Sie blasen den Schotten den richtigen Marsch

Frankfurt – Er ist laut, sieht schräg aus und gilt nicht unbedingt als klassisches Musikinstrument. Der Dudelsack ist das schottische Nationalinstrument. In Frankfurt spielt seit über 35 Jahren die besten Band außerhalb der britischen Insel, die ihre Klasse bei Wettkämpfen beweisen muss und auch Offenbacher mitspielen lässt. Von Andreas Einbock

Der 50-Jährige organisiert die Auftritte und lernt die Spieler der B-Band an, versucht sie an das Niveau der Besten in der A-Band heranzuführen. Schließlich müssen die „ Clan Pipers “, die 1974 die erste deutsche Pipe-Band waren, jedes Jahr ihre Klasse bei Wettkämpfen beweisen. „Wir sind kein Trachtenverein, der im Kilt läuft und Whisky trinkt“, betont Walther und verweist auf Bandmitglieder, die aus Wiesbaden, Mainz, Gießen und Koblenz zum Training kommen.

Atmen, Drücken und die richtigen Töne treffen: Andreas Leim spielt konzentriert den original schottischen Great Highland Dudelsack.

Immerhin spiele die erste Formation der Band als einzige deutsche Formation in der der Kategorie Drei A, die jedes Jahr vor dem Weltverband „Royal Scottish Pipe Band Association“ verteidigt werden müsse. „Du musst beim dritten Schlag schon auf der nächsten Note sein“, ermahnt der Dudelsack-Lehrer Andreas Leim und tippt auf den Zeiger des Metronoms. Der Offenbacher kam durch einen Kurs an der Musikschule vor elf Jahren zum selbstklingenden Rohrblattinstrument. „Ich kannte keine Noten, nicht mal Blockflöte konnte ich spielen“, erinnert sich der Maschinenschlosser.

Atmen, Drücken, Spielen

Ein Jahr dauerte es, bis er die Grundabläufe von Atmen, Drücken, Spielen und Marschieren beherrschte. Ein paar Ausgaben waren ebenfalls nötig: Etwa 1000 Euro kostet ein gutes Instrument, nochmal so viel die maßgeschneiderte Kleidung. „Ich hätte viel früher mit dem Dudelsack anfangen sollen. Denn es fehlen ja noch die Jigs und Reels. Aber diese schnelleren Tänze bekomme ich bestimmt nicht mehr hin“, sagt der 50-Jährige, der in der B-Band Kategorie Vier spielt. Inzwischen hat sich die geteilte Gruppe wieder zusammengefunden. Wie alle anderen packt auch Leim seine Vorspiel-Flöte ein und die Great Highland Bagpipe aus. Der original schottische Dudelsack besteht neben einer Melodieflöte aus einem wasserfesten Neoprensack, der mit einem Stoffüberzug in den Vereinsfarben geschützt wird, sowie aus einem Anblasrohr und drei Bordunpfeifen für die hohen und tiefen Töne, die bis zu 120 Dezibel und somit die Lautstärke eines Verkehrsflugzeugs erreichen.

Bis zu 120 Dezibel laut

Die Clan Pipers in ihrer handgefertigten Wettkampfkleidung.

Ihr Können durften die Clan Pipers schon vor erlesenem Publikum präsentieren. „Vor zwei Jahren haben bei André Rieu mit hundert anderen Pipern in Paris gespielt“, sagt Leim, dessen Frau bei den Trommlern der Gruppe spielt. Mit großen und kleinen Drums um den Bauch gebunden kommen zehn weitere Bandmitglieder in den Saal. Nachdem alle ihre Position gefunden haben, ertönt ein kräftiges Kommando: „Pipes and Drums, Ready, Quick, March“. Kräftig und lautstark schmettert das neue Wettkampf-Medley aus vier Liedern durch den Saal. Live zu hören ist das Stück bei uns im Video (siehe oben).

Weitere Information sowie Buchungen unter: www.clanpipers.de

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