Datenklau, Gelddiebstahl: Betrüger greifen via Fax an

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Beim selbstständigen Raumausstatter Christian Kaiser aus Dieburg landeten die Fax-Betrüger am Falschen. Er wandte sich an den EXTRA TIPP.

Dieburg – An E-Mail-Spam und Hütchenspieler in den Innenstädten hat man sich gewöhnt. Neu sind auch Tricksereien via Fax nicht. Doch gerade in letzter Zeit schwappt wieder eine Welle von Betrugsversuchen durch die Geräte. Von Jens Dörr

Das Ziel ist immer dasselbe: Dem Gewerbetreibenden ohne oder nur für eine überteuerte Gegenleistung das Geld aus der Tasche ziehen. Bei Christian Kaiser aus Dieburg verpuffte der Versuch. Der selbstständige Raumausstatter hatte ein Fax der angeblichen „Loteria Primitiva“ aus Spanien erhalten. Inhalt des Dokuments, das mit scheinbar offiziellem Briefkopf, „Siegel“ und „Barcode“ – natürlich alles gefälscht – versehen war: Kaiser habe die „Pauschalsumme“ in Höhe von 715.810 Euro gewonnen.

Das Geld stamme aus einem Acht-Millionen-Topf, der „international unter den Gewinnern“ ausgeschüttet werde. Haken: Der Lottogewinn müsse noch beantragt werden, genauer bei „Antragsvertreter Manuel Gomez“. Der sei „Auslandskoordinationsmanager“ der spanischen Lotterie, brauche aber alle Daten Kaisers, darunter Anschrift, Bankdaten und nächster Angehöriger mit Kontaktdaten. Die Überweisungsgebühr für den Transfer des Gewinns ins Ausland müsse der Dieburger natürlich selbst tragen.

Holpernd durch die deutsche Sprache

Der 27-jährige Jungunternehmer tat das nicht, zumal er an keiner Lotterie teilgenommen hatte. Er recherchierte im Internet, fand heraus, dass es sich um einen Betrugsversuch handele und dass der schon erfolgreich gewesen sei. „Wenn nicht so viele Rechtschreibfehler drin gewesen wären, wäre ich vielleicht nicht gleich skeptisch gewesen.“ Das Wort „tausend“ schrieben die Kriminellen „tausand“ und holperten sich im Fax mühsam weiter durch die deutsche Rechtschreibung.

Es war nicht das erste Mal, dass Betrüger dem Raumausstatter in jüngerer Vergangenheit das Geld aus der Tasche ziehen wollten: Rund ein Jahr nach einem Vertragsabschluss bei der Online-Auskunft Klicktel erhielt Kaiser einen Anruf, man wolle nun seine „Vertragsdaten optimieren“, Name und so weiter kontrollieren. „Die Anrufe kamen immer aus anderen Regionen Deutschlands“, erinnert er sich. Die Versuche, an seine Daten zu kommen und hernach womöglich eine Unterschrift – verbunden mit einem nutzlosen Vertrag – zu ergaunern, wimmelte der Dieburger am Telefon ab.

In Münster erhielten im Herbst Gewerbetreibende Faxe einer englischen Firma. Scheinbar unverfänglich wurden sie darin aufgefordert, ein bereits abgedrucktes, echtes Inserat im Gemeindeführer zu überprüfen, die Richtigkeit im Schreiben mit ihrer Unterschrift zu bestätigen. Dass sich im Kleingedruckten ein mit hohen Folgekosten verbundener Vertrag befindet, ahnte dabei nicht jeder. Die Kripo Darmstadt ermittelt wegen Betrugsverdachts: „Die Masche ist alt, kommt aber in regelmäßigen Abständen immer wieder vor“, so Annerose Siegler, Leiterin des Darmstädter Betrugskommissariats.

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