So stehen unsere Landtagsfraktionen dazu

Sterbehilfe: Auch Hessens Politiker uneinig

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Bisher ist aktive Sterbehilfe in Deutschland strafbar. Eine Mehrheit in Deutschland befürwortet aber eine Erlaubnis.

Region Rhein-Main – Zwischen Verbot bis zur Erlaubnis für Ärzte: Wie soll künftig die Sterbehilfe in Deutschland geregelt werden? Während der Bundestag  noch uneins ist, hat der EXTRA TIPP nach den Ansichten der Fraktionen im hessischen Landtag gefragt. Von Dirk Beutel 

67 Prozent der Bundesbürger sind laut einer aktuellen Umfrage dafür, aktive Sterbehilfe in Deutschland zu erlauben. Der Bundestag will die Beihilfe zum Suizid nun regeln. Im Herbst 2015 soll eine Entscheidung fallen. Bis dahin sollen die Abgeordneten untereinander diskutieren und zu einer einheitlichen Meinung kommen von der man momentan weit entfernt ist. Im Hessischen Landtag sind sich die Fraktionen untereinander ebenfalls uneinig. „Bei der Entscheidungsfindung zum Thema Sterbehilfe wird sich letztendlich jeder Mensch auf sein Gewissen stützen müssen. Ich persönlich lehne jede Form der Sterbehilfe ab. Entscheidend ist, dass das Angebot der Palliativmedizin deutlich ausgebaut wird. Ziel der Palliativmedizin ist die Schmerzfreiheit und der Erhalt der Würde des Menschen auch beim Sterben“, sagt der sozialpolitische Sprechers der CDU-Fraktion, Ralf-Norbert Bartelt.

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Die FDP gibt sich bei diesem emotionalen Thema liberal: „Jeder Mensch sollte grundsätzlich das Recht haben, selbstbestimmt zu leben und auch selbstbestimmt seinem Leben ein Ende setzen zu können. Die gewerbsmäßige Förderung der Selbsttötung sollte unter Strafe gestellt werden, Formen der nicht kommerziellen Sterbehilfe jedoch unter bestimmten, zu regelnden Voraussetzungen nicht. So ist die FDP-Fraktion der Ansicht, dass für Angehörige oder andere nahestehende Personen eine Beihilfe zur Selbsttötung straffrei bleiben sollte“, sagt Florian Rentsch, gesundheitspolitischer Sprecher und Vorsitzender der FDP-Fraktion.

Innerhalb der Sozialdemokraten herrscht dagegen keine abgestimmte Position. Thomas Spies, gesundheitspolitischer Sprecher der Landtags-Fraktion: „Nach meiner Überzeugung sind 99 Prozent aller Fälle, über die man nachdenkt, kein Problem der Sterbehilfe, sondern der örtlichen Palliativmedizin. Wenn Schwerstkranke mit Schmerzmitteln ordentlich behandelt oder in Hospizen versorgt würden, würde sich die Frage nach Sterbehilfe in vielen Fällen nicht stellen. Wenn es dem Wunsch des Patienten entspricht, muss man das meiner Ansicht nach in Kauf nehmen. Die grundsätzliche Erlaubnis zur Sterbehilfe würde allerdings dem Missbrauch, aber auch einer Vernachlässigung der Palliativmedizin Tür und Tor öffnen.“ Marcus Bocklet, sozial- und gesundheitspolitischer Sprecher von Bündnis 90/ Die Grünen: „Klar ist, wir werden immer älter und müssen uns deshalb deutlicher mit Alterserscheinungen und chronischen Krankheiten auseinandersetzen. Wichtig ist, dass die Politik die Menschen nicht alleine lässt und dass sterbenskranke Menschen mit Todeswunsch in der Gesetzgebung Sicherheit finden. Als ersten Schritt hierfür bedarf es einer Enttabuisierung des Sterbens und des Todes.“

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