Der Kampf gegen den Schweinehund

Darum geben jetzt viele die guten Vorsätze auf

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Spätestens Ende Januar werden gute Vorsätze aus der Silvesternacht oft zu Grabe getragen. Der innere Schweinehund siegt und lacht uns aus. Der EXTRA TIPP zeigt, wie man Ziele bis zum Ende verfolgt. Von Oliver Haas

Endlich mit dem Rauchen aufhören, gesünder ernähren, mehr bewegen, sportlich aktiv sein: Die Liste der guten Vorsätze aus der Silvesternacht und den Tagen danach wiederholt sich alle Jahre wieder. Bei vielen leider auch der Zeitpunkt im neuen Jahr, an denen der Schweinehund doch wieder gewinnt, man zur Karteileiche im Fitnesscenter wird oder genussvoll in die Chipstüte oder zum Glimmstengel greift. Aber es gibt Strategien, die dieses Scheitern verhindern lassen. Kirsten Schmiegelt, Personal- und Businesscoach aus Frankfurt, sieht vor allem eine fehlende Vorbereitung als einen der Gründe.

Ein guter Vorsatz muss realistisch sein

„Selbst wenn die Vorsätze in der Gesellschaft als allgemein positiv angesehen werden, muss ich mir überlegen, ob ich das wirklich will – unabhängig davon, was man allgemein zu wollen hat.“ Es bringe nichts, wenn man sich zwingt, drei Mal in der Woche ins Fitness-Studio zu gehen, dafür aber wider Willen seine Freunde vernachlässigt. Ärger mit seinem Partner bekommt oder keine Zeit mehr für seine Kinder hat. „Deshalb sollte der gute Vorsatz immer mit der Realität abgeglichen werden. Fast jeder gute Vorsatz hat auch negative Folgen und jeder sollte sich vorher bewusst sein, ob man diesen Preis zahlen will. Ein langfristiger guter Vorsatz muss individuell passen.“

Wenn die Vorsätze zu hoch gegriffen und unrealistisch sind, dann ist dies laut Schmiegelt oft ein Grund für den Sieg des Schweinehundes. Wer sich ein Ziel setzt, dem kann die sogenannte S.M.A.R.T-Formel (siehe unten) helfen, die ein gutes Grundgerüst bietet, damit Vorsätze und Ziele nicht schnell aufgegeben werden.

Rückschläge sollte man einplanen

„Wichtig ist ebenso, dass man sich nicht zu sehr selbst kasteit. Und man sollte sich auch für das Erreichen kleiner Ziele belohnen“, rät Schmiegelt. Wer vom Leben einen Kinnhaken verpasst bekommt, ob auf der Arbeit, im Liebesleben oder anderen Ereignissen, der fällt oft in ein mentales Loch, ist deprimiert und wieder siegt der Schweinehund. Hierzu rät Personalcoach Schmiegelt: „Wenn die Lebensumstände ungünstig sind und man Tiefschläge einstecken muss, dann sollte man individuell darauf reagieren. Wenn ich dann statt dreimal nur einmal in Fitness-Studio gehe, ist das doch ebenso in Ordnung.“ Jeder Vorsatz solle auch immer flexibel sein und man müsse etwaige Rückschläge einplanen. „Kein Vorsatz darf komplett in Stein gemeißelt sein, er muss sich immer dem Leben anpassen können.“ Manchen helfe es auch, wenn man seinem Schweinehund einen Namen gibt. „Das ist natürlich ganz individuell, aber manche nehmen ihn auf diese Weise mit ins Boot und kommunizieren mit ihm. Es kann helfen, wenn man sich so etwas visualisiert“, so Schmiegelt.

Bei Frust kommt der Schweinehund zurück

Man sollte sich bei Vorsätzen nicht zu viel Druck machen. Es gibt zwar auch die Strategie, dass man möglichst vielen Menschen in seinem Umfeld von seinem Ziel erzählen soll, aber dazu rät Schmiegelt nur eingeschränkt. „Es gibt Menschen, die vor allem unter Druck gut arbeiten und sozusagen die Aufsicht von außen brauchen, um ein Ziel zu erreichen. Das ist eine individuelle Typfrage.“ Auch gibt sie zu bedenken, dass oft wieder eine Konfrontations-Situation mit Anderen entsteht, wenn man den Vorsatz nicht hundert Prozent einhält. Wer damit nicht klar kommt, der ist frustriert und der Schweinehund gewinnt wieder. „Grundsätzlich sollte ein guter Vorsatz ein positiver flexibler Begleiter und kein mahnendes Schreckgespenst sein – dann hat er innere Schweinehund schlechte Karten.“

So geht die S.M.A.R.T-Formel

S = Jedes Ziel sollte spezifisch definiert werden. Der Wunsch durch Sport und Ernährungsumstellung abzunehmen ist es.

M = Jedes Ziel sollte messbar sein können. Damit ist etwa der Blick auf die Waage gemeint.

A = Das Ziel muss für jeden selbst attraktiv für sein. Wer nur auf Druck von anderen was macht, der versagt.

R = Jedes Ziel soll so formuliert werden, dass es realistisch und mit eigener Kraft und ohne übermäßiges Glück oder Zufall erreicht wird.

T = Jedes Ziel sollte eindeutig terminiert werden und kein „irgendwann oder demnächst“ enthalten. Also man sollte man nicht sagen: „Ich will mich ändern“, sondern : „Ich will bis zum 30. Juli 13 Kilo abnehmen.

Oliver Haas

Oliver Haas

E-Mail:oliver.haas@extratipp.com

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