Kommentar zum Bildungssystem

Ehrliche Malocher aufwerten

Redaktionsleiter Axel Grysczyk

In der Ausbildungswelt haben sich die Rahmen komplett verschoben. Als Franz Josef Strauß 1963 bei einer Veranstaltung in Regensburg im Studentenmilieu brüllte „Haben Sie überhaupt Abitur?“, da hatte dieser Schulabschluss nicht nur Wert, er zeichnete eine Person aus. Kommentar von Axel Grysczyk

In der Gegenwart ist das Abitur keine Auszeichnung mehr, sondern lediglich ein Nachweis. Den man braucht, um einen Bachelor-Studiengang zu beginnen. Dieses Studium hat mit dem eigentlichen Sinn des Studiums (Studium von „studere“ gleich „sich widmen“) wenig zu tun. Es ist eine verschulte Weiterführung einer an Qualität abnehmenden Schulbildung, die mit einem weiteren Nachweis endet. Für viele Schüler ist das Abitur ein Muss, weil die mittlere Reife zunehmend an Wert verliert. Darauf haben wiederum die Ausbildungbetriebe reagiert und stellen immer häufiger Auszubildende mit höheren Schulabschlüssen ein.

Das alles hat Folgen: Der Hauptschulabschluss gilt heutzutage gar nichts mehr, mittlere Reife hat weniger Wert, viele Schüler streben das Abitur an und 20 bis 25 Prozent der Bachelor-Studenten brechen ihr Studium ab. Und das Handwerk, wie viele andere Betriebe die praktische Berufe bieten, suche händeringend Nachwuchs. Wann zieht in der Schule und in der Beratung junger Menschen endlich wieder die Realität ein? Es muss jungen Menschen endlich wieder klargemacht werden, dass sie mit ihren Fähigkeiten für viele Berufswege nicht geeignet sind. Ehrliche Malocher und ihre Arbeit müssen im Gegenzug wieder aufgewertet werden. Damit der Rahmen in der Ausbildungswelt wieder ins Lot kommt.

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