Der Wunderhengst lebt ganz einfach

+
Totilas und Matthias Rath in der Box des Hengstes. Gummibälle und die Möglichkeit, in die Stallgasse zu gucken, sind der einzige Luxus für das Edel-Pferd. 

Kronberg – Ein Aufpasser über Nacht? Ein Stall für sich allein? Kaum war das teuerste Dressurpferd der Welt auf dem Schafhof in Kronberg angekommen, kursierten die wildesten Gerüchte. „Alles Schwachsinn“, sagt Reiter Matthias Rath. Zehn-Millionen-Euro-Pferd Totilas wird behandelt wie die anderen Pferde im Stall auch. Mit wenigen Ausnahmen. Von Julia Renner

Spielzeug hat Totilas tatsächlich in seiner Box: Zwei Gummibälle. „Einen davon hatte er schon, als er noch in Holland stand“, sagt Matthias Rath. Mit dem Umzug nach Kronberg kam bloß ein weiterer hinzu. „Die Bälle machen ihn ruhiger.“ Außerdem ist Totilas das einzige Pferd, das aus seiner Box in die Stallgasse gucken kann. Das war es aber auch schon mit der Sonderbehandlung für das Zehn-Millionen-Euro-Pferd.

Er muss ebenso wie die anderen Sportpferde morgens zum ersten Training, futtert auch bloß Heu und muss sich eine Pflegerin mit anderen Pferden teilen. Und wie alle anderen Turnier-Pferde darf er nicht auf der Weide toben: „Die Verletzungsgefahr ist einfach zu groß.“ Zum Grasen geht es trotzdem mehrmals täglich vor die Stalltür.

Weibliche Autogrammjäger

Dass die Aufmerksamkeit groß sein würde, war Rath klar.„Ich hätte aber nicht gedacht, dass es so extrem wird“, sagt der 26-Jährige. „Für den Reitsport ist das ungewöhnlich.“ Dass bei dem ganzen Hype hauptsächlich der niederländische Hengst Totilas im Mittelpunkt steht, stört Rath nicht: „Totilas ist der Star. Die Erfolge haben wir gemeinsam, aber das Pferd fasziniert.“

Ann Kathrin Linsenhoff, Stiefmutter von Rath, ist Mitbesitzerin des Pferdes.

Trotzdem ist Rath mittlerweile selbst prominent. „Ich war vorhin in Kronberg etwas essen und dann gratulieren mir die Leute schon zum Erfolg in Aachen“, sagt der 26-Jährige und fügt schmunzelnd hinzu: „Auch mein Bankberater hat mir am Telefon gratuliert.“ Weibliche Fans hat der Dressurreiter mittlerweile auch. Liebesbriefe bekomme er zwar keine. Bei Autogrammstunden auf Turnieren wollten aber hauptsächlich Mädchen eine Unterschrift ergattern.

Auf dem Schafhof steht aber niemand Schlange, um ein Autogramm zu bekommen. Dort geht für ihn und Totilas schon morgens um acht das Training los. Rath reitet jedoch nicht nur das Wunderpferd. Schließlich stehen derzeit rund 50 Pferde auf dem Hof seines Vaters und seiner Stiefmutter Ann Kathrin Linsenhoff, die früher selbst Dressur auf Weltklasse-Niveau ritt.

Wenn Matthias Rath nicht auf einem Pferd sitzt, arbeitet er im Büro seiner Stiefmutter mit, die eine Unicef-Stiftung hat. Ein Studium an der Frankfurter Goethe-Uni hat Rath vor kurzem abgeschlossen: Wirtschaftswissenschaften. Als Absicherung, wie er sagt. Schließlich könne im Sport immer etwas passieren.

Vorrangig ist jetzt erstmal die Europameisterschaft in Rotterdam im August. „Nach den Leistungen in Aachen sind wir für viele die Topfavoriten.“ Rath macht sich und Totilas aber keinen Druck.„Wir müssen nicht jede Prüfung gewinnen.“ Schließlich seien er und Totilas noch in der Kennenlern-Phase.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare