Schock nach Studie aus Belgien

Trügerischer Badespaß: Chlor kann Kinder krank machen

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Sommer und Schwimmbad gehören einfach zusammen. Doch laut belgischen Studien ist das Chlor im Badewasser gesundheitsschädlich für Kleinkinder.

Region Rhein-Main – Laut belgischen Studien kann Chlor im Badewasser das Asthma-Risiko erhöhen. Das bestätigen auch Experten in Deutschland. Die Konzentration des Desinfektionsmittels spielt dabei eine entscheidende Rolle. Von Angelika Pöppel

Aus dem feucht-fröhlichen Badespaß ist in der vergangenen Woche in einem Frankfurter Schwimmbad ernst geworden. Rettungskräfte beförderten nach einem Chlorgasalarm alle Badegäste aus dem Hallenbad. 40 Besucher der Titus Thermen klagten im Anschluss über Hustenreiz und juckende Augen. Da liegt die Frage nahe: Wie gefährlich kann das Desinfektionsmittel eigentlich werden? Belgische Studien haben nachgewiesen, dass Chlor bei Kleinkindern sogar Asthma auslösen könne. „Chlor reagiert mit Schmutz, wie Schweiß und Hautschüppchen. Dabei entstehen Nebenprodukte, darunter auch die Chloramine“, weiß Susanne Harpel, Leiterin des krankenhausyhygienischen Labors der Uni Giessen. Umso mehr Schmutz, umso mehr Nebenprodukte werden produziert. Die Chloramine sorgen für die typischen roten Augen nach dem Schwimmbad Besuch. In hoher Konzentration können sie aber auch die Lunge vor allem von Kleinkindern schädigen. Betroffene Kinder würden anfälliger für allergene Stoffe, die Asthma auslösen könnten, heißt es in der Studie.

Die Chlor-Konzentration macht den Unterschied

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Ein Nebenprodukt bei der Chlorung des Wasser ist auch Tetrachlormethan (THM). Es gelangt an die Wasseroberfläche und kann eingeatmet werden. Für THM gibt es deutliche Hinweise auf ein krebserregendes Potential. Doch: „Die Konzentration wird in Deutschland nach DIN extrem niedrig gehalten, so dass keine Gefahr besteht“, sagt Harpel. Allerdings ist die Voraussetzung dafür, dass die Wasser-Aufbereitung einwandfrei funktioniert. In Deutschland müssen sich Eltern keine Sorgen um ihre Kinder beim nächsten Schwimmbadbesuch machen. „Es hat Nachuntersuchungen in deutschen Schwimmbädern gegeben, doch die Werte waren deutlich geringer“, sagt Professorin Ursel Heudorf, Ärztin im Frankfurter Gesundheitsamt. In Belgien wird dem Badewasser rund fünfmal mehr Chlor zugefügt als in Deutschland. „Da greift man sich an den Kopf“, sagt Heudorf. Von einem Schwimmbadbesuch in dem Nachbarland rät die Ärztin daher ab. Und auch diese Länder chloren stärker: Italien gibt ein Milligramm, Gross Britannien ein bis drei Milligramm und Belgien bis zu vier Milligramm Chlor ins Wasser. Zum Vergleich: Am geringsten dosiert Deutschland mit 0,3 bis 0,6 Milligramm freiem Chlor pro Liter.

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