Frankfurt

Tausende zum Christopher Street Day erwartet

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Der Christopher Street Day ist vor allem eins: Bunt. 

Frankfurt – „Eckstein, Eckstein, musst du noch versteckt sein?“ lautet das Motto des Christopher Street Day (CSD) in Frankfurt in diesem Jahr. Die Antwort darauf müsste „Ja“ lauten, denn noch immer kämpfen Schwule und Lesben mit Vorurteilen.  Von Julia Renner

Erst vor etwa drei Monaten hat sich Jessica geoutet. Die 28-jährige Mutter von zwei Kindern ist dabei auf viel Akzeptanz gestoßen – zumindest im Freundeskreis und der Familie. „Alle akzeptieren es und freuen sich für mich“, sagt sie.

In dem kleinen Ort am Untermain, in dem sie lebt, kann sich Jessica allerdings nicht outen. „Meine Freundin war einmal hier und wir wurden sofort schräg von der Seite angeschaut. Von mir weiß es ja im Ort niemand.“ Wenn sie sich outen würde, glaubt sie, würde es „jede Menge Terror“ geben mit dem Vorwurf, was sie denn ihren Kindern antun würde. Damit die in Kindergarten und Schule nicht gemobbt werden wegen ihrer zwei Mamas, hält Jessica lieber den Mund. „Somit fühle ich mich mit meiner Freundin in meinen vier Wänden immer eingesperrt. In Frankfurt, wenn ich sie besuche, können wir offen sein.“

Alle Infos zum Programm gibt es im Internet auf www.csd-frankfurt.de.

Offen sein, sich nicht verstecken: Das werden von Freitag, 20., bis Sonntag, 22. Juli, tausende Homosexuelle aus der ganzen Region in der Mainmetropole machen. Zum 20. Mal wird dann der Christopher Street Day gefeiert.

In den vergangenen 20 Jahren wurde viel erreicht, sagt Joachim Letschert, der zum Organisatoren-Team gehört. Beispielsweise die Homo-Ehe. „Doch es gibt noch einige Dinge, an die müssen wir ran.“ Denn noch immer werde Homosexualität in manchen Lebensbereichen versteckt: Ob in der Arbeitswelt oder im gesellschaftlichen Leben. „Homosexualität ist noch immer mit Ressentiments belegt.“ Deshalb muss es den Christopher Street Day auch noch immer geben, sagt Letschert.

Dass zu dem großen, bunten Fest nicht nur Schwule und Lesben eingeladen sind, betont der Organisator. „Wir haben erstmals in ganz Frankfurt plakatiert, nicht nur in Szenelokalen.“ Die Veranstalter hoffen, so auch viele Heterosexuelle anzusprechen und zum Mitmachen zu bewegen.

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