Brennende Solardächer bergen tödliches Risiko

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Solch einen Fall gab es in Frankfurt noch nicht: Ein Bremer Solar-Dach geriet in Brand. Für Feuerwehrleute ist das eine besondere Gefahr.

Frankfurt – Die Zahl der Photovoltaikanlagen im Stadtgebiet Frankfurt wächst stetig. An einem sonnigen Tag erzeugen sie 40.000 Kilowatt Strom. Gerät ein Haus mit einer solchen Anlage in Brand, kann das für Feuerwehrleute zur tückischen Falle werden. Denn Solaranlagen stehen unter hoher Spannung. Kommt diese mit dem Wasserstrahl in Berührung, besteht die Gefahr eines tödlichen Stromschlags. Von Jennifer Dreher

„Selbst, wenn die Zellen durch den Hauptschalter vom Netz getrennt werden, hören die Solarelemente nicht auf, Strom zu erzeugen“, weiß Klaus Tönnes von der Feuerwehr Frankfurt. Um diesen Problem entgegenzuwirken, hat die Bonner Firma Eaton einen „PV-Feuerwehrschalter“ entwickelt, den sie im Juni auf der Messe Intersolar in München vorgestellt hat. Denn Eaton warnt: „Für die Einsatzkräfte besteht im Brandfall die Gefahr, aufgrund beschädigter Leitungsisolierung einen Stromschlag zu erleiden. Denn bereits ab 120 Volt Gleichstrom kann es zu lebensgefährlichen Körperdurchströmungen kommen.“

Bisher noch kein brennendes Solar-Dach in Frankfurt

Erprobt im Einsatz bei brennenden Häusern mit Solaranlagen ist die hiesige Feuerwehr nicht. „In Frankfurt ist bisher noch keines in Brand geraten“, berichtet Tönnes. Anders im Norden der Republik: In Ostfriesland ließ die Feuerwehr ein Haus kontrolliert abbrennen. Die Gefahr für die Einsatzkräfte wurde als zu hoch eingestuft. Das könnte auch Frankfurter Hausbesitzern drohen.
„Letztlich muss von Fall zu Fall entschieden werden. Es gilt, mit dem Wasserstrahl die vorgeschriebenen Mindestabstände einzuhalten. Die gelten für alle unter Spannung stehenden Objekte, wie zum Beispiel auch Straßenbahnleitungen. Besteht allerdings berechtigte Sorge um die Sicherheit unserer Feuerwehrleute, ist ein kontrolliertes Abbrennen denkbar“, erwägt Tönnes. Dabei würde aber zumindest ein Übergreifen des Feuers auf die Nachbarhäuser verhindert werden können. Aber wenn noch Personen im brennenden Haus seien, würden wir eher das Risiko eines Stromschlags eingehen, um Leben zu retten, sagt Tönnes.

An die  Sicherheit denken, bevor es zu spät ist

Er appelliert an die Hauseigentümer: „Der Staat lässt den Bauherren immer mehr Freiheiten, was den Brandschutz angeht. Sie sollten besser ein paar Euro mehr für Abschaltmodule an den Solarzellen ausgeben. Auch wenn es nie eine hundertprozentige Sicherheit gibt.“

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