Blinde fassen Leichen in die Eingeweide

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Die Körperwelten-Ausstellung zeigt auch diese Plastinate.

Offenbach – Die Augen blinder Menschen sind ihre Hände. Doch wer hat schon mal ein Herz, eine Lunge, eine Leber befühlt? Von Christian Reinartz

Während Sehende Fotografien im Biologiebuch betrachten können, ist das Innere des menschlichen und tierischen Körpers für Blinde seit jeher ein Mysterium. Doch damit ist jetzt Schluss. Offenbacher Blinde legen Hand an die Leichen der Körperwelten-Ausstellung, Kaiserstraße 39, und befühlen deren Innereien.

Der menschliche Körper ist für Blinde ein Mysterium

Ein blinder Junge befühlt ein Knie.

„Die Nachfrage ist riesig“, sagt Oliver Diaz vom Körperwelten-Team. Er koordiniert die Führungen für Blinde und Sehbehinderte. Dabei erklären Mediziner den Blinden genau, was sie gerade anfassen. Für Margarete Röder von der Blinden- und Sehbehindertenvereinigung Offenbach ist das Angebot der Körperwelten-Ausstellung ein Angebot, dass sie nicht ausschlagen will. „Wann bekomme ich denn noch einmal die Möglichkeit, zu fühlen, wie ein Körper von innen ist“, sagt Röder, die schon im Alter von drei Jahren erblindete: „Ich gehe da aber mit gemischten Gefühlen hin, schließlich fasst man da echte Leichen an.“ Zwar startet die nächste Blindenführung am morgigen Montag, aber „da sind schon alle Plätze voll“, sagt Diaz. Deshalb gibt es nun einen Zusatztermin am 6. Juni. „Und wahrscheinlich noch einen weiteren“, so Diaz.

Wer Interesse an den Führungen für Blinde hat kann sich unter  (069) 80085449 oder per Mail o.diaz@bw.plastination.com anmelden.

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