Wut auf Kapitalismus kostet Millionen

Bilanz nach Blockupy-Demo zur EZB-Eröffnung

+
Demonstranten haben rund um die EZB Feuer gelegt.

Frankfurt  - Schwarzer Rauch, brennende Autoreifen, Vermummte randalieren mit Reizgas  und mit Steinen bewaffnet in der Innenstadt: Eine Bilanz der Zerstörungswut  gewalttätiger Demonstranten  zur EZB-Eröffnung  in Frankfurt. Von Angelika Pöppel   

Absoluter Ausnahmezustand herrschte am Mittwoch in Frankfurt. Schwarze Rauschschwaden stehen über der Stadt, Barrikaden und Polizeiwagen brennen, Anwohner haben sich zu Hause verkrochen: Zur Eröffnung der Europäischen Zentralbank (EZB) zogen nicht nur 17.000 friedliche Anhänger der Blockupy-Bewegung durch die Stadt – unter ihnen waren auch Randalierer, die einen Ort der Verwüstung hinterließen. Die Aktivisten zogen hemmungslos durch die Straßen, warfen Fensterscheiben ein, besprühten Hauswände mit Anti-EZB-Parolen, setzten Steine und Reizgas gegen die Polizei ein. Die Feuerwehr musste allein rund 50 Mal ausrücken, mehrere Autos wurden abgefackelt – auch ein vollbesetzter Polizeiwagen.

Polizei geht von geplanten Ausschreiten aus

Nichts war vor den Vermummten sicher: Haltestellen, Telefonzellen und Mülltonnen wurden zerstört. Die Fensterfront der Frankfurter Sparkasse an der Hanauer Landstraße ähnelt am nächsten Tag einem Flickenteppich. Höhepunkt: Die Randalierer stecken vor den Augen der Beamten mehrere Polizeiwagen  vor dem 1. Polizeirevier auf der Frankfurter Zeil in Brand und versuchen vergeblich das Revier zu stürmen. „Der Schaden durch die Krawalle bei den Blockupy-Protesten geht in die Millionenhöhe“, sagte der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill  am Donnerstag. Die Ausschreitungen seien vorbereitet, organisiert und gesteuert gewesen und keinesfalls spontan entstanden. Insgesamt 26 Aktivisten habe die Polizei im Verlauf der Proteste festgenommen. Laut Polizei seien dabei rund 150 Polizisten verletzt worden. Das kapitalismuskritische Blockupy-Bündnis spricht von mehr als 200 Verletzten auf Seite der Demonstranten. Ziel der auch aus Europa anreisenden Randalierer war eine Stilllegung der EZB an diesem Tag.

Video: Angriff auf 1. Polizeirevier

Blockupy distanziert sich nicht von den Gewalttätigen

Frankfurts Stadtrat Markus Frank  sagte im Vorfeld: Es sei beabsichtigt den „kapitalistischen Arbeitsalltag in der Wirtschafts- und Finanzmetropole lahmzulegen“. Das haben sie definitiv geschafft. Die eigentlich friedliche Blockupy-Bewegung verfolgt zwar ganz andere Ziele, distanziert sich aber nicht klar von den Gewalttätigen. „Das war nicht alles so, wie wir es in Blockupy geplant haben, wie wir es vereinbart haben. Manches habe ich mit Entsetzen gesehen”, sagte Ulrich Wilken vom Blockupy-Bündnis. Zugleich habe er Verständnis für die Wut der Menschen. Das Bündnis Blockupy wollte die Eröffnungsfeier zum „großen Protesttag gegen die Krisenpolitik der Troika“ aus EZB, Internationalem Währungsfonds  (IWF) und Weltbank machen. Tausende protestierten dafür friedlich auf dem Römerberg. Die Eskalationen sorgten allerdings für mehr Aufmerksamkeit. Von allen Seiten hagelte es Kritik: „Der DGB Frankfurt verurteilt die Gewaltattacken aufs Schärfste“, so Harald Fiedler, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbunds in Frankfurt. „Diejenigen, die dies zu verantworten haben, haben nicht nur Menschen und Sachen geschädigt, sondern auch die Anliegen von friedlich demonstrierenden Kritikern mit Füßen getreten.“

Rücktritt von Thomas Occupy gefordert

Noch schärfer formuliert es die AfD und fordert sogar ein „Verbot aller Blockupy-Demonstrationen, solange keine klare Abgrenzung zu Gewalttätern erfolgt“. Die SPD-Fraktion im Frankfurt Römer fordert den Rücktritt von Sprecher Thomas Occupy. Mit der aus der Luft gegriffenen Begründung, die Gewalt sei von der Polizei ausgegangen, habe sich Thomas Occupy selbst diskreditiert, schreibt die SPD in einer Mitteilung. Auch die Frankfurter CDU kritisiert die Blockupy-Spitze: Organisatoren müssen sich schon vorhalten lassen, ein Klima der Gewalt mit begünstigt zu haben, sagt Kreisvorsitzender Uwe Becker. Auch in den sozialen Netzwerken wurde hitzig diskutiert. Viele zeigten wenig Verständnis für die Zerstörungswut. Lob gab es allein für den Einsatz der Polizei.

Bilder von den Krawallen

Autos brennen zur EZB-Eröffnung

Mehr zum Thema

Kommentare