In Frankfurt bangen viele Clubs um ihre Existenz

Insolvent und pleite: Die Frankfurter Clubszene im Wandel

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Begehrte Gäste: Die Clubs konkurrieren um das Partyvolk.
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Frankfurt – Aus dem Sinkkasten wurde das Zoom, aus einem alten Kino das Gibson, das Cocoon ist Geschichte, das Monza schließt im April und Insolvenz-Gerüchte kreisen um das Pulse: Die Frankfurter Club-Landschaft verändert sich. Von Angelika Pöppel 

Im Trend liegen kleine Clubs mit Musik für jeden Geschmack.

Frankfurter Partygänger sind heiß begehrt und hart umkämpft. Denn die Clubdichte in Frankfurt ist hoch – „sogar höher als in Berlin“, sagt Julian Smith, DJ und Betreiber des Club Travolta. Mit dem, im vergangenen Jahr neueröffneten, Gibson Club befinden sich allein rund um die Zeil zehn Clubs – seit drei Jahren auch das Travolta. „Früher gingen alle raus in die Industriegebiete, heute geht die Entwicklung zurück in die Innenstadt“, sagt Smith. Die Konkurrenz macht Gerüchten zu Folge dem Monza zu schaffen. Die finanzielle Situation sei schlecht. Am Freitag bestätigt sich der Verdacht: Das Monza schließt im April. Smith: „Nach dem Umzug fehlt dem Monza ein Gesicht.“

Zu teure Star-Gäste

Clubbetreiber Julian Smith

Für eine klare Musik-Richtung standen der Cocoon Club in Fechenheim und das U60311 an der Hauptwache. Das U60 wird nun zwangsgeräumt, nachdem ein Gast von den Türstehern zu Tode geprügelt wurde. Im Cocoon feierten Electro-Fans aus der ganzen Welt auf 3000 Quadratmetern. Seit einem Monat ist es damit vorbei. „Die teueren DJ-Buchungen haben dem Cocoon das Genick gebrochen“, sagt Insider Smith. Bei so einem Angebot picken sich die Gäste irgendwann nur noch die Rosinen raus. Und die Resident-DJs bekommen den Laden nicht mehr voll, so der Travolta-Besitzer.

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Cocoon-Besitzer Ardi Goldmann gibt zu: „Die großen DJs sind heute nicht mehr bezahlbar.“ Bis zu 150.000 Euro zahlte er alleinfür DJ David Guetta. Das Cocoon sollte als „Weltclub“ gehobene Gäste aus Europa anziehen. Im März soll bereits ein neuer Club in den Räumen eröffnen – Gerüchten zu Folge mit dem Namen „The Moon“. Geschäftsführer Frank Reichenbach, der auch die Geschäfte des Euro Palace in Wiesbaden leitet, setzt auf House und gemischte Musik auf drei Floors für die breite Masse. Teure Stargäste wird es definitv nicht mehr geben.

Bloß kein Schicki-Micki

„Ein Club für zahlungskräftige Banker aus der ganzen Welt funktioniert in Frankfurt nicht“, ist Ralf Scheffler, seit 37 Jahren Betreiber der Batschkapp, überzeugt. Es gebe zu viel Konkurrenz und zu wenig Publikum. Das bestätigt auch die Situation des exklusiven Member-Club Kane & Abel. Der Club auf der Goethestraße will nicht so recht ankommen. Seit vergangenem Jahrdürfen hier Mitglieder für 1000 Euro im Jahr feiern. Nach nur wenigen Monaten ließen die Betreiber auch „Normalos“ rein. Auf die Schippe nimmt das Konzept die Bar Fritz & Schnabel in Sachsenhausen. Für gerade mal fünf Euro im Jahr können die Gäste Clubmitglied werden und erhalten Longdrinks zum reduzierten Preis von 5,50 Euro. Der Eintritt ist frei. Dagegen hat sich das Bitte Schön Department am Ostpark etabliert – trotz 900 Euro Jahresbeitrag.

Nicht mehr wegzudenken aus der Schwulenszene ist das Pulse am Eschenheimer Tor. Aber nach Angaben einer Quelle, die nicht genannt werden will, soll das Pulse noch in diesem Jahr schließen. Dafür soll die deutlich kleinere „Le Bar“ am Liebfrauenberg ihr Konzept auf das schwule Publikum ausrichten. Der Betreiber des Pulse hat bis Redaktionsschluss dazu keine Stellung bezogen.

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Angelika Pöppel

Angelika Pöppel

E-Mail:angelika.poeppel@extratipp.com

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