Groß-Zimmnerin macht Politik auch auf wilden Partys

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Catrin Geier schrecken auch umgeschmissene Wahlkampfstände nicht. Die 26-Jährige aus Groß-Zimmern ist an den mäßigen Umfragewerten der SPD wohl am wenigsten Schuld.

Groß-Zimmern – Mit 16 Jahren war sie Schulsprecherin, mit 19 trat sie in die SPD ein. Die inzwischen 26-Jährige Catrin Geier aus Groß-Zimmern ist heute Vorsitzende des Fördervereins der Dieburger Alfred-Delp-Schule und sitzt im Zimmerner Parlament. Von Jens Dörr

„Ich scheue mich nicht davor, mich wählen zu lassen“, sagt die junge Frau. Eine, die sich zwanghaft in den Mittelpunkt drängt, ist Geier deswegen keineswegs. Vielmehr eine, die anpackt. „Mir geht es ausschließlich um das Engagement, ich war nie an Posten interessiert“, betont sie. Es sei jedoch nun mal so, dass man diverse Posten einfach bekleiden müsse, um „etwas zu verändern und zu gestalten“.

Sie muss jederzeit Rede und Antwort stehen

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Also unternimmt die Studentin, die 2011 ihren Magister in Politikwissenschaft machen wird, viel für ihr direktes Umfeld: „Da wird man von Freunden auch schon mal um 23 Uhr an einem Freitagabend gefragt, warum denn eine Straße im Ort gesperrt ist oder eine Verkehrszählung gemacht wird. Doch darüber freue ich mich. Auch wenn es mal kritische Stimmen gegenüber meiner politischen Arbeit gibt.“

Teils heftig attackiert wurde die junge Frau, als sie die Weihnachtsbeleuchtung in Groß-Zimmern reduzieren und der klammen Gemeinde damit 12.000 Euro sparen wollte. Und im Wahlkampf dürfe man sich „bloß nicht die Sinnfrage stellen“, meint die Sozialdemokratin, die viel politische Erfahrung bei ihrer – später auch bezahlten – Tätigkeit im Wahlkreisbüro der ehemaligen Bundesjustizministerin Brigitte Zypries sammelte.

Gerade im letzten Bundestagswahlkampf und beim Einsatz für Andrea Ypsilanti gingen die Reaktionen auf der Straße über das vertretbare Maß hinaus. Auf dem Darmstädter Luisenplatz wurde der SPD der Stand umgeschmissen, Geier auch mal die Flyer aus der Hand geschlagen. Was sie aber weniger schmerzt als etwas anderes: „Mich frustriert die allgemeine Politikverdrossenheit. Vor allem, dass einem die Leute nicht zuhören, für die man sich einsetzt.“

Es gibt kaum noch etwas zu verteilen

Aktuell gehe es jedoch ans Eingemachte: „Jetzt ist mehr zu tun als nur Geschenke zu schnüren. Die finanzielle Lage ist das größte Hindernis. Auf kommunalpolitischer Ebene gibt es kaum noch was zu verteilen.“ Genau dieser immer geringer werdende Gestaltungsspielraum hindere viele Menschen am politischen Engagement, vermutet sie. Ihr eigenes ist immens. „Dennoch habe ich mir mit aller Macht meinen Freundeskreis erhalten“, erläutert Catrin Geier und stellt sich auch bei der wildesten Party jeder politischen Frage.

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