Wo bleiben die Bufdis?

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Bundesfamilienministerin Kristina Schröder wirbt persönlich für den Bundesfreiwilligendienst.

Region Rhein-Main – Auf Wiedersehen Zivis, jetzt kommen die Bufdis. So wünscht es sich Bundesfamilienministerin Kristina Schröder. In einem Monat startet der Bundesfreiwilligendienst. In der Region gehen die Zivildienstsstellen  unterschiedlich mit der Herausforderung um. Von Norman Körtge

„Wir haben am Dienstag unseren letzten Zivi verabschiedet“, erzählt Jörg Rupp, Vorsitzender der Reinheimer Bürgergemeinschaft für Behinderte. Vor etwa einem Jahr, als die ersten Diskussionen über die Aussetzung der Wehrpflicht und den damit verbundenen Wegfall des Zivildienstes aufkeimten, war dies für Rupp und seine Mitstreiter noch ein denkbar schlechtes Szenario. Denn ohne Zivi drohte dem Fahrdienst für behinderte und alte Menschen das Aus.

Vom geplanten Bundesfreiwilligendienst, der wie der Name es sagt, auf reiner Freiwilligkeit beruht und keine Pflicht mehr für Wehrdienstverweigerer ist, erhoffte sich Rupp nicht viel. Denn als berufsvorbereitende Maßnahme oder für Idealisten bietet die Reinheimer Stelle nur bedingt Reize: „Bei uns kann man nur Autofahren“, bringt es Rupp auf den Punkt. Deshalb hat die Bürgergemeinschaft einen mutigen Schritt gewagt und frühzeitig komplett auf Ehrenamtliche umgestellt. 20 sind es mittlerweile an der Zahl, berichtet der Vorsitzende stolz.

Einziger Wermutstropfen: Die Fahrten können nicht mehr umsonst angeboten werden. Für eine Fahrt innerhalb Reinheims müssen 2,50 Euro gezahlt werden.

Mit solchen Plakaten wird um Bundesfreiwillige geworben.

Eine große Schwemme an Bundesfreiwilligen erwarte Josef Bonn, Personalleiter des DRK-Kreisverbandes Offenbach, nicht. Allerdings habe das Deutsche Rote Kreuz in den vergangenen Jahren bereits die Zahl der Zivildienstleistenden stark runtergeschraubt – vor allem im Rettungsdienstbereich. „Das hatte bei uns schon mit der Reduzierung der Zivildienstzeit auf neun Monate begonnen“, berichtet er. Das sei kein einfacher Prozess gewesen, aber es habe letztendlich funktioniert.

Mit Bewerbungen sieht es mau aus

Auch der Arbeiter-Samariter-Bund Mittelhessen mit Sitz in Offenbach hat mit der Verkürzung der Zivildienstzeit schrittweise die Plätze reduziert. Zirka 65 Zivildienst- und Freiwilliges-Soziales-Jahr-Plätze sind in der Region zu vergeben. Aber: „Mit Bewerbungen für den Bundesfreiwilligendienst sieht es sehr mau aus“, sagt Johannes Fellner, Bereichsleiter Soziale Dienste. Kurzfristig könne der ASB die Nichtbesetzung mit geringfügig Beschäftigten auffangen, doch das sei kein Konzept für die Zukunft, so Fellner. Zwar müsse von Bereich zu Bereich – also von Essen auf Rädern bis hin zum Krankentransport – die Sache differenziert betrachtet werden, aber der Kostendruck wird steigen. Sprich: Es wird teurer.

Von dem Bundesfreiwilligen-Konzept, das für alle Altersgruppen offen ist, verspricht sich Fellner persönlich nicht viel. „Es gibt ältere Menschen, die sich gerne und viel ehrenamtlich engagieren. Aber das machen sie ohne Vertrag“, meint er. Zudem bemängelt er, dass die Politik nur wenig Zeit zum Umdenken gelassen habe. Seine Hoffnung: Junge Menschen, die nicht sofort einen Studien- oder Ausbildungsplatz finden und deshalb etwas Sinnvolles machen wollen.

"Wir erwarten ein spannendes Jahr"

Dass dies die Entscheidung zu einem Freiwilligendienst leichter macht, hat auch Sandra Schollmeyer, Fachberaterin Freiwilligendienste und Zivildienst im Diakonischen Werk in Hessen und Nassau (DWHN) – Träger von zahlreichen Krankenhäusern, Alten- und Behindertenheimen im Rhein-Main-Gebiet – beobachtet. Von Engpässen geht man im DWHN deshalb nicht aus. Der Wegfall des Zivildienstes sei schon lange vorhersehbar gewesen, so dass sich die meisten Einrichtungen rechtzeitig umorientiert hätten. Dennoch sei abzuwarten, wie viele junge Menschen sich für den Bundesfreiwilligendienst insgesamt interessieren. „Wir erwarten ein spannendes Jahr“, sagt deshalb Schollmeyer. Der Beratungsbedarf bei den Bewerbern für den Bundesfreiwilligendienst sei allerdings noch hoch, so die Fachberaterin. 250 Plätze für ein Freiwilliges Soziales Jahr und 75 für den Bundesfreiwilligendienst hat das DWHN im Angebot.

Dass es Engpässe geben wird, glaubt allerdings Manfred Oschkinat, Referent für Bildung und gesellschaftliche Verantwortung im evangelischen Dekanat Kronberg. „Den Automatismus von nachrückenden Zivildienstleistenden wird es nicht mehr geben“, sagt er. Um zu beurteilen, wie es in den einzelnen Kirchengemeinden im Taunus aussieht, sei es aber noch zu früh.

Infos zum Bundesfreiwilligendienst unter www.bundesfreiwilligendienst.de sowie bei Einrichtungen direkt. Das Diakonische Werk informiert unter www.fsj-dwhn.de oder unter (069) 7947273.

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