Seit mehr als 20 Jahren ehrenamtlich aktiv

Brigitte Lüben leitet Trauergruppen in Frankfurt

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Gerade im Trauermonat November denken viele an verstorbene Angehörige.

Wenn ein naher Angehöriger stirbt, ist oft nichts mehr, wie es vorher war. Manche meinen die Trauer verbergen zu müssen. Experten wie Brigitte Lüben empfehlen Gespräche in Trauergruppen. Von Norman Körtge

Frankfurt – Brigitte Lüben ist 33 Jahre alt, als sie sich mit ihrer eigenen Endlichkeit befasst. Befassen muss. Diagnose Krebs. Der Krebs wird geheilt. Was bleibt ist die unvergessliche Erfahrung. Jahre später wird die kirchlich engagierte Frankfurterin auf einem Brief aufmerksam gemacht, indem sich eine Witwe bei der Kirchengemeinde darüber beklagt, dass sie sich bis zur Beerdigung gut seelsorgerisch betreut fühlte, danach aber nicht mehr. Das war vor etwa 20 Jahren. Seitdem ist die heute 70-jährige Lüben ehrenamtlich für Trauernde da, bietet unter anderem immer wieder bei der Caritas in Frankfurt Gesprächskreise an.

Gesprächsgruppen sind eine große Hilfe

Brigitte Lüben ist Expterin in Sachen Trauer.

„Es gibt Menschen, die werden alleine mit der Trauer fertig. Der Austausch in einer Gesprächsgruppe ist aber eine große Hilfe“, sagt Brigitte Lüben aus Erfahrung. Denn dort treffen Trauernde auf Trauernde. Menschen, die das Gleiche durchleben. Etwas, dass Außenstehende oft nicht nachvollziehen können. „Für Menschen, die selbst noch keine Trauer erfahren haben, ist es schwer angemessen auf Trauernde zu reagieren und damit umzugehen“, berichtet Lüben. Das gut gemeinte Angebot, „Du kannst mich jederzeit anrufen“, verfängt oft nicht. „Viel besser sind konkrete Angebote“, meint Lüben. Als Beispiele nennt sie eine Einladung zum Essen, zum Kaffeetrinken oder auch ein gemeinsamer Besuch beim Grab.

Identitätsfindung nach Tod des Lebenspartners

Gerade wenn ein langjähriger Lebenspartner stirbt, haben Trauernde oft mit ihrer Identität zu kämpfen. „Man hat sich über ihn definiert, Selbstbewusstsein aufgebaut. Und jetzt ist man nur noch halb da, fühlt sich nicht mehr vollwertig“, versucht Lüben diese Krise zu beschreiben. Anders sieht es aus, wenn der eigene Vater und die eigene Mutter sterben. Da werde meist die eigene Kindheit stark reflektiert. In beiden Fällen neigen Trauernde dazu, die Vergangenheit zu idealisieren: „Dabei war mit Sicherheit nicht alles gut.“

Genaue diese ganzen Gefühle und das innere Chaos in einer Gruppe benennen zu können, ist der große Gewinn eines Gesprächskreises, von denen Lüben schon zahlreiche geleitet hat. „Über das Sprechen eine innere Klarheit bekommen“, fasst die Frankfurterin zusammen, wobei sie auch gerne Texte verteilt, in denen sich Trauernde wiederfinden können.

Teilnahme kostet Kraft und Überwindung

Brigitte Lüben weiß, dass die Teilnahme an einem Gesprächskreis zunächst große Überwindung und auch Kraft kostet. Aber die dort zu findenden Gemeinsamkeiten, aber auch die unterschiedliche Wege, sind eine Bereicherung. „Viele entdecken ganz neue Seiten an sich“, sagt Lüben. Gerade Frauen, die vieles immer ihren Mann haben machen lassen – wie Bankgeschäfte oder Besuche in der Autowerkstatt – was sie auch alles selber können.

Auf jeden Fall sei es für den Einzelnen immer eine immense Herausforderung, mit der Trauer Leben beziehungsweise umgehen zu können – nicht umsonst heißt es Trauerarbeit, so Lüben.

Viele Kirchengemeinden und karitativen Einrichtungen bieten Gesprächskreise an. Zum Beispiel die Caritas in Frankfurt. Infos unter Telefon (069) 2982402.

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