der richtige Weg. Es gibt vier große und zwei kleine Unternehmen, darunter auch wir, die um Marktanteile, Strecken und Kunden buhlen. Bei den großen Unternehmen herrschen konzernähnliche Strukturen, dort werden Unmengen von Euro in den Markt gepumpt – auch gezielt, um Mitbewerber auszuschalten. Diese vier großen Anbieter werden sich schon fragen, welches Angebot noch sinnvoll ist und wo die Planzahlen vielleicht zu optimistisch gewesen  sind. Die müssen auch alle rechnen und ich gehe davon aus, dass da auf dem Markt in den nächsten zwölf Monaten einige Verschiebungen stattfinden werden.

Der Preiskampf tobt. Laut Fahrgastverband Pro Bahn mit schweren Folgen: Busfahrer hielten sich nicht mehr an ihre Lenk- und Ruhezeiten und es werde zu lax mit Fahrgastrechten umgegangen.

Wir beobachten, dass bei einigen Mitbewerbern sehr knapp kalkuliert wird und dass die Sozialvorschriften für Fahrer bewusst nicht eingehalten werden. Da werden planmäßige Fahrpläne gemacht, die von vornherein nicht mit den Sozialvorschriften vereinbar sind. Diese Fahrpläne sind öffentlich zugänglich. Und man kann da erkennen, welche Streckenzeiten berechnet sind. Jemand, der sich da ein bisschen auskennt, sieht schnell, wenn ein Fahrplan zu eng geplant ist. Zwar nicht bei allen, aber es findet statt. Ein Problem beim Einhalten von Fahrgastrechten sehe ich im Grunde nicht. Die Zugeständnisse der Anbieter gehen meist über die gesetzlichen Anforderungen hinaus.

Momentan kann der Kunde unter vielen günstigen Angeboten auswählen. Die Preisschraube kann aber nicht ewig nach unten gedreht werden.

Zurzeit profitiert der Kunde noch: Von dem hohen Angebot und den sehr niedrigen Preisen. Mit immensen Summen versuchen die Großen unter den Anbietern Marktanteile zu bekommen. Wir merken das am eigenen Leib. Vor allem auch, dass sich die Geschäftsziele einiger Mitbewerber scheinbar nicht mit dem Aufbau von profitablen Strukturen beschäftigen, sondern auch volle Attacke auf uns gehen. Aber von diesen kurzfristig niedrigen Preisen bleibt natürlich in drei Jahren nicht viel übrig. Da bleiben von heute noch sechs Anbietern schnell nur zwei große Anbieter übrig, die unter sich den Markt dann aufteilen. Dann werden die Preise auch nicht mehr günstig bleiben. Das hat es auch auf anderen Märkten gegeben.

Wo bleiben Sie dabei?

Wir können uns an dieser Strategie möglichst viele Marktanteile zu bekommen, gar nicht beteiligen. Wir müssen profitabel arbeiten, da wir keine Investoren im Hintergrund haben. Wir kämpfen mit ganz anderen Mitteln und müssen uns sehr genau überlegen, wo wir Busse einsetzen. Nämlich da, wo die Nachfrage herrscht und wo wir einen Mehrwert gegenüber anderen Mitbewerben, auch der Bahn, anbieten können. Wir wollen langsam, kontinuierlich und nachhaltig wachsen.

Jetzt fordert der Fahrgastverband Pro Bahn eine Maut für Fernbusse. Bedeutet dies das Ende für die Unternehmen oder ein Ende der billigen Tickets?

Das ist der Blick in die Glaskugel. Ich stehe der Sache gelassen gegenüber. Wir sehen, mit welchen Mitteln wir gegen immens gut finanzierte Konkurrenz bestehen können, weil wert ist, was wir leisten. Wenn die Maut kommt, trifft sie alle Fernbus-Unternehmen und wir alle müssen lernen damit umzugehen. Ich sehe das nicht so schwarz. Bei den großen Anbietern werden diese Kosten einkalkuliert. Bei den Kleinen, wenn man es düster sieht, wird die Maut auf die Fahrgastpreise umgelegt.

Mit den Einnahmen aus der Maut sollen Busbahnhöfe errichtet werden. Das wäre doch eine sinnvolle Investition?

Es fällt mir schwer zu glauben, dass es funktioniert, eine bundesweit erhobene Fernbus-Maut für die Verbesserung lokaler Infrastrukturen einzusetzen. Lokale Infrastruktur wird nicht durch Mittel des Bundes finanziert. Busbahnhöfe sind in der Regel privat finanziert oder durch die Kommunen. Aber grundsätzlich herrscht dort ein massiver Nachholbedarf aber ich glaube, das bleibt Fantasie.

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