„Bienenretter“ von der UN ausgezeichnet

Nicht nur Honig in Gefahr! Frankfurter locken Bienen in die Stadt

Christian Bourgeois ist selbstständiger IT-Fachmann und sieht seine Engagement als Bienenretter auch als willkommenen Ausgleich. Foto:

Region Rhein-Main – „Wenn die Biene von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben“, sagte einst Albert Einstein. Die Frankfurter Bienenretter wollen dies verhindern. Etwa mit einer Saatgutaktion. Dafür gibt´s jetzt eine Auszeichnung der UN. Von Oliver Haas 

Wenn die Bienen alle weg sind, gibt es keinen Honig mehr. Dann essen wir eben Nutella“. Oft hört Gerlinde Brück vom Projekt Bienenretter diese Antwort von Kindern, denen sie die Wichtigkeit des Insekts erklärt. Die Honigbiene liegt den Frankfurtern aber am Herzen. Seit vergangenem Jahr wollen die Bienenretter auch der Wildbiene unter die Flügel greifen. Denn: „Das größte Problem sind vor allem die Monokulturen auf dem Land. Raps etwa blüht zwar drei Wochen lang sehr toll aber danach überhaupt nicht mehr“, sagt Christian Bourgeois von den Bienenrettern. Weil es den Wildbienen deshalb auf dem Land immer schlechter geht, soll ihnen die Stadtflucht erleichtert werden. Dafür haben die Bienenretter in diesem Jahr eine Saatgutaktion gestartet, für die sie von der UN ausgezeichnet werden.

3000 Quadratmeter Bienenweide erschaffen

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Zu einem Symbolpreis von einem Euro verkaufen sie eine Spezial-Blühmischung mit über 40 Wild- und Küchenkräutern regionaler Herkunft, die den Bienen in der Stadt ein vielfältiges Nektar- und Pollenangebot bieten sollen. Angeboten werden diese Saatmischungen im Online-Shop der Bienenretter unter www.bienenretter.de. „Wir haben damit von der Ostsee bis in die Salzburger Alpen schon über 3000 Quadratmeter sogenannte Bienenweide erschaffen können“, sagt Bourgeois. Und jeder könne damit seinen Beitrag leisten, dass die Biene das ganze Jahr über Nahrung findet und damit die für den Menschen bedeutenden Bestäubungsarbeit leistet. „Ob die Verkehrsinsel oder der Blumenkasten auf dem Balkon. Es ist kein großer Aufwand, man muss nur die Blütenmischung in die Erde drücken“, sagt Bourgeois.

Bestäubungsleistung ist zwei Milliarden Euro Wert

Vielen sei nicht bewusst, dass 80 Prozent der heimischen Obst-, Blumen und auch Gemüsearten von der Biene abhängig sind. „Oder in Zahlen ausgedrückt: Die Bestäubungsleistung der Bienen wird jährlich auf zwei Milliarden Euro geschätzt“, rechnet Bourgeois vor.

Von 2011 bis 2020 wurde von der UN die Dekade „Biologische Vielfalt“ ausgerufen. Ziel: Das gesellschaftliche Bewusstsein dafür soll gefördert werden. Und mit ihrem Projekt und vor allem der Saatgutaktion trafen die Frankfurter ins Schwarze. Die Jury ist beeindruckt: „Bienenretter trägt über den konkreten Beitrag im Projekt hinaus dazu bei, mehr Menschen für die Erhaltung der biologischen Vielfalt zu motivieren. Wir danken ihnen ausdrücklich dafür.“ Die Übergabe der Auszeichnung ist am 1. Mai um 15 Uhr auf dem Roßmarkt zum Grüne-Soßen Festival.

Projekt Bienenretter

Das Projekt Bienenretter hat das Frankfurter Institut für nachhaltige Entwicklung (FINE) vor fünf Jahren gegründet. Der Bildungsverein veranschaulicht den Begriff der Nachhaltigkeit am Thema Bienen vor allem für Kinder auf dem Vereinsgelände im Sachsenhäußer Landwehrweg.

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