Andreas Gold über Lernmotivation

Bestrafen bringt den Kindern nichts

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Wenn die Kinder in die Schule kommen, sind sie noch sehr motiviert und haben Freude bei den Hausaufgaben und beim Lernen.

Region Rhein-Main – Für über 50.000 kleine Hessen war diese Woche ihr erster Schultag. Viele Kinder konnten es kaum abwarten, endlich in die Schule zu kommen. Doch so groß die Lernfreude und Lernmotivation gerade noch ist, so schnell nimmt sie auch wieder ab. Von Silke Gottaut

Warum das so ist, und wie man die Kleinen weiter motivieren kann, erklärt Professor Andreas Gold aus dem Fachbereich Psychologie von der Universität Frankfurt.

Warum gehen Lernfreude und Lernmotivation im Laufe der Schulzeit immer mehr zurück?

Das ist ein bekanntes Phänomen. Kleinere Kinder sind es gewohnt, aus Interesse an einer Sache und aus Neugier zu handeln. Sie denken auch, dass sie alles erreichen können, wenn sie es nur wollen und sich genügend anstrengen. Kinder haben einen gesunden Überoptimismus. Im Verlauf der Schuljahre müssen Kinder aber auch Dinge lernen, die sie nicht auf Anhieb interessant finden.

Worin besteht der Unterschied zum Lernen vorher, bevor die Kinder in die Schule kamen?

Das aus der Sache heraus motivierte Lernen wird in der Schule quasi umgepolt auf ein zweckgerichtetes Lernen, das sich an externen Leistungsrückmeldungen orientiert. Das ist anders als im Kindergarten. Es geht mehr um den Erfolg und das Erreichen von außen gesetzter Ziele. Das Interesse an der Sache verliert darüber an Bedeutung. Einige Kinder machen auch die Erfahrung, dass ihnen nicht alles gelingt, was sie in Angriff nehmen. Sie werden realistischer in ihren Selbsteinschätzung und merken, dass sie doch nicht alles können.

Schüler untereinander vergleichen sich gerne. Dies ist auch ein Grund, warum die Lernmotivation abnimmt?

Fallen die Leistungsrückmeldungen und die sozialen Vergleiche negativ aus, schwindet natürlich auch die Freude am Lernen und die Lernmotivation. Sind die Rückmeldungen positiv, natürlich nicht.

Kann man sagen, ab wann die Lernmotivation abnimmt?

Ganz genau kann man das nicht sagen. Aber es ist zu beobachten, dass bei den meisten Kindern die Lernmotivation bereits ab der zweiten Klasse kontinuierlich abnimmt.

War das schon immer so?

Die Studien, die ich kenne, stammen aus den letzten 30 Jahren. Wie es vor 50 oder 100 Jahren war, wissen wir nicht. Schule und Unterricht haben sich seither verändert.

Wie können Eltern ihre Kinder motivieren? Können Sie da Tipps geben?

Eltern müssen sich natürlich für das schulische Lernen ihrer Kinder interessieren. Wenn Geschwisterkinder da sind, müssen sie bedarfsgerecht unterstützt und gefördert werden. Das ist nicht immer leicht, weil Kinder oft erwarten, dass ihre Eltern sie gleich behandeln. Kinder sind aber ungleich. Wo Adam vielleicht Probleme in Mathe hat, ist Anna ein Mathe-Ass. Auf solche Stärken und Schwächen muss man individuell eingehen. Auch die Eltern, die Lehrer machen das ohnehin. Natürlich hilft Anerkennung. Die Kinder durch Worte loben. Gemeinsam etwas besonderes unternehmen, wenn etwas gut geklappt hat. Bestrafen und schimpfen hilft bei schlechten Noten nichts. Eltern sollten dann mit ihrem Kind darüber sprechen, was man besser machen kann und gemeinsam Ziele und zielerreichende Handlungen formulieren und vereinbaren.

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