Europas Biker-Szene hat einen neuen Star

Custom Bikes: Frankfurter macht alte Motorräder zu heißen Öfen

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Erik Pogorzelec ist gerade dabei, die historische Harley Davidson von 1947 zu bearbeiten.

Frankfurt – Er ist der Jesse James des Rhein-Main-Gebiets! Das, was der Kult-Mechaniker im Fernsehen zusammenschraubt, macht Erik Pogorzelec täglich. Der Frankfurter baut Motorräder nach Maß. Jedes Stück ein Unikat, jedes Teil handgemacht. Von Christian Reinartz

Wenn er mit einem Motorrad fertig ist, ist daraus ein Kunstwerk entstanden. Seine Kunden kommen mittlerweile aus Ganz Europa nach Nieder-Eschbach. Sein Geheimnis: Pogorzelec bearbeitet Tanks und andere Blechteile auschließlich mit der Hand und Maschinen aus der Vorkriegszeit.

Handwerk vom Vater gelernt

Erik Pogorzelec streichelt zärtlich über den rauen Alutank einer Harley Davidson UL 1200, Baujahr 1947 und spricht von seinem Vater. Damals in Danzig. Dort hat Pogorzelec gelernt. Hat von ihm gelernt, wie man ein Stück Blech am besten formt, wie man daraus kunstvoll wunderschön geschwungene Tanks herstellt. „Er hat mir das hier alles beigebracht“, erinnert sich Pogorzelec wehmütig. Heute ist sein Vater nicht mehr da. Bekommt nicht mehr mit, dass sein Sohn seinen Traum fortführt, sein Wissen wie einen Schatz hütet, täglich anwendet und weiterentwickelt in seiner Firma Freestyle Custom in Nieder Eschbach.

Bilder von seinen Custom Bikes

Erik Pogorzelec schraubt an Custom Bikes

Pogorzelec arbeitet mit Maschinen aus der Vorkriegszeit

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Die 47er steht auf dem Arbeitstisch, ist fast komplett zerlegt. Den Motor hat er schon überholt, hat einen kaputten Zylinderkopf ersetzt und die Nockenwelle verändert, damit die Schmierung besser wird. Dazu hat er den 56 Jahre alten Motor mit einer modernen Zündung ausgestattet. Tank, Sitze und Schutzbleche hat Pogorzelec aus rohem Alublech getrieben – mit dem Hammer und einigen Vorkriegsmaschinen, die der Jungunternehmer selbst restauriert hat. Damit kann er Blech in jede gewünscht Form bringen. „So lässt es sich einfach besser und vor allem genauer arbeiten“, sagt der Schrauber, der sich selbst als Motorrad-Designer sieht. In seinem Kopf entstehen nämlich die Formen, die später die Biker-Szene begeistern werden. Mit seiner Falconetti, einer Ducati mit überdimensionalem Tank und Lederdekor aus dem Bezug eines alten Turnkastens, hat er schon Maßstäbe gesetzt und die International Custombikes Championship Germany gewonnen. Mit einem Mal war der bescheidene Schrauber in der Szene bekannt. Seitdem lassen immer mehr Biker ihre Motorräder nach ihren eigenen Vorstellungen zu einzigartigen Maschinen umbauen. Keine Form scheint unmöglich, keine Lackierung zu abgefahren.

Umbau ist teuer

Die Kosten dafür sind mitunter hoch. „Alles, was ich mache, ist Handarbeit“, sagt Pogorzelec. „Bei mir kommt kein Teil von der Stange. Das kostet viel Zeit.“ Der Umbau der 47er-Harley, wird einen Geschäftsmann aus Stuttgart am Ende 47.000 Euro kosten. Ein halbes Jahr Arbeit. „Aber das ist es vielen Motorradfans auch wert“, sagt Pogorzelec. „Das Motorrad ist danach nicht wiederzuerkennen.“ Mehr Infos auf www.freestyle-custom.de.

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