Bad Sodener Kino am Scheideweg

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Kann das Bad Sodener Kino noch gerettet werden? Auch das äußere Erscheinungsbild hat schon bessere Zeiten erlebt.

Bad Soden – Eigentlich sollte im Dezember der letzte Vorhang für das Bad Sodener Kino fallen. Aber der neu gegründete Verein KinoKultur Bad Soden und der Verpächter des Gebäudes wollen dem kultigen Lichtspielhaus neues Leben einhauchen. Von Dirk Beutel

Die Fassade bröckelt, die Technik ist überholt und die Gäste bleiben weg. Das Bad Sodener Kino hat seine besten Zeiten längst hinter sich. Dazu wurde der Pachtvertrag mit Betreiber Ulrich Aurass zum Ende des Jahres gekündigt. Alles sah lange Zeit danach aus, dass schon wieder ein kleines Kino, im Konkurrenzkampf mit modernen und größeren Häusern unter die Räder kommt. Doch eine Fan-Gruppe aus Bad Soden wollte einfach nicht tatenlos zusehen und gründete am Dienstag den Verein KinoKultur Bad Soden. Sein Ziel: Ein neues Konzept, für das angeschlagene Kino zu erarbeiten.

Einer, der sich schon Ende 2011 Gedanken gemacht hat, ist Andreas Hallet. Der 54-Jährige weiß: „Das Kino darf nicht mit den großen Kinos in der Region konkurrieren. Und das jüngere Popcorn-Publikum werden wir ohnehin nur schwer erreichen.“ Statt Blockbuster sollen Programmfilme, Filme im Originalton oder Angebote für Senioren und Schulklassen im Focus stehen. Oder auch mal an ganz andere Verwendungsmöglichkeiten gedacht werden: Autorenlesungen, Opernübertragungen oder Public Viewing. Die Details sollen nach und nach gemeinsam erarbeitet werden.

Kosten für Modernisiserung liegen über 150.000 Euro

Gebäudeeigentümer Jörg Behrle findet das große Bemühen des Vereins und dessen Ideen gut. So gut, dass er in die eigene Tasche greifen und in das 1956 errichtete Kino investieren würde. Und das ist auch nötig: Die Kino-Technik muss digitalisiert werden, das Gebäude müsste saniert werden. Vor allem die Toiletten, die Heizung und das Dach müssen erneuert werden. Kosten allein dafür: Um die 150.000 Euro. Kein Pappenstiel. Zumal Behrles Schmerzgrenze bei 200.000 Euro erreicht wäre. Behrle: „Doch wie es aussieht, wird das nicht reichen.“ Und was, wenn trotz der Modernisierung und eines neuen Konzeptes die Besucher wegbleiben. „Das finanzielle Risiko trage ich und meine Familie allein“, sagt Behrle. Daher hält er nach Subventionen Ausschau. Etwa bei der Filmförderungsanstalt in Berlin, dort habe er bereits einen Antrag gestellt. Die könnte bis zu 36.000 Euro für die Digitalisierung dazugeben. Auch bei der Deutschen Theaterbau habe Behrle schon angefragt. „Bis alles auf den Weg gebracht wird, dauert es bis zu einem halben Jahr“, räumt Behrle ein. Bis dahin soll das Kino erstmal weiterlaufen. Doch nicht wie bisher. Das Programm und die Anfangszeiten sollen geändert werden.

Stadt unterstützt das Projekt

Zusätzlich nimmt der Kino-Verein seine Arbeit auf. Die erste und zugleich wichtigste Aufgabe wird sein, das Kino und dessen neues Konzept wieder ins Gespräch der Bad Sodener und die Menschen wieder dorthin zu bringen. Unterstützung hat bereits die Stadt zugesagt und wirft 10.000 Euro für die Öffentlichkeitsarbeit in den Topf – wenn ein tragfähiges Konzept vorliegt.

Hallet: „Alles andere wird sich entwickeln und dann kann das Publikum in Bad Soden beweisen, dass es ein Kino verdient hat.“

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