Clubmitglieder sollen Unkraut zupfen

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Der Sportplatz des Sport Club Eintracht (SCE) in Oberursel.

Oberursel – Oberursel fehlt Geld. Und das sollen jetzt Sportvereine ausbügeln, indem sie ihre Grünflächen selbst pflegen. Es gehe um „kleinere Maßnahmen“, dennoch sollen 120.000 Euro eingespart werden. Die Vereine glauben nicht, dass es beim Unkrautzupfen bleibt. Von Angelika Pöppel

„Die Vereine sind jetzt schon am Rande der finanziellen Machbarkeit“, sagt Sven Krailing, stellvertretender Kassenwart beim Sport Club Eintracht (SCE) in Oberursel. Schleichend werden immer mehr Kosten den Vereinen übertragen, sagt er. Für den SCE arbeiten bereits über 160 ehrenamtliche Helfer, die auch privat Geld investieren. Seit einigen Jahren zahlt der Verein die Gas- und Wasserkosten. Der Verein leistet zusätzlich Jugendarbeit, indem sie sozialschwache Kinder betreuen und sie durch den Sport von der Straße holen. „Für alles ist Geld da, aber dafür nicht. Hier zu sparen, ist der falsche Ansatz“, sagt Krailing.

Diskussion sei überflüssig

Sven Krailing

Anderer Meinung ist da Wolfgang Schmitt, stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher (Die Grünen): „Die Außenanlagen verursachen erhebliche Kosten. Und werden den Hauptnutzern, also den Vereinen, übertragen.“ Das gemeinsame Sparpaket mit der CDU und der SPD wird noch genauer definiert. Doch die Sportplätze sollen weiterhin von der Stadt gepflegt werden. Das sei falsch verstanden worden – die Diskussion darüber, dass die Vereine nicht über Gerätschaften wie Rasenmäher verfügen, somit überflüssig. „Es geht vielmehr darum, dass Kinder im Verein mithelfen und vor dem Training ab und zu Unkraut zupfen“, erklärt Schmitt.

„Ob Grünflächen oder komplette Sportplätze – für die Sportvereine bedeutet es so oder so eine zusätzliche Belastung“, sagt Krailing. Rund 200 Meter Hecken und umliegende Grünflächen, fast so groß wie ein halbes Fußballfeld, müsste die SCE selbst in Ordnung halten. Von Seiten der Stadt gibt es keine klaren Aussagen: Der Beschluss ist noch nicht konkret. „Es muss noch genau geschaut werden, wie es funktionieren kann“, sagt Nina Kuhn, Pressesprecherin der Stadt. Krailing ist davon überzeugt, dass früher oder später auch die Pflege der Sportplätze nicht mehr von der Stadt übernommen wird.

Ehrenamtliche werden stark strapaziert

„Ich habe die Befürchtung, dass Ehrenamtliche irgendwann genug haben und der ein oder andere Verein dadurch stirbt“, sagt Norbert Möller, Vorsitzender des Sportbundes. Außerdem können die Kosten am Ende nur mit massiv angehobenen Beiträgen ausgeglichen werden. Um das zu vermeiden, laufen die Gespräche mit der Stadtverwaltung weiter. Krailing: „Wir sind sehr dankbar für den offen geführten Dialog.“

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