Ramona Gelber ist auf dem Weg zur Pastorin

Blinde Predigerin verzückt Babenhäuser Christen

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Die blinde Vikarin Ramona Gelber ist auf dem Weg zur Pastorin und kommt bei den Babenhäuser Christen gut an.

Babenhausen – Sie sieht nicht, zu wem sie spricht – doch ihr Wort baut Brücken: Ramona Gelber ist blind und seit einigen Wochen neue Vikarin der Freien Christengemeinde Gospelhaus in Babenhausen und damit auf dem Weg zur Pastorin. Von Jens Dörr 

Trotz ihres Handicaps – Ramona Gelber ist von Geburt an blind, kann lediglich helle und dunkle Lichteinflüsse, Schatten und Farben erkennen – ging sie immer auf die Regelschule, machte lediglich an der Marburger Blindenschule ihr Fachabitur mit Schwerpunkt Sozialwesen. Mit dem Christentum kam sie zunächst durch die „klassische“ Evangelische Landeskirche in Berührung: „Dort habe ich viel von der Bibel gehört.“ Statt der Lektüre der Heiligen Schrift setzte Gelber zunächst aufs Hörbuch. „Inzwischen gibt es die Bibel auch in Blindenschrift.“

Die Bibel als Hörbuch

Mit 18 Jahren begann in Sachen Zukunftsplanung ein Umdenken. „Im Studium habe ich gemerkt, dass es die Theologie ist, die mich anspricht.“ Ihre Zuwendung zu den freichristlichen Gemeinden – deutschlandweit gibt es 750, darunter 75 in Babenhausen, das sich vor 30 Jahren an die Pfingstbewegung anschloss – begründet sie vor allem in der Form des Gottesdiensts: „In unserer Gemeinde gibt es keine Liturgie, die zwingend eingehalten werden muss – nicht einmal beim Abendmahl.“ Musikalisch dominieren statt Orgelklängen auch mal Rock und Pop. „Unsere Songwriter leben noch“, meint der Pastor der Gemeinde David Jocham.

Für Gelber sei nichtsdestotrotz entscheidend: „Die Grundlage muss stimmen. Das Wichtigste ist der Glaube an Jesus Christus, sein Leben und Sterben.“ Alles andere sei eine „Stilfrage“. Mit ihrem persönlichen Stil kommt die Vikarin in Babenhausen jedenfalls gut an, was auch Pastor Jocham herausstellt: „Mich beeindrucken ihre Auffassungsgabe, ihr Scharfsinn und ihr Gespür für den Menschen. Trotz ihres Handicaps strahlt sie immer Lebensfreude aus und hat viel Humor. Zudem ist sie eine hervorragende Predigerin.“

Gelber versucht Menschen einzubeziehen

Die Worte an die Gläubigen bereitet Gelber auf ihrer Braillezeile vor – einen Computergerät das Inhalte in Blindenschrift darstellt. „Auch wenn ich die Menschen nicht sehen kann, gucke ich aus Wertschätzung immer in verschiedene Richtungen.“ Am Anfang sei das für die Gemeinde sehr „interessant“ gewesen. „Inzwischen ist meine Blindheit aber kein Thema mehr.“ Sie selbst, die statt eines Blindenhunds Meerschweinchen besitzt, macht es ihren Mitmenschen dabei leicht – und scherzt: „Ich gucke immer nach vorn.“

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