„Mädels, hört bitte auf, so tussig zu sein“

Comedy-Newcomerin Lena Liebkind über Eitelkeit, Burger und Offenbach

+
Die gebürtige Ukrainerin Lena Liebkind geht ab Herbst mit ihrem ersten Comedy-Programm auf große Tournee.

Sie ist lustig, ungefiltert und startet gerade in der deutschen Comedy- Szene so richtig durch. Die Frankfurterin Lena Liebkind verrät, was ein Besuch im Frauen-Fitnessstudio mit einer Sozialstudie gemeinsam hat und wieso Offenbach die Zukunft gehört. Von Dirk Beutel

Lesen Sie außerdem:

Interview mit Comedian: Atze Schröder will politischer werden

Comedian Oliver Polak über den paradoxen Umgang mit Rechtsradikalen

In der Comedy Szene sind Frauen immer noch unterrepräsentiert. Haben Sie ein Vorbild? 
Es gibt ein großes Vorbild von mir und das ist Carolin Kebekus. Ihr Humor ist Wahnsinn und sie hat mich natürlich auch geprägt. Sie ist für mich die Königin der Comediennes. Dass ich hier nur Carolin nenne, ist ja auf der einen Seite schön; auf der anderen Seite aber auch ein wenig traurig, weil es impliziert, dass es nur eine geben kann im Deutschen Spaß-Sektor. Hier heißt es ja schnell: Sie hat Brüste und verstellt die Stimme? Die macht doch Kebekus nach! Ich möchte aber auf jeden Fall mein eigenes Ding machen.

Sie haben vorher im Marketing gearbeitet und den Job vor einem Jahr an den Nagel gehängt.

Ja, wegen der Comedy. Ich war ohnehin nicht so glücklich mit meinem Arbeitgeber und da habe ich mir gesagt, jetzt gehst du „All In“. Aber das kam ja nicht von heute auf morgen. Ich habe mir da schon vorher meine Chancen überlegt, schließlich bin ich keine 20 mehr. Schon während meines Jobs war es mein Hobby, nebenbei zu touren, um die Szene kennen zu lernen. Und die verändert sich gerade. Es bieten sich Newcomern Möglichkeiten, die es vor ein paar Jahren noch nicht gab. Da liefen immer die gleichen fünf Menschen im Fernsehen. Jetzt verjüngt sich alles, auch die Unterhaltungsbranche. Dass ich 2014 den Nightwash-Talent Award gewonnen habe, war für mich die Bestätigung, dass die Szene mit mir rechnen kann. Und bislang habe ich es nicht bereut.

Ihr erstes Programm heißt „Kill your Barbie“: Also blonde Püppchen mit Handtäschchen und Lipgloss sind Ihr Feindbild?

Nein, so würde ich das nicht nennen. Das ist eher meine Grundhaltung. Mädels, hört auf tussig zu sein. Das soll nur heißen, dass man das Aussehen nicht so wichtig nehmen sollte. Als Frau kann man hergehen und sich etwas nehmen, wenn man es möchte. Das Wort Feindbild finde ich als Feministin etwas hart. Ich mag dieses Konzept einfach persönlich nicht und halte es nicht für erstrebenswert. Wenn man sich so die Lebenszeit anschaut und überlegt, was man schaffen kann, empfinde ich es als sehr langweilig mich nur meinem Gewicht oder meinen Haaren zu widmen.

In Ihrem Programm schimpfen Sie über Frauen im Fitnessstudio. Was regt Sie am meisten auf?

Ich finde es schön, wenn Menschen körperlich fit sind. Ich mache auch Sport. Mir geht´s vielmehr um die Motivation, wie man es macht. Ich habe so viele Freundinnen, die sind so schlank und so hübsch und ihre Gedanken drehen sich nur darum, was und wieviel sie gegessen haben. Als Beobachter im Frauen-Fitnessstudio ist es wie in einem Iltis-Käfig: Da ist Konkurrenz, Neid, Frust – ein Schmelztiegel voller Extrem-Gefühlen. Ich finde das sehr witzig, weil ich mich nicht so ernst nehme. Weder meine Figur oder sonst etwas. Ich finde es lächerlich zu glauben, dass man mit fünf Kilo weniger auf den Hüften ein besserer Mensch sein soll.

Stattdessen sind Sie ein echter Genussmensch. Worauf kommt es Ihnen beim Essen an?

Es müssen frische Lebensmittel sein, selbst zubereitet, mit Kräutern, Gewürzen, es muss alle Geschmacksrichtungen beeinhalten, einfach ein ganzheitliches Erlebnis. Ich koche selbst leidenschaftlich gerne und weigere mich, meinen Mageninhalt und meine Tendenz zum Fettwerden für irgendwelchen Scheiss zu verschwenden. Ich würde auch nie Nachtisch bestellen, nur weil es ihn gibt, es muss schon etwas richtig Geiles sein. Bei mir geht Geschmack vor und ich probiere immer alles aus ohne mir groß Gedanken zu machen. Ich mag es nur nicht, wenn mir jemand etwas madig machen will. Wenn ich in einen Burger beiße, will ich nicht hören, unter welchen Bedingungen das Tier gehalten wurde. Ich bin erwachsen, treffe meine eigenen Entscheidungen und möchte keinen Vortrag hören. Natürlich achte ich darauf , dass ich nicht so viel Fleisch esse und schaue woher es kommt.

Sie wohnen in Offenbach. Warum nicht Frankfurt?

Ich habe sechs Jahre in Frankfurt gelebt. Das ist weiterhin die Stadt in der ich lebe. In Offenbach wohne ich aber. Es ist günstiger und alles ist im Umbruch. Ich habe hier auch Abitur gemacht, kenne die Stadt also ganz gut. Zwar gibt es viel Leerstand und ein paar traurige Ecken, aber es wird viel gebaut und geplant. Und jeder Leerstand ist eine Chance für einen Neubeginn. Die Stadt wird in fünf Jahren ganz anders aussehen. Vieles verlagert sich ja auch aus Frankfurt hierher, zum Beispiel wegen der EZB. Das Ostend wird wahrscheinlich noch teurer als das Westend werden, also wird man weiter in den Osten ziehen müssen, rüber nach Offenbach. In sechs Jahren werde ich hier sitzen und über die lachen, die sich abfällig über meinen Umzug nach Offenbach geäußert haben. Ich wohne acht Minuten von der Konstabler Wache entfernt und wenn mir jemand aus Eckenheim sagt: Igitt Offenbach, lache ich nur.

Offenbach gilt immer noch als die kleine hässliche Nachbarstadt Frankfurts. Dieses Image, wird dann noch von Künstlern wie dem Rapper Haftbefehl zusätzlich befeuert. Zurecht?

Ich habe mir mal die Reportage mit Haftbefehl angesehen. Ich kenne ja die Orte. Ich bin in Lauterborn, dass das Ghetto schlechthin ist, zur Schule gegangen. Es ist alles halb so schlimm wie es immer dargestellt wird. Klar, es gibt ein paar gelangweilte Jugendliche, es gibt Kriminalität und Drogenprobleme. Es kommt immer darauf an, wo man sich herumtreibt. Aber wenn man eine Stadt immer danach beurteilt was man zuerst sieht, dann wäre Frankfurt wohl eine Junkiestadt. Gehen Sie da mal aus dem Hauptbahnhof raus.

Neues vom roten Teppich

Bilder: Die Verleihung des Deutschen Fernsehpreis 2016

Keine Neuigkeiten und Gewinnspiele mehr verpassen? Dann einfach EXTRA TIPP-Fan auf Facebook werden!

Kommentare