Oft bleiben Kinder Zuhause 

Betreuungsgeld-Wahnsinn: Oft bleibt fast nichts übrig

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Für Kinder unter drei Jahren konnten Eltern bisher 100 Euro Betreuungsgeld (jetzt 150)beantragen.

Region Rhein-Main – Laut Studie schicken zu viele ungebildete Eltern und Migranten ihre Kinder unter drei Jahren offenbar nicht in die Kita, um das Betreuungsgeld vom Staat zu kassieren. Doch zumindest für Hartz-IV-Empfänger  bleibt davon fast gar nichts übrig. Von Christian Reinartz 

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Die Argumentation, mit der die Grünen vergangene Woche das Betreuungsgeld kritisiert haben, ist einfach: Eine Studie hat gezeigt, dass viele Migrantenfamilien und sogenannte bildungsferne Eltern ihre Kinder nicht in die Kita oder zur Tagesmutter schicken, um das Betreuungsgeld zu kassieren. Zu diesem Ergebnis kommen das Deutsche Jugendinstitut und die Universität Dortmund nach einer Umfrage bei über 100.000 Elternpaaren mit Kindern unter drei Jahren. Immerhin 54 Prozent der Eltern mit Hauptschulabschluss oder ohne Ausbildung gaben das Betreuungsgeld als Grund an, warum sie ihre Kinder lieber zuhause betreuten. Bei Eltern mit mittlerer Reife reduzierte sich der Anteil auf 14 Prozent.

Förderungsbedürftige Kinder bleiben oft Zuhause

Für sozial benachteiligte Familien stellt das Betreuungsgeld folglich einen Anreiz dar, kein staatliches Angebot frühkindlicher Betreuung in Anspruch zu nehmen, heißt es in der Untersuchung. Das wiederum hat zur Folge, dass gerade förderungsbedürftige Kinder gar nicht erst in den Genuss einer solchen Förderung kommen, obwohl sie es eigentlich am nötigsten hätten.

Allein in Hessen nahmen im ersten Quartal des Jahres 10.681 Elternteile das Betreuungsgeld in Anspruch. Bundesweit waren es 145.769.

Hier geht`s zum Kommentar: "Betreuungsgeld wieder abschaffen!"

Für bildungsferne Eltern, die Hartz IV beziehen, könnte die Rechnung gleich in doppelter Hinsicht nicht aufgehen. Denn von den bisher 100 Euro Betreuungsgeld (seit 1. August 150) bleiben nur noch 30 übrig. Das ist offenbar nicht allen bewusst, wenn sie sich für das Betreuungsgeld entscheiden. Immer wieder klagen Eltern, sie seien von dem Geld angelockt worden und nun enttäuscht, dass nur ein Bruchteil ausgezahlt werde.

Betreuungsgeld wird mit Leistungen des Arbeitslosengeldes verrechnet

Steffen Römhild-Wilson, Sprecher des Frankfurter Jobcenters, klärt auf: „Der Rest muss als Einkommen angerechnet werden und wird deshalb mit den Leistungen des Arbeitslosengeldes II verrechnet.“ Ob sich alle Eltern, die Hartz IV beziehen bei der Entscheidung für das Betreuungsgeld dessen bewusst sind, kann Römhild-Wilson nicht mit Sicherheit sagen. „Zwar ist das Betreuungsgeld als Einkommen bei der Antragstellung gekennzeichnet, und in der Ausfüllhilfe wird auch darauf hingewiesen, aber es kann immer sein, dass das missverstanden wird und die Leute dann überrascht sind.“

Allerdings sei es möglich, das Kind dann jederzeit doch in den Kindergarten oder die Krippe zu geben.

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