Bleibt der Stadt bald die Luft weg?

Was Frankfurt versucht, um Schadstoff-Werte zu senken

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Werden Diesel-Fahrzeuge bald aus Frankfurt ausgesperrt? Ihre Motoren sondern besonders viel Stickstoffdioxid ab. Das von den Autos freigesetzte Abgas ist gesundheitsschädlich.

Frankfurt – Die blaue Plakette für Frankfurt ist nicht vom Tisch. Besonders an der Friedberger Warte sind die Stickstoffdioxid-Werte zu hoch. Deshalb hat die Deutsche Umwelthilfe das Land Hessen auf Luftreinhaltung verklagt. Die Forderung: Intensiveres Vorgehen gegen die Abgase. Von Janine Drusche

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Ohne blaue Plakette, strömt das Abgas in der Frankfurter Innenstadt weiter. Die Stickstoffdioxid-Werte, kurz NO2, sind dort viel zu hoch: Es mache laut Deutscher Umwelthilfe (DUH) sogar die Anwohner krank. Deutschlandweit gäbe es 10.000 vorzeitige Todesfälle wegen der hohen Stickstoffdioxid-Belastung durch Diesel-Fahrzeuge, sagt Ann-Kathrin Marggraf von der DUH.
Ist die Konzentration zu hoch, komme es zu Husten und Atem- oder Herz- und Kreislauf-Problemen. Deshalb fordern Umweltverbände immer vehementer die Euro 6-Plakette.

Wird sie für Frankfurt beschlossen, haben Dieselfahrer das Nachsehen und müssten einen Bogen um die Stadt machen. „Das betrifft deutschlandweit 13 Millionen Menschen, die durch die blaue Plakette eingeschränkt werden“, sagt Wolfgang Herda von der Verkehrsabteilung des ADAC Hessen-Thüringen. „Dass die Autobesitzer dann darunter leiden müssen, ist ungerecht. Ein Autokauf ist eine langfristige Entscheidung und es wurden bis 2015 noch die betroffenen Dieselmodelle verkauft“, sagt Herda. Da fehle die Planungssicherheit.

Städte sehen wenig Spielräume

Doch um die Werte ohne blaue Plakette zu senken, könne der Verbraucher etwas tun: „Schon vorausschauendes, defensives Fahren, kann die NO2-Werte um 50 Prozent senken. Dafür muss man nur mit der Masse mitschwimmen und langsamer anfahren, denn Stop-and-go steigert den Ausstoß sprunghaft.“ Noch gibt es keine Plakette, es ist nicht einmal klar, ob sie wirklich kommt. Deshalb müssten Alternativen zu einer erweiterten Umweltzone her.

„Das Problem wird sich nicht von selbst erledigen, wir müssen handeln. Aber wir haben auf kommunaler Ebene wenig Chance, die Entscheidungen liegen beim Land“, sagt Ingmar Bolle, Referent des Frankfurter Verkehrsdezernenten Stefan Majer.

Stickstoffdioxid-Werte sind bereits gesunken

Herda aber meint, die Stadt könne etwas tun: Nachfrageabhängige oder grüne Wellen bei Ampel-Schaltungen einrichten, damit nicht so oft abgebremst und neu angefahren werden müsse. „Man kann auch Baustellenfahrzeuge und Versorgungsbetriebe mit sauberer Technologie ausstatten“, sagt der ADAC-Sprecher. Die Auto-Industrie sei zusätzlich in der Pflicht noch aktiver zu werden, denn NO2 säuert laut der Weltgesundheitsorganisation WHO den Boden. Das sei für Menschen krebserregend. „Wir überschreiten zwar in Frankfurt den ungefährlichen Wert stetig, aber nicht sehr viel und er ist in den vergangenen 15 Jahren schon von 70 Mikrogramm pro Kubikmeter auf 55 Gramm runtergegangen. So muss es weitergehen“, sagt Bolle.

Zwischen Wohlstand und sauberer Luft

In Höchst seien die Nahverkehrs-Busse durch umweltschonende Modelle ersetzt worden, seither liege der Wert unter der Grenze von 40. „Gerade an der Friedberger Warte ist es besonders im Berufsverkehr schwer, den Wert zu mindern“, sagt der Referent. Wenn auf der angrenzenden A 661 ein Tempolimit bestünde, glaubt Bolle an eine weitere Reduktion des NO2-Wertes, da die Autobahn eine Hintergrundbelastung sei. Rainer Vollweiter vom Umwelt-Dezernat Frankfurt verweist auf den Luftreinhalteplan der Stadt. Geplant sei auch die Reduzierung von Parksuchverkehr, bessere Fahrgastinfos, Hybrid-Taxen und Car-Sharing. „Selbst wenn die Bürger nicht mit dem Auto in die Stadt fahren, ist die Situation an der Friedberger Warte wegen der vielen Pendler aber alternativlos. Die Stadt steckt im Zwiespalt zwischen Wohlstand und sauberer Luft“, sagt Bolle. Das sei aber kein Grund für Alarmstimmung: „Bis dahin fließt noch viel Wasser den Main runter.“

Das städtische Umweltamt setzt sich nun dafür ein, die Verkehrsbelastung zu reduzieren und den Öffentlichen Personennahverkehr auszubauen. Fahrradfreundlichere Infrastrukturen, weniger neu zugelassene Dieselautos, Zuschüsse für Elektromobilität, Tempolimits und umweltfreundliche Fahrzeuge im öffentlichen Dienst können die Stickstoff-Werte mindern.

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