Ein Boxer kämpft für sein Bundesverdienstkreuz

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Manfred Wegner, auch bekannt als der Rocky von Niederrad, wäre stolz auf die Auszeichnung durch den Bundespräsidenten. Doch die bleibt ihm verwehrt.

Frankfurt – Manfred Wegner ist 79 Jahre alt. In seinem Leben hat der Frankfurter nicht nur viel erlebt, sondern auch viel für das Allgemeinwohl getan. So viel, dass er fürs Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen wurde. Doch nun die Enttäuschung. Er wurde abgelehnt. Von Norman Körtge

1987 bekam Manfred Wegner im Römersaal des Frankfurter Römers den Hessischen Ehrenbrief für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement verliehen. Nicht nur seine Arbeit in der Boxabteilung von Eintracht Frankfurt, in der er Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Frauen wie Männer trainierte, wurde damit gewürdigt. Auch sein Mitwirken in der Jugendfußballabteilung von Union Niederrad wurde hervorgehoben. Zudem baute der Vater von drei Töchtern und einem Sohn ein Frauenfußball-Team auf – zu einer Zeit, als das ganze noch sehr belächelt wurde. „Ich gehörte zu den Pionieren“, erzählt er.

Damals, 1987 im Römersaal, habe Stadtrat Peter Rhein zu ihm gesagt, dass er ihm auch gerne das Bundesverdienstkreuz überreicht hätte, aber dafür sei es noch zu früh. „Das hat mich irgendwie auch motiviert, weiter zu machen und nicht nachzulassen“, erzählt Wegner.

Auch heute, mit 79 Jahren, ist er immer noch Box-Trainer. Er selbst weiß natürlich, wie er sich verteidigen kann. Er kennt aber auch die vielfältigen Gefahren, die auf der Straße lauern können. Deshalb ist er bereits seit vielen Jahren auch aktives Mitglied in der Kriminalitätsopferhilfe Weißer Ring und sieht sich selbst als Vorbild in Sachen Zivilcourage.

Wegner rettete Kriegsgefangene vor dem Bombentod

Ein wenig resultiert dies auch aus seiner eigenen Lebensgeschichte. In Erinnerung geblieben ist ihm die Bombennacht am 24. März 1944. Er war bereits im sicheren Bunker in der Ackermannstraße, als von außen heftig gegen die Tür getrommelt wurde. Es waren russische Kriegsgefangene. „Ich habe gegen den Befehl die Tür geöffnet und sie reingelassen“, erzählt er. Als Held habe er sich deshalb nicht gefühlt. Im Gegenteil: Nur mit Glück und weil sein Vater NSDAP-Mitglied war, landete Wegner dafür nicht im Gefängnis.

Der nette Kerl von nebenan war Wegner allerdings nicht immer. „Ich war ein böser Bub, ein Straßenschläger“, bezeichnet er sich selbst in seiner Jugend. Erst, als er im Günthersburgpark auf einen ausgebildeten Boxer traf, der ihn mit Technik und nicht mit einfachem Draufhauen den Schneid abkaufte, kam er zum Boxsport.

Als ihn der Frankfurter CDU-Landtagsabgeordnete Alfons Gerling jetzt für das Bundesverdienstkreuz vorschlug, war der 79-Jährige stolz. Es wäre die Krönung seines Lebens gewesen. „Meine Familie freute sich für mich“, berichtet er.

Staatskanzlei ubnd Bundespräsidialamt weigern sich

Aber dann die Ernüchterung. Gerling musste Wegner vor kurzem mitteilen, dass sein Vorschlag abgelehnt wurde. „Nachvollziehen kann ich es nicht“, sagt Gerling. Auf Nachfrage des EXTRA TIPPs in der Hessischen Staatskanzlei und beim Bundespräsidialamt wird auf die gebotene Verschwiegenheit in Ordensangelegenheiten verwiesen. Gerling muntert auf: „Ich hoffe, dass er auch ohne Orden weiter so stark ehrenamtlich engagiert ist.“

Daran lässt Wegner auch keinen Zweifel. Was bleibt ist aber Kopfschütteln, wenn er hört, dass beispielsweise Eurovision-Song-Contest-Siegerin Lena für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen wird oder Emeka Okoronkwo, der Anfang Mai im Frankfurter Bahnhofsviertel erstochen wurde (der EXTRA TIPP berichtete), als er sich schützend vor zwei bedrängte Frauen stellte. „Totschlagen lasse ich mich für das Bundesverdienstkreuz nicht“, sagt er.

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