Wenn der Bergfried wieder ruft

Burg Eppstein: Kultführer Peter Frerichs erklärt das Wahrzeichen

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Peter Frerichs (rechts) und sein zweites Zuhause: Die Burg Eppstein, gemeinsam mit Ritter Ulrich.

Eppstein – Peter Frerichs ist eine echte Institution. Seit 25 Jahren führt der Eppsteiner, der im Juli 85 Jahre alt wird, Besucher durch die Burg Eppstein. Auch als Kastellan ist er eingesprungen und geisterte als Burggespenst um die Mauern. Von Dirk Beutel

Sie ist seine Sehnsucht, seine Leidenschaft, seine Passion – die Burg Eppstein. Er kennt jeden Stein, jeden Grashalm: Was für einige nur wie ein zerstörter Haufen Geröll aussieht, bedeutet für Peter Frerichs viel mehr. Das Eppsteiner Wahrzeichen war für den bald 85-Jährigen sogar Grund genug von Frankfurt in den Taunus zu ziehen. Nachdem er mit anderen den Burgverein gegründet hatte, war es ein Zufall, wie der in Eckernförde Geborene zu seiner ersten Führung kam: Vor 25 Jahren sollte er eine Gruppe Amerikaner durch die Burg führen. „Mein Problem war, dass ich zwar deutsch spreche, aber kein Englisch“, sagt Frerichs. Also nutzte der Frischling die amerikanische Vorstellung von deutscher Gemütlichkeit aus. „Deshalb lotste ich die Gruppe am Bierzelt vorbei. Das war die kürzeste Führung, die ich je hatte.“ Trotzdem oder gerade deswegen war von diesem Augenblick an Frerichs der neue Burgführer in Eppstein.

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Ein Crashkurs Ritterlichkeit

Und er führte seine eigenen Regeln ein. Wer mit Frerichs auf die Burg Eppstein geht, kommt nämlich an einem Crashkurs in Ritterlichkeit nicht vorbei. Das gilt vor allem bei Schulklassen. Mädchen müssen als Eintritt einen Knicks üben, die Jungs machen eine Verbeugung. „Das hört sich leicht an, doch gerade den Buben ist das oft zu peinlich“, sagt Frerichs.

Seither hat der gebürtige Norddeutsche viele unbezahlbare Momente in seiner Burg erlebt. Schon als Kind hat sich der Eppsteiner für Ritter und ihre Burgen interessiert. Dazu kam der Einfluss seines Vaters. „Wenn wir etwa spazieren waren, haben wir die Schlacht bei Teuteburg nachgespielt.“

Burggespenst geistert herum

Kindern, denen er die Burg Eppstein erklären will, kommt der ehemalige Straßenbahnschaffner nicht mit nüchternen nackten Zahlen, sondern mit Vergleichen: „Der hohe Bergfried ist rund 25 Meter hoch, der Burgbrunnen ragt um die 24 Meter in die Tiefe“, sagt Frerichs. Und natürlich lässt es sich der Burgführer nicht nehmen, den kleinen Besuchern die Sage von Ritter Eberhard, der einen Riesen überwältigte, um Bertha von Bremthal zu retten, hingebungsvoll zu erzählen. „Noch heute hängt der Oberarm des Riesen in der Burg“, sagt Frerichs mit einem Lächeln. Tatsächlich haben Wissenschaftler bereits bewiesen, dass es sich um diesen großen unförmigen Brocken um den Teil eines Unterkieferknochens eines Wals handelt. „Wie der aber dahin gekommen ist, dass wussten auch die Wissenschaftler nicht“, sagt Frerichs, der auch seine Frau Anneliese, mit der er 59 Jahre verheiratet ist, mit dem Burgvirus angesteckt hat: „Sie war sogar das erste Burggespenst, das es da oben zu sehen gab“, erzählt Frerichs und lacht.

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