Hier liegen noch Fliegerbomben

Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg immer gefährlich

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Dieser Zehn-Zentner-Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg wurde 2013 in Bayern gefunden. Die selbe Größe hatte die Bombe, die vor wenigen Wochen bei Bauarbeiten an der A3 entdeckt und kontrolliert gesprengt wurde.

Region Rhein-Main – Der kürzliche Fund einer Zehn-Zentner-Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg an der A3 hat gezeigt, wie nah die Gefahr wirklich ist. Und Experte Gerhard Gossens weiß, wo mehr Blindgänger lauern. Von Angelika Pöppel 

Jeder Zeit könnte eine alte Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg irgendwo in der Region hochgehen. Jeder Zeit könnte die ungeheure Sprengkraft eines einzelnen Blindgängers alles im Umkreis von bis zu 30 Metern dem Erdboden gleich machen. Und auch die vor wenigen Wochen gefundene Sprengbombe an der A3 „hätte jeden Moment explodieren können“, weiß Gerhard Gossens vom hessischen Kampfmittelräumdienst. Und er weiß auch, wo weitere Bomben liegen könnten. Doch: „Das ist streng geheim.“

An Autobahnen und über Städten bevorzugt abgeworfen

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Allgemein gilt: Autobahnen und Städte waren ein viel bombardiertes Ziel im Zweiten Weltkrieg. „Immer wenn Neubaugebiete erschlossen oder Autobahnen ausgebaut oder saniert werden, ist das Risiko hoch, auf einen Blindgänger zu stoßen“, sagt Gossens. Deshalb müssen sich Bauherren informieren, ob sie in einem gefährdeten Gebiet bauen. Denn der Kampfmittelräumdienst verfügt über genaue Luftbilder, die zeigen, über welchen Gebieten Bomben explodierten. Wurden über einem Grundstück Fliegerbomben abgeworfen, können auch Blindgänger zurück geblieben sein. Vor Baustart muss der Boden in so einem Fall untersucht werden.

Doch: Explodieren können die Überbleibsel auch ohne Erschütterungen durch Baukräne oder Arbeiter. Da die Empfindlichkeit des Zünders und der Sprengstofffüllung durch die Alterung noch zunehmen kann, werden die Blindgänger von Jahr zu Jahr gefährlicher.

Zünder und Sprengstoff immer empfindlicher

Jährlich werden in Hessen alleine 120 Tonnen Munition gefunden und 40 bis 60 Blindgänger entdeckt, weiß Gossens. „Es lässt sich auch nicht abschätzen, wann die letzte Bombe gefunden werden wird.“

Wenn Bauarbeiter auf ein gefährliches Überbleibsel stoßen, rollt der Experte mit seinen Kollegen an. Bei der Entschärfung versucht das Team, den Zünder zu entfernen, damit die Bombe transportfähig wird. Wenn das nicht funktioniert, muss die Bombe kontrolliert gesprengt werden – wie im Fall der Zehn-Zentner-Bombe an der A3. Die Entschärfung ist allerdings heute, wie noch vor 30 Jahren genauso gefährlich. Trotzdem arbeiten seine Kollegen immer im Team. „Alleine ist das nicht möglich.“ Und so kam es erst vor drei Jahren zu einem tragischen Vorfall. Bei der Entschärfung einer ebenfalls zehn Zentner schweren Sprengbombe in Göttingen kamen drei seiner Kollegen ums Leben. „Das bleibt im Gedächtnis haften“, sagt Gossens. Und deshalb ist für ihn keine Entschärfung reine Routine.

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