Die Kandidaten stellen sich vor

Münster: Wer wird der neue Bürgermeister?

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Die Kandidaten zur Bürgermeister-Wahl in Münster.

Münster - Langweiliger Wahlkampf, langweilige Kandidaten? Für die Bürgermeister-Wahl am 25. Mai in Münster gilt das ganz sicher nicht. Von Jens Dörr

Bürgermeister-Kandidat Udo Beutler.

Gleich vier Männer bemühen sich um die Nachfolge von Christdemokrat Walter Blank, der den Chefsessel im Rathaus nach 18 Jahren aufgibt. Das verspricht nicht nur Spannung, sondern auch aller Voraussicht nach eine Stichwahl am 15. Juni. Vor allem aber: Udo Beutler (CDU), Gerald Frank (SPD), Gerhard Bonifer-Dörr (ALMA – Alternative Liste Münster-Altheim) und Sascha Hollmann (parteilos) haben auch abseits der Lokalpolitik etwas zu erzählen.

Udo Beutler

Udo Beutler (51) gilt als Favorit auf die Blank-Nachfolge – auch wegen des großen Stimmanteils, den die CDU in Münster bei Wahlen in der Regel einfährt. Der verheiratete Vater von drei Kindern, der beim Manroland-Nachfolger in Offenbach arbeitet, bezeichnet sich als „praktizierenden Christ“. Ungewöhnlich: Noch bis vor zwei Jahren, da war Beutler 49, half der Katholik als Messdiener in den Gottesdiensten der Gemeinde mit. Als Bub zog Beutler Kirche und Kindergarten etwas anderes vor: Wer den kleinen Udo suchte, fand ihn meist bei seinem Großvater auf dem Traktor. Bis heute führt Beutler nicht nur das Wort in der Gemeindevertretung, sondern legt auch gern Hand an: Im seinem Haus hat er viel selbst gemacht. Braucht er etwas, baut er es sich einfach selbst – wie einen mannshohe Holzspalter, der jeden Förster beglücken würde. Dank Fitnessstudio bleibt Beutler auch ohne Holzhacken fit.

Gerald Frank

Bürgermeister-Kandidat Gerald Frank.

PD-Mann Gerald Frank (55) ist ein sportlicher Typ. Der verheiratete Vater von Zwillingen – eine Gemeinsamkeit mit Beutler – arbeitet vis-à-vis der Frankfurter Commerzbank-Arena bei der Stiftung Deutsche Sporthilfe. Die 33 Kilometer von Münster nach Mainhattan legt er so oft als möglich mit dem Rad zurück. Frank, an Neujahr geboren und aus Offenbach stammend, wo sein Vater lange Stadtverordneten-Vorsteher war, hat aber auch eine musische Ader. Früher hat er leidenschaftlich fotografiert, natürlich noch analog, und mit Freunden mal lässig, mal theatralisch vor der Linse posiert. Die Gitarre packt er heute am liebsten aus, wenn Frau und Kinder daheim ausgeflogen sind. Die Ruhe nutzt er auch zur Lektüre der neuesten Helmut-Schmidt-Biografie. Und Frank verrät noch einen Traum: Der Hobbymaler träumt von zwei Wochen Urlaub in Südfrankreich – in denen er nichts anderes tun möchte, als mit Öl und Acryl zu malen.

Gerhard Bonifer-Dörr

Bürgermeister-Kandidat Gerhard Bonifer-Dörr

Ein Bücherwurm ist auch ALMA-Kandidat Gerhard Bonifer-Dörr (59) – obgleich er im Wahlkampf-Stress derzeit zu wenig zum Lesen kommt. Der älteste und lokalpolitisch mit der meisten Erfahrung gespickte Kandidat ist Inhaber und Geschäftsführer des Heidelberger Instituts Beruf und Arbeit, hatte mit Partnern einst bis zu 40 feste und 200 freie Mitarbeiter unter sich. Zu den großen Leidenschaften Bonifer-Dörrs gehört das Kochen: Oft schon zwei, drei Tage vor einem Treffen der ganzen Familie schmiedet der verheiratete Vater zweier Kinder und Großvater einer Enkelin ausgiebig Pläne, was am Wochenende auf den Tisch kommen könnte. Oft wird es dann ein Drei-Gänge-Menü. Als Schöffe am Amtsgericht Dieburg spricht Bonifer-Dörr seit fünf Jahren Recht.

Sascha Hollmann

Bürgermeister-Kandidat Sascha Hollmann.

Außergewöhnliche Seiten hat auch der parteilose Kandidat Sascha Hollmann, mit 41 Jahren der jüngste Bewerber, verheiratet und frisch gebackener Vater. Der Mitarbeiter der Agentur für Arbeit wohnt als einziger Kandidat im Ortsteil Altheim. Die Arbeiten an der Fassade seines Elternhauses müssen derzeit warten – im Wahlkampf ist jede Minute knapp. Ohne Partei im Rücken bleibt an Hollmann selbst besonders viel Arbeit hängen. Der Wintergarten ist zur Plakatwerkstatt umfunktioniert, fürs Handwerkliche spannt er seinen Vater ein, fürs Marketing seine Frau. Als er familiär noch ungebunden war, reiste Hollmann mit Rucksack und zwei Freunden durch die Südsee und lernte: „Unglaublich, mit wie wenig man auskommen kann.“ Was er selbstredend nicht als Ansatz für die künftigen Münsterer Verwaltungsausgaben verstanden wissen will.

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