Christine Skupsch aus Bad Soden berät Eltern

Hochbegabte Kids müssen das Lernen lernen

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Bad Soden – Sie bringen sich mit vier Jahren selbst das Lesen bei oder können als Siebenjährige die Hydraulik von Zügen erklären. Doch Elternberaterin Christine Skupsch weiß: Wenn mit dem Talent hochbegabter Kinder nicht richtig umgegangen wird, kann es auch für sie Sechser hageln. Von Oliver Haas

Christine Skupsch

„Meine vierjährige Tochter diskutiert plötzlich mit mir über die Themen Leben und Tod.“ Diese Aussage einer Mutter an Christine Skupsch könnte ein Indiz dafür sein, dass sie ein hochbegabtes Kind hat. Laut Lehrerin Skupsch aus Bad Soden, die seit 15 Jahren eine Beratungsstelle für Eltern mit hochbegabten Kindern betreibt, zeichnen sich solche Kinder durch Folgendes aus: Schnelle Auffassungsgabe, sehr gutes Gedächtnis und große Wissbegierde. „Wenn eine Fünfjährige wissen will, was denn die Aufgaben der Bundeskanzlerin sind, dann könnte dies auch ein Zeichen für die Hochbegabung sein“, sagt sie. Wichtig sei es, dass durch eine genaue Diagnose festgestellt wird, wo die Stärken des Kindes liegen. Grundsätzlich gilt: Wenn ein Kind beim IQ-Test ein Ergebnis von über 130 erreicht, gilt es als hochbegabt. Das sind etwa zwei, drei Prozent aller Kinder.

Langeweile in der ersten Klasse

„Wenn diese Kinder in die Schule kommen, ist es von Anfang an wichtig, sie zu fördern. Wer vor der Schule bereits lesen und schreiben kann, der langweilt sich in der ersten Klasse“, so Skupsch. Deshalb müssen hochbegabte Kinder stets neue Nahrung für ihr Gehirn erhalten. „Lehrer haben die Aufgabe, dass sie die gesamte Klasse für den Lernstoff mitziehen müssen. Doch in der Grundschule ist die Diskrepanz zwischen den stärksten und den schwächsten Schülern am größten.“ Dies kann zum Beispiel aufgefangen werden, wenn man schwere und leichtere Aufgaben unterschiedlich verteilt und gewissen Kindern mehr Zeit zum lösen gebe.

Wichtig sei es, dass hochbegabte Kinder stets eine Herausforderung brauchen. „Dabei müssen Kinder Erfolgserlebnisse bekommen, die über die reine Note hinausgehen. Je nach Interesse kann das ein Konzertauftritt sein oder ein Wettbewerb oder Wettkampf. Auch diese Kinder brauchen immer Feedback und die gute Note darf nie als selbstverständlich angesehen werden“, erklärt Skupsch.

Hochbegabte bringen oft schlechte Noten nach Hause

Für viele Eltern bricht oft eine Welt zusammen, wenn ihr als hochbegabt getestetes Kind plötzlich schlechte Noten nach Hause bringt. Skupsch: „Am Anfang in der Grundschule verstehen diese Kinder sehr schnell den Lernstoff, ohne dass sie viele Wiederholungen dafür brauchen.“ Kommen diese Kinder zu Beginn ihrer Schulkarriere noch prima damit durch, erleiden sie ab Klasse sechs oft Schiffbruch und wissen nicht, warum sie plötzlich schlechte Noten schreiben. „Diese Kinder haben nie gelernt, richtige Lernstrategien zu entwickeln. Sie wissen nicht, wie man sich in ein Thema rein arbeitet“, erläutert Skupsch. Für eine Fremdsprache müsse aber zum Beispiel die Grammatik gelernt und verstanden werden. Auch komplexe mathematische Aufgaben lassen sich dann nicht mehr nur mit einem guten Gedächtnis lösen. Deshalb könne das Überspringen einer Schulklasse bereits in der Grundschule ein wichtiger Schritt sein. Selbst wenn in der neuen Klasse die erste Note eine vier ist, könne dies eine gute Erfahrung für hochbegabte Kinder sein. „Dann sehen sie, dass sie sich anstrengen müssen, um was zu erreichen. Ich vergleiche dies mit einem Spitzensportler, der zwar viel Talent besitzt, aber ohne regelmäßiges Training keine Erfolge im Wettkampf hat.“

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